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Verschwörungstheorie : Twitter geht gegen „QAnon“ vor

Eine „QAnon“-Anhängerin in San Diego, Kalifornien Bild: AFP

Ein einsamer Kämpfer Trump, der gegen einen geheimen Pädophilenring vorgeht, dem Prominente aus Wirtschaft, Kultur und Politik angehören – gegen diese absurde Verschwörungstheorie geht Twitter jetzt vor.

          2 Min.

          Ein Ring von Pädophilen, die zur Elite aus Wirtschaft, Kultur und Politik kommen, die Kinder gefangen halten, und ein Präsident Donald Trump, der als einsamer Kämpfer versucht, die Verschwörung aufzudecken; die Corona-Krise ist entweder nur vorgeschoben, um die Kinder zu retten, oder ein Weg dieser Elite, ihre Macht zu sichern: Was absurd klingt, ist Gegenstand einer Verschwörungstheorie namens „QAnon“, die angeblich zurückgeht auf einen oder mehrere Politik-Insider, die behaupten, Zugang zu geheimen Dokumenten haben. Absurde Theorien wie diese finden sich im Internet zuhauf. Etwa auch diejenige, dass der neue Mobilfunkstandard 5G das Corona-Virus verbreite oder dass Bill Gates versuche, mithilfe von Impfungen der gesamten Weltbevölkerung Computerchips zu implantieren.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Twitter geht nun verstärkt gegen die Verbreitung von „QAnon“ vor. Siebentausend Konten sind gelöscht worden, mit weiteren Maßnahmen will der Konzern die Verbreitung der „Theorie“ eindämmen. Das könnte 150.000 weitere Konten betreffen: Posts und Konten, die in Verbindung mit der Verschwörungstheorie stehen, sollen nicht mehr in den Trends angezeigt und den Nutzern nicht mehr vorgeschlagen werden. In der Suchfunktion werden die Inhalte nicht mehr hervorgehoben, Links, in denen „QAnon“ auftaucht, werden geblockt.

          Twitter scheint den Schritt mit anderen Netzwerkkonzernen abgesprochen zu haben. Facebook plane Ähnliches, berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf Mitarbeiter.

          „QAnon“, häufig als rechtsradikal eingestuft, ist mehr als ein Randphänomen. Das FBI stuft dessen Vertreter als terroristische Gefahr im Inland ein. Auf Facebook hätten Gruppen und Seiten, die „QAnon“ propagieren, mehr als drei Millionen Follower, berichtet der „Guardian“. Der Chef der bekanntesten New Yorker Polizeigewerkschaft hatte in der vergangenen Woche eine „QAnon“-Tasse so plaziert, dass sie beim Interview mit Fox News gut zu erkennen war. In Oregon und Georgia kandidieren „QAnon“-Anhänger für die Republikaner, manche mit Donald Trumps Unterstützung.

          An die Computerchip-Verschwörung um Gates glauben laut Umfragen 44 Prozent der Republikaner. In Deutschland erreichen Kanäle, die Verschwörungstheorien verbreiten, Hunderttausende. Sie nutzen verstärkt den Chatdienst Telegram, der nicht unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz fällt, das Plattformen verpflichtet, strafbare Inhalte zu entfernen.

          Twitter, Facebook und andere Netzwerke stehen wegen der amerikanischen Präsidentschaftswahl unter Druck. Eine Reihe großer Werbekunden hat sich einem Boykott angeschlossen, der sich ursprünglich gegen Facebook richtete, den einige aber auf sämtliche Netzwerke ausweiteten. Die Konzerne fordern strengere Vorgehen gegen Rassismus, Hassrede und Verschwörungstheorien, auch aus Sorge um ihr Markenimage, wenn Anzeigen im Umfeld zweifelhafter Posts erscheinen. Derweil hat Donald Trump gedroht, die Gesetzesgrundlage zu ändern, die bisher dafür sorgt, dass Online-Netzwerke anders als etwa Zeitungen nicht für die Inhalte verantwortlich gemacht werden, die sie verbreiten.

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