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Twitter Battle : Twertzog@Tweezek

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Fröhliches Zwitschern unter falschem Namen: @WernerTwertzog und @SlavojTweezek. Bild: AFP

Liebhaber von Aphorismen aufgepasst: Werner Herzog und Slavoj Žižek – oder besser: ihre Alter Egos auf Twitter – liefern sich im Netz einen beherzten Schlagabtausch.

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          Am 5. September feiert Werner Herzog seinen 73. Geburtstag. Nun ruft ein Unbekannter den 5. September zum „Tweet like Werner Herzog Day“ aus. Der Stoffkreis der erwünschten Kurznachrichten soll die Themen Schmerz, Brutalität, Dschungel, Wahnsinn, Tod, Seele, Mord und Ekstase umfassen. Merken Sie sich den Tag, wird der Leser ermahnt – „oder lassen Sie’s bleiben. Es ändert nichts. Bald werden wir alle tot sein.“ Der Gipfel des Ruhms ist mit der Parodierbarkeit erreicht.

          Dafür hat der echte Werner Herzog viel getan. Er lebt seit langem in den Vereinigten Staaten, der starke Akzent seiner hochpräzise artikulierten Sprache ist dort so bekannt, dass komische Nachahmer damit in Radio-Shows auftreten. Herzog (der echte) hat im Trailer des Zeichentrickfilms „Penguins of Madagascar“ seine Stimme einem gezeichneten Filmregisseur geliehen, der drei arme Pinguine von einer Klippe stoßen lässt. Vorher erklärt er, die Tierchen, klein und hilflos, seien „frozen with fear“, einen Sturz würden sie mit Sicherheit nicht überleben. Und doch, sie fallen und überleben. Der Mann aber (oder die Frau? Sehr unwahrscheinlich!), der die Twitter-Adresse @WernerTwertzog betreibt, ist ein Übertreibungskünstler von eminenten Gaben. „Ich bin ein eifersüchtiger Regisseur“, verkündet er direkt alttestamentlich. Und er folgt den aktuellen Nachrichten. Über den Themenpark „Dismaland“ des Street-Art-Künstlers Banksy, der als Kritik an Disneyland gedacht ist, merkt Twertzog sarkastisch an: „Banksys ,Dismaland‘ ist wichtig, weil eine Kritik an der kommerzialisierten amerikanischen Unterhaltungskultur riskant und originell ist.“ Ein scharfer existenzialistischer Nihilismus ist Twertzogs Markenzeichen.

          Aber er hat einen mindestens ebenso bedeutenden Gegenspieler, und das ist der Kommunist und Lacanianer @SlavojTweezek. In der Tat tauschen sich die beiden so oft aus, dass man schon vermutet hat, der Betreiber der beiden Accounts sei ein und dieselbe Person. Und wo Twertzog alttestamentlich redet, da schreibt Tweezek nietzscheanisch: „Ein Kommunismus, der mich nicht umbringt, macht mich stärker.“ Beim Anblick einer Zeitschrift aber, die seinem eigenen Denken gewidmet ist (es gibt sie wirklich, sie heißt „International Journal of Žižek Studies“), wird er ungehalten: „They f*ing named a journal after me.“ Man wolle dort seine Theorien „prüfen“, was für eine Idee! „Macht das mal lieber mit euern eigenen schwachsinnigen Theorien!“ Auf Twitter treiben sich viele Schlaumeier und Wichtigmacher herum. Aber allen Liebhabern neuer aphoristischer Formen seien die pseudoexistenzialistischen und -kommunistischen Kurzmitteilungen wärmstens empfohlen.

          Lorenz Jäger
          Freier Autor im Feuilleton.

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