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Twitter-Erfolg der spanischen Polizei : Spiel nicht „Breaking Bad“

Der Medienbeauftragte der Policía Nacional, Carlos Fernández Guerra (hier mir zwei Kolleginnen), setzt auf Schwarmintelligenz aus dem Netz. Bild: Policía Nacional

Die spanische Policía Nacional hat auf Twitter mehr Follower als das FBI: Eine Million Menschen jagen mit den Polizisten Verbrecher oder lassen sich die Leviten lesen. Wie eine Behörde im Internet cool wurde.

          Öffentliche Einrichtungen haben in jedem Land ihren Ruf, aber wer könnte ihn messen oder bestimmen? Eine der größten Überraschungen kommt diesbezüglich aus Spanien, wo die Polizei seit neuerem Werbung mit ihrer Popularität macht. Die Polizei? Obwohl die Erinnerung der Spanier an Uniformen nicht die allerbeste ist und das Misstrauen in Teilen der Bevölkerung immer noch nicht geschwunden sein dürfte? War man früher auf Umfragen angewiesen, um derlei Behauptungen Glauben zu schenken, gewährt die heutige Policía Nacional dem Interessierten einen Blick in den eigenen Datenstrom in den sozialen Netzen.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          In der dritten Etage des Polizeikommissariats im Madrider Stadtteil Chamberí, auf einem schmuddeligen Flur in kranken Gelb- und Olivtönen, der nichts von Modernität irgendwelcher Art ahnen lässt, hat Carlos Fernández Guerra sein Büro. Fernández ist Medienbeauftragter der Policía Nacional. „Erst hat es uns ja selbst überrascht“, sagt der agile Mann, der sofort zu reden beginnt und in den nächsten 45 Minuten kaum zum Luftholen kommt, „dann habe ich erkannt, dass das eine ganz große Sache ist. Und sie hört nicht auf. Sie wächst immer weiter. Aber gehen wir erst mal einen Kaffee trinken.“

          Das Konzept Polizei 3.0

          Unterwegs geht Fernández Guerra noch einmal die Zahlen durch; erst als wir sitzen, wird er ruhiger, wirft aber bei jedem Brummen seines Mobiltelefons einen Blick auf die eingegangene Nachricht. Es brummt oft. Das Twitter-Konto glüht. Kurz gefasst, geht die Geschichte so: Im September hat die Policía Nacional es geschafft, die Schwelle von einer Million Twitter-Anhängern zu überspringen. (Der frühere König Juan Carlos schickte sofort einen Glückwunsch.) Für Film- und Popstars mag das nur eine Etappe auf dem Weg zum Weltruhm sein, aber für eine Institution dieser Art ist das sensationell.

          Zum Vergleich: Die spanische Regierung erreicht nur gut ein Viertel davon, das Königshaus kaum ein Sechstel, und selbst legendäre, in aller Welt bekannte Einrichtungen wie das FBI (977000) oder die CIA (776000) haben weniger als eine Million Twitter-Anhänger, zu schweigen von der Boston Police (283000), der Londoner Metropolitan Police (223000) oder dem New York Police Department (115000). Nicht, dass deren Ruf immer der beste wäre; doch die bekannten Institutionen sind Marken, deren Bekanntheitsgrad schwer zu übertreffen ist.

          All das hat die Policía Nacional nicht zu bieten. Was also ist das Besondere an ihr? „Ich bin kein Polizist“, sagt Carlos Fernández und lacht, „ich kann das Phänomen nur aus der Medienperspektive erklären.“ Im Jahr 2009 eröffnete der frühere Journalist und PR-Berater, 41 Jahre alt, für seinen neuen Arbeitgeber den Twitter-Account „@policia“. Bald hatte er 10000 Twitter-Follower. Dann übernahm 2012 ein neuer Generaldirektor der Policía Nacional namens Ignacio Cosidó das Ruder, seinerseits Twitter-Nutzer und jung genug, um die Bedeutung der Netzkommunikation zu erfassen. Eine ungewöhnliche Aufgeschlossenheit gegenüber Twitter, Facebook und Youtube hielt Einzug, das Schlagwort lautete „Policía 3.0“. Der Chef stellte neben Fernández acht Leute für die Abteilung ab. Ihre Aufgabe ist es, eingehende Nachrichten zu lesen, zu bewerten und an die zuständigen Stellen im Kommissariat weiterzugeben sowie selbst mit den Internetnutzern in Kontakt zu treten. Außer Fernández sind alle Mitglieder der Abteilung ausgebildete Polizisten.

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