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Twitter-Erfolg der spanischen Polizei : Spiel nicht „Breaking Bad“

Denn hier sind Tempo, Kürze und das zufällig aufgespürte Goldkörnchen alles. Masse schlägt Klasse. Nicht von ungefähr interessiert sich auch die Polizei lateinamerikanischer Länder, die bekanntlich nicht immer auf die Mithilfe der Bevölkerung zählen kann, für das Medienmodell der populärsten Sicherheitsbehörde der Welt. Die virtuelle Hyperpräsenz ist Voraussetzung für einen Erfolg, über den Fernández inzwischen ständig auf Podien sprechen muss, allein im laufenden Jahr hat er 120 Vorträge gehalten. Die Policía Nacional nutzt Twitter auch für Appelle und freundliche Warnungen. Die härteren Segmente der Bevölkerung spricht sie etwa so an: „Wenn du es geil findest, ‚Breaking Bad‘ zu spielen, landest du leicht bei ‚Prison Break‘. Im wirklichen Leben endet das Spielen mit Drogen GANZ SCHLECHT.“ Diese Nachricht wurde 12000 Mal weitergeleitet.

Die Kommunikationswirbel reißen alles mit

In das Gesichtsfeld der Behörden dringen allerdings auch weniger sensationelle Themen wie Mobbing in der Schule. Ein gestelltes Kurzvideo zeigt ein kleines Mädchen, das in seiner Klasse gehänselt wird. Von allen Spielen ausgeschlossen, schreibt es in der Pause einen Brief, läuft nach Unterrichtsschluss durch leere Straßen bis zum Kommissariat und gibt den Brief einem heraustretenden Polizisten. Der zögert nicht und nimmt das Mädchen an die Hand, beide verschwinden in der Polizeistation. Die Botschaft solcher Kampagnen lautet: Schaut nicht weg.

Die Zuschauer sollen sich Gedanken darüber machen, wer an welchem Punkt Verantwortung übernehmen müsste. Die Kommentare unter dem Youtube-Video zeigen, dass die Erfahrungen gemischt sind, doch von Ressentiment gegenüber den Ordnungshütern ist wenig zu spüren. Während das Netz oft zur Gruppenbildung unter Gleichgesinnten bis hin zur Ächtung abweichender Meinungen animiert, ist es der spanischen Polizei gelungen, ein Forum für gesellschaftliche Debatten zu schaffen. In einem Buch hat Carlos Fernández, der seine Arbeitszeit mit „sechzehn Stunden täglich, 365 Tage im Jahr“ angibt, seine Erfahrungen aufgeschrieben. Die spanische Ausgabe erscheint in diesen Tagen und heißt „@policia“, im Untertitel: „Erfolgsgeschichten“.

Offenbleibt, ob die massive Beteiligung und die Mitarbeit der Bürger nicht auf Kosten der Datensicherheit gehen. Dass von den Nutzern keine Profile erstellt werden, heißt nicht, dass unlauterer Gebrauch der Daten ausgeschlossen ist. Auch die Gefahr, dass Unschuldige zur Zielscheibe von sich in rasantem Tempo verbreitenden Kampagnen werden, wäre im Auge zu behalten. Jeder von uns kann, wenn er Pech hat, in ein gigantisches Missverständnis hineingezogen und vom Kommunikationswirbel der sozialen Medien untergerührt werden. Mag sein, dass die Abteilung für Medienpräsenz ausgebaut werden muss, um kommende Gefahren in den Griff zu bekommen.

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