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Twitter-Erfolg der spanischen Polizei : Spiel nicht „Breaking Bad“

Fahndungserfolge mithilfe sozialer Medien

Achtet nicht so sehr auf das, was die Polizei will, sondern auf das, was der Bürger braucht: So hätte man das Motto der Aktion umschreiben können. Wie eine PR-Agentur arbeiteten Fernández und seine Leute erst einmal am Image, und das definiert sich über den Ton. Um sich mit der Netzgeneration zu verbinden, benutzt die spanische Polizei eine coole, knappe, oft provokante und witzige Sprache. Dabei nimmt sie in Kauf, auch mal danebenzugreifen. Auf bislang unbekannte Art sollen die Bürger an der Arbeit der Polizei beteiligt werden. Die Hauptthemen: Trickbetrug, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Entführung, Kinderpornographie, Internetkriminalität und Drogendelikte.

Natürlich ziehen diese Gegenstände auch Menschen an, die im Alltag einen Kick suchen. Filme wie „Helden der U-Bahn“, ein stummes Überwachungsvideo, das die Rettung eines Menschen vor dem einfahrenden Zug zeigt, sowie Clips über die Ausbildung der spanischen Elitetruppe „GEO“ haben viele Fans. Darüber, ob Langeweile und Sensationsgier die Menschen motivieren, der Polizei im Netz zu folgen, will Carlos Fernández nicht spekulieren. Er spricht lieber über die Erfolge.

Das Social Media-Konzept der spanischen Polizei ist derzeit in aller Munde.

Seit Januar 2012 sind durch die Mithilfe der Bürger über den spanischen Hashtag #Tweetredada („Tweetrazzia“) mehr als fünfhundert Festnahmen im Drogenmilieu gelungen und einige hundert Kilo Rauschgift beschlagnahmt worden. Oder Anfang des Jahres: Ein gefährlicher Häftling, des Mordes angeklagt, war geflohen und konnte nach einem „Wanted“-Tweet und zahlreichen Reaktionen aus der Bevölkerung innerhalb von zwölf Stunden gefasst werden, ohne dass er größeren Schaden verursacht hätte als den Nasenbeinbruch eines Polizisten.

Zielgruppenorientierte Warnungen

Die virtuelle Zusammenarbeit, die aus früher getrennten Segmenten der Gesellschaft eine Netzgemeinde macht, hat zur Festnahme von Betrügern und Falschfahrern, aber auch zu massenhaften solidarischen Blutspenden nach dem Zugunglück von Santiago de Compostela im Sommer 2013 geführt. Vier, fünf Sekunden, und man hat schon etwas getan: einen Tweet gelesen, einen Hinweis weitergeleitet, ein Stückchen Wissen geteilt. Einer Institution, der an nichts so sehr gelegen sein muss wie der Zusammenführung von Informationspartikeln, hilft oft der kleinste Fingerzeig. Die Zusammenarbeit reicht von anonymen Hinweisen bis zu regelrechten Verfolgungsjagden, bei denen sich um die Verdächtigen das Netz in Minutenschnelle enger zieht.

Als die Eltern des krebskranken Kleinkindes Ashya King ihren Sohn Anfang September entgegen der Anweisung der Ärzte aus einem englischen Krankenhaus holten, wurde ein europäischer Haftbefehl gegen sie ausgestellt. Dank der Twitter-Nachrichten an die Policía Nacional wurde erst der Grenzübertritt des gesuchten Paares in Nordspanien, dann dessen Ankunft in einem Hotel in Málaga bekannt. Dass sich hinter dem Fall ein komplexes juristisches Problem verbarg, dürfte die Amateurpolizisten nicht gekümmert haben.

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