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Twitter-Alternative : Wer steckt eigentlich hinter Mastodon?

  • -Aktualisiert am

Die App mit dem Rüssel: Mastodon. Bild: Picture Alliance

Seit Elon Musk Twitter gekauft hat, wandern viele User zur Plattform Mastodon ab. Wer steckt dahinter? Ist es eine Alternative? Die Digitalkolumne.

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          Die lange weitverbreitete Faszination für geniale Tech-Unternehmer aus dem Silicon Valley ist ziemlich abgekühlt. Weder der Snapchat-CEO Evan Spiegel noch der Twitter-Gründer Jack Dorsey und schon gar nicht der Meta-CEO Mark Zuckerberg eignen sich noch als positive Symbole für eine Disruption der Verhältnisse im Zeichen des Nerds. Die algorithmische Architektur der großen Social-Media-Plattformen gerät zunehmend in die Kritik. Deren Gründer und Anführer wirken nicht mehr jung und innovativ, sondern wie eine Schiffsladung verwöhnter und kurzsichtiger Egomanen – mit Elon Musk als prominenter Galionsfigur.

          Seit Musk Twitter gekauft hat, wird die Plattform Mastodon von vielen als echte Alternative zu Twitter gesehen, weil deren Gründer Eugen Rochko so sympathisch wirkt. Der Twitter-Exodus wird außerdem noch permanent dadurch befeuert, dass Musk mit seiner Mischung aus größenwahnsinniger Hemmungslosigkeit und weinerlicher Bockigkeit perfekt die Rolle des Antagonisten ausfüllt.

          Ein dezentrales Netzwerk

          Eugen Rochko, der deutsche Gründer des dezentralen Netzwerkes Mastodon, ist ein gutes Beispiel für die Konkurrenzfigur des politisch aktiven Open-Source-Nerds. 2016 hatte er mit seiner Arbeit an einer Alternative zu Twitter begonnen. Anders als in der Tech-Industrie üblich, wurde die Entwicklung und Verbesserung von Mastodon über Crowdfunding ermöglicht – aktuell unterstützen knapp 3500 Personen das Projekt. Statt also Gewinne zu maximieren und eine Idee an Risikokapitalgeber und Investmentfonds zu verkaufen, wurde Mastodon von Anfang an über kollektiv organisierte Mittel finanziert. Seit 2021 ist Mastodon sogar als gemeinnützige GmbH eingetragen. Es ist offensichtlich, weshalb Rochko wie ein Anti-Musk wirkt: politisch engagiert, auf das Gemeinwohl konzentriert und desinteressiert an persönlichem Profit.

          Dennoch stellt sich bei solchen Open-Source-Projekten immer wieder die Frage, wie es wirklich um die Mitbestimmungs- und Machtverhältnisse steht. Auch Eugen Rochko ist bereits für seine alleinige Entscheidungsgewalt im Projekt stark kritisiert worden. Auch gutherzige Alleinherrscher bleiben Machthaber. Und besonders im Open-Source-Bereich haben die von Idealismus geleiteten Gründer und Gründerinnen regelmäßig Probleme damit, die Macht über ihr Produkt aus der Hand zu geben.

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