https://www.faz.net/-gqz-ag28r

TV-Kritik: Drittes Triell : Warum es das interessanteste Triell war

  • -Aktualisiert am

Tschüss, schön war’s: Ein viertes Triell wird es nicht mehr geben. Bild: Kay Nietfeld/dpa

Das letzte Triell war sehenswert. Das lag nicht nur an gut vorbereiten Moderatorinnen, sondern vor allem an den Umständen. Der Wähler erlebt wieder, was er gar nicht mehr kennt: einen Lagerwahlkampf mit klaren Alternativen.

          6 Min.

          Ein weiteres Triell wird es nicht mehr geben. Das Format ist als eine historische Anomalie zu verstehen, entstanden in der letzten Amtszeit von Angela Merkel. Es ergab sich die kuriose Situation, dass mit den Grünen ausgerechnet die schwächste Bundestagsfraktion durch die Nominierung einer Kanzlerkandidatin eine herausgehobene mediale Bedeutung bekam. Als Triell-Begründung gelten die guten Umfragewerte der Grünen noch im Frühjahr. Mit der gleichen Argumentation hätte Pro7Sat.1 die Kandidatin Annalena Baerbock auch wieder ausladen können. Schließlich war sie, ebenfalls auf Grundlage von Umfragen, Sonntagabend ohne Chance auf das Kanzleramt.

          Diese Sichtweise verkennt jedoch die besonderen Umstände dieses Wahlkampfes. Den Grünen war es bis zum Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr gelungen, sich in der Perspektive vieler Wähler als einzige Alternative zu einer weithin als abgewirtschaftet empfundenen großen Koalition zu profilieren. Zwar sorgten die anfänglichen hohen Zustimmungswerte in der Pandemiepolitik bei den Unionsparteien für deren demoskopische Scheinblüte, das änderte sich aber mit zunehmender Unzufriedenheit über Unzulänglichkeiten. So hatte die frisch nominierte grüne Kanzlerkandidatin mit einer Besonderheit zu kämpfen: Sie begann ihren Wahlkampf mit Umfragen an der Grenze des maximalen Stimmenpotentials ihrer Partei.

          Wiederauferstehung des Lagerwahlkampfes

          Deren Erfolgsgeheimnis war die Etablierung einer eigenständigen Position gegenüber den früheren Volksparteien. Dazu kam die mediale Präsenz des Klimawandels als wichtigstes Zukunftsthema, wo Umweltpolitik traditionell als grüne Kernkompetenz gilt. Vor diesem Hintergrund muss man dieses letzte Triell betrachten. Sein Ergebnis war die Aufgabe der Eigenständigkeit der Grünen als zentrales Scharnier jeder Regierungsbildung. Stattdessen erlebten die Zuschauer die Wiederauferstehung des alten Lagerwahlkampfes: Rot-Grün gegen Schwarz-Gelb, aber ohne die Teilnahme der FDP. Letztere hatte bekanntlich auf die formale Nominierung eines Kanzlerkandidaten verzichtet.

          So demonstrierten Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock eine herzliche Übereinstimmung auf praktisch allen Themenfeldern. Lediglich bei der Klimapolitik versuchte die grüne Kanzlerkandidatin noch eine Äquidistanz zu den Platzhirschen in unserem Parteiensystem herzustellen. Dort habe Scholz „unterstrichen“, so Baerbock, dass „ihm die Freiheit der Enkelkinder nicht so wichtig ist“. Scholz verzichtete auf eine Replik in der gleichen Tonlage, wollte aber seiner Bündnispartnerin einen zarten Hinweis nicht ersparen: Auch unter der grün-schwarzen Koalition in Baden-Württemberg seien nur zwölf Windräder genehmigt worden.

          Letztlich ging es Baerbock also nur noch um das Kräfteverhältnis im rot-grünen Lager. Ein zu großer Abstand zu den Sozialdemokraten mindert schließlich das eigene Gewicht. In ihrem Schlusswort wurde das entsprechend formuliert: Die CDU gehöre in die Opposition, so ihre faktische Absage an eine schwarz-grüne Koalition.

          Weitere Themen

          Wer was wird

          Ampel-Verhandlungen : Wer was wird

          Welche Partei welches Ministerium bekommt, soll erst am Schluss der Koalitionsverhandlungen besprochen werden. Doch im Hintergrund hat das große Verteilen längst begonnen. Ein Überblick aus der Berliner Gerüchteküche.

          Topmeldungen

          Neun auf einen Streichen: Umgewehte Fahrräder am Donnerstagmorgen in Köln

          Wetterdienst warnt : Sturm „Ignatz“ fegt über Deutschland

          Sturmtief „Ignatz“ beschert Deutschland bereits in der Nacht viele Einsätze von Polizei und Feuerwehr, vor allem in Hessen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor orkanartigen Böen mit bis zu 105 Stundenkilometer – die Deutsche Bahn vor Zugausfällen.
           Die Handlung findet nicht einvernehmlich statt. Genau das reizt die Exhibitionisten – und macht sie zu Straftätern. (Symbolbild)

          Exhibitionisten in der Bahn : Masturbieren nur mit Mundschutz

          Immer mehr Exhibitionisten sind in deutschen Zügen unterwegs. Auch wenn sie dies mitunter nicht so wahrnehmen, begehen sie strafbare Sexualdelikte. Wie sich Betroffene wehren können – und wie man Tätern den Erfolg nimmt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.