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Turner-Serie „Search Party“ : Warum schickt die Senatorin ihrem Assistenten peinliche Nacktfotos?

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche nach einer vermissten Studentin: Dory (Alia Shawkat, links), ihr Partner Drew (John Reynolds, 2. von links), ihre Freundin Portia (Meredith Hagner)und der exzentrische Elliott (John Early). Bild: Turner Entertainment Networks

In der Serie „Search Party“ kämpfen fünf Mittzwanziger mit der scheinbaren Bedeutungslosigkeit ihres Daseins. Sie suchen verzweifelt nach dem Sinn des Lebens, und finden ihn erst in größter Not.

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          Für die Magazine „Vulture“ und „Variety Fair“ war die im vergangenen Jahr gestartete Serie „Search Party“ „eine der unterhaltsamsten TV-Premieren der jüngeren Geschichte“. Von der amerikanischen Kritik hochgelobt und längst nicht mehr als Geheimtipp gehandelt, geht die ungewöhnliche „Mystery Comedy“ über eine Clique fünf selbstbezogener Hipster, die in Brooklyn Lebenszeit verschwenden, nun auch in Deutschland in die Verlängerung. Es kann sein, dass sich einem nicht alles, vor allem nicht die Mentalität dieser wohlhabend, aber nicht schlau geborenen Mittzwanziger, die in ihrem Leben halbherzig nach Bedeutung suchen, erschließt – sonst wäre „Search Party“ in Deutschland wohl wärmer, oder überhaupt erst einmal, zur Kenntnis genommen worden. Nach einem Jahr Donald Trump an der Spitze der amerikanischen Regierung mag sich das geändert haben. Das ursprüngliche Missverständnis: Eine Serie über überflüssige junge Leute ist ja wohl unnütz, oder? „Richtig“ witzig fand man die Comedy auch nicht, eher irritierend unentschlossen.

          Während amerikanische Kulturmagazine sich in Einflussforschung üben, Woody Allens „Manhattan Murder Mystery“, Donna Tartts „Die geheime Geschichte“, Hitchcock, Polanski, Agatha Christie, Wassily Kandinsky, „The Magnetic Fields“ und etliche andere Vorbilder nennen („Vulture“), scheint man bei uns schon mit der hybriden Form überfordert: Verbrechen und Comedy – verträgt sich das? Deutsches pädagogikgetriebenes Lernfernsehen ist das nicht. Wer schräge Komik der eigenen Intellektualität für unzuträglich hält, wird daher von keiner Lernkurve ausgehen können.

          Er täuscht seine eigene Krebserkrankung vor

          „Search Party“ folgt in der Auftaktstaffel der New Yorker Clique um die unsichere Dory (Alia Shawkat), die als Assistentin einer reichen Gesellschaftsdame hauptberuflich Kleider sortiert und plötzlich eine obsessive Suche nach einer College-Mitstudentin beginnt. Vom Verschwinden jener Chantal (Clare McNulty), die sie eigentlich kaum kennt, hat sie bloß zufällig gehört. Grund genug, ihres und das hohle Leben ihrer Freunde auf den Kopf zu stellen. Dory steckt in einer Beziehung mit dem selbstgefälligen Drew (John Reynolds) fest, Freundin Portia (Meredith Hagner), Schauspielerin mit beständiger Zukunftsangst, vertrödelt ihre Jugend bei Castings, und der selbsternannte Narzisst und Designer-Stylist-Buchautor-Kurator Elliott (John Early) hat erst kürzlich eine Krebserkrankung erfunden, um sich interessanter zu machen. Julian (Micheal Hall), Dorys Ex, versucht, als Journalist Fuß zu fassen, weswegen er hauptsächlich mit Laptop in Cafés herumsitzt und online Stoff für Artikel sucht. Am Ende der ersten Staffel haben Dory, Drew, Portia und Elliott die vermisste Chantal, um die es gar kein so großes Geheimnis gibt, in Montreal gefunden. Und als Kollateralschaden einen Toten, Keith, produziert.

          Zu Beginn der zweiten Staffel haben die vier damit erstmals ein wirkliches Problem: Wohin mit der Leiche? Dass niemand Lust hat, ins Gefängnis zu gehen, ist die erste echte gemeinsame Überzeugung. Im Baumarkt suchen Dory und Drew nachts nach geeigneten Grabschaufeln und Koffern für die sterblichen Überreste. Später versucht sich Portia im Wald auf High Heels mit Schneeschieber am würdigen Nachruf. Irgendwie müsste man beten. Aber was bloß? Zurück in Brooklyn, fürchten alle die Unmöglichkeit der Rückkehr zur Normalität. Zu was?

          Portia erhält eine Rolle in einem Charles-Manson-Projekt. Drew versucht, sich mit unlauteren Mitteln in die Firmenfiliale in Schanghai versetzen zu lassen. Elliott „verfolgt“ ein Buch-Projekt. Julian und Dory heuern bei der Senatorenwahlkampagne der Politikerin Ferguson (eine Hillary-Clinton-Doppelgängerin) an, die Julian pausenlos Nackt-Selfies schickt und von den „Werten“ der heutigen Jugend schwadroniert. Als die Freunde erpresst werden, will Dory das kompromittierende Cellulitepo-Bild zu Geld machen. Ihre Nerven sind völlig zerrüttet, nachdem sie in einer Folge einen „Vertigo“-Albtraum durchstehen musste. Erst zuletzt klärt sich, ob Dory zur Rechenschaft gezogen wird.

          Gerade durch die ätzend satirische, weniger witzobsessiv gesteuerte Kenntlichmachung der absoluten Bedeutungslosigkeit dieser stets durchgestylt auftretenden und, zumindest im Fall Elliotts, wahnsinnig originell gekleideten Millennial-Freunde entsteht die zeitdiagnostische Relevanz der von Sarah-Violet Bliss, Charles Rogers und Michael Showalter geschriebenen, inszenierten und auch produzierten Serie. TNT Comedy zeigt, den Sehgewohnheiten der Serienfans angemessen, zwei Mal jeweils fünf der zwanzigminütigen Folgen hintereinander. Eine dritte Staffel ist angekündigt.

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