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TV-Serie „Parfum“ im ZDF : Auf die Nase gefallen

  • -Aktualisiert am

Woraus komponiert er seine Düfte? Der Parfümeur Moritz de Vries (August Diehl) in seinem Labor Bild: ZDF

Club der betörten Riecher: Die schicke ZDF-Serie „Parfum“ bringt den Eros zurück in Patrick Süskinds Geschichte. Die aber war gerade so faszinierend, weil sie ganz ohne Lüsternheit auskam.

          Ambra ist Lust, süße, schmerzhafte, mörderische Lust.“ Eine Serie, die mit so verschwitzten Worten beginnt und schon nach wenigen Sekunden am nackten Körper einer in den Pool steigenden Frau entlangfährt, geht ein Wagnis ein. Wird sie es schaffen, diesem Bild einer billigen Erotikphantasie eine originelle Handlung mit Witz und Verve entgegenzusetzen? Um es gleich zu sagen: Die schicke ZDF-Serie „Parfum“, die sich locker an Motive aus Patrick Süskinds weltbekanntem – und bereits halbwegs erfolgreich verfilmtem – Roman über den genialisch amoralischen Parfümeur Jean-Baptiste Grenouille anlehnt, schafft es allenfalls ansatzweise.

          Trotz prächtiger Besetzung und trotz all der opulenten Bilder in gelbgrünlicher Gemäldeoptik, mit denen Regisseur Philipp Kadelbach und Kameramann Jakub Bejnarowicz die Landschaft des Niederrheins ins Mythische überhöhen (ein paar Drohnenflüge weniger hätten es auch getan), gefällt sich die Serie zu sehr im schwülstigen Morast der lodernden Leidenschaften. Die Aufdringlichkeit der Kamera in den vielen Sex- und Nacktszenen wirkt regelrecht peinlich, zumal die puppenschönen Frauen darauf reduziert scheinen, Spielball für männliche Begierden zu sein. „Die Sehnsucht der Frauen, wirklich verstanden und wahrgenommen zu werden, ist unendlich“, lernen wir. Verstehen gehe durch die Nase, schließlich ist das ganze Leben ein Hormoncocktail. Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Manipulation: „Dann halten Sie den Schlüssel.“ Mit den emotionslosen Mädchenmorden des sexuell völlig desinteressierten Grenouille hat das nichts mehr zu tun. Faszinierend an ihm war die Verwandlung eines krassen Außenseiters in ein Monstrum, das Menschen bloß als Objekte begreift. Sein Streben nach Macht über alle anderen ist ein absolutes und letztlich zweckfreies. Es geht nicht um Verstehen. Und schon gar nicht um den Sextrieb, der Kadelbachs Protagonisten so sehr plagt.

          Die Suche nach dem liebeserregenden Duft

          So großzügig das Drehbuch von Eva Kranenburg bei den Groschenromandialogen ist, so sehr geizt es mit Humor und Subtilität. Das Resultat ist ein kitschig romantischer Ernst und eine Menge in die Luft gestarrte Löcher. Dass sich der Plot derart schütter ausnehmen würde, war nicht vorherzusehen, nicht einmal beim Set-Termin in der ehemaligen Gaststätte Whisky Bill bei Köln vor einem Jahr, der mit so vielen Verschwiegenheitsklauseln einherging, dass darüber gleich gar nicht berichtet wurde. Dabei ist die Idee, die Suche nach dem liebeserregenden Duft der Leidenschaft vom 18. Jahrhundert in die Gegenwart zu verlegen und zugleich eine Wirkungsgeschichte des Romans zu bieten, recht apart, auch wenn das nicht unbedingt als Krimi (von den Opfern statt vom Tätern her erzählt) hätte angelegt sein müssen. Durchaus gut erkannt hat Produzent Oliver Berben auch, dass man gegen die internationale Konkurrenz vor allem mit der deutschen Provinz und ihren Eigenheiten punkten kann, wie das die TNT-Serie „Weinberg“ vor drei Jahren vorgemacht hat.

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