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TV-Serie mit Terence Hill : Das haut einem eine Delle in die Gurke

  • -Aktualisiert am

Vom Dresch-Flegel zum Pferdeflüsterer: Pietro (Terence Hill), Kommandant der Forstwache ist mit seinem zuverlässigsten Freund Filippo unterwegs. Bild: BR

Der um den Wolf schranzt: Terence Hill ist wieder da, der feschste Krawallchaot aller Zeiten. In der Serie „Die Bergpolizei“ reitet er den italienischen Schmunzelkrimi in neue Tiefen.

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          Was wurde eigentlich aus der Initiative, den Feldberg im Schwarzwald in „Terence Hill“ umzubenennen? Fans des unverschämt gutaussehenden Haudegens und Bud-Spencer-Buddys, der sich mit Bohnenmampfen, Massenkeilereien und flotten Sprüchen à la „Ich hau dir ’ne Delle in die Gewürzgurke“ in Spaghettiwestern ewigen Ruhm erworben hatte, haben das vor einigen Jahren angeregt. Tatsächlich trieb sich der 1939 geborene, immer noch unverschämt gutaussehende Mario Girotti, wie der zur Hälfte deutschstämmige (stahlblaue Augen!) Schauspieler mit bürgerlichem Namen heißt, da bereits in den Bergen herum, allerdings – wie immer in seinem Leben – ein verfluchtes Stück weiter südlich.

          In der italienischen Schmunzelkrimiserie „Un passo dal cielo“ („Die Bergpolizei“) spielt Terence Hill seit 2011 den Naturburschen Pietro, seines Zeichens Kommandant der Forstwache in der Gemeinde Innichen im Südtiroler Hochpustertal und Sparringspartner des verzärtelten, korrekten, frisch aus Neapel abkommandierten und mit den seppelhaften Deutsch-Südtirolern hadernden Großstadtkommissars Vincenzo Nappi (Enrico Ianniello). Wen das an die französischen Sch’tis denken lässt, liegt nicht ganz falsch, auch das eifelmordvertrottelte Dörfchen Hengasch aus der ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ liegt stimmungsmäßig nicht fern.

          Einfältige Schurkengurken gibt es in Innichen durchaus

          Allein, es fehlt der rechte Schwung: Einfältige Schurkengurken gibt es in Innichen durchaus, nur weit und breit kein Halleluja. Dafür sagt unser handzahmer Himmelhund jetzt Indianerweisheiten auf wie: „Der Hirsch, den du töten wolltest, ist auch meiner.“ Der Synchronsprecher Thomas Danneberg kann einem leidtun. Früher durfte er verbal Visagen im Akkord polieren, jetzt muss er gefühlvoll flüstern: „Wolf, mein lieber Freund, was haben sie gemacht?“ Die Faust bleiben dabei brav in der Tasche. Immerhin, der Wilderer, der dem Zwölfender mitten ins Herz geschossen hat, darf einmal dran schnuppern – ja, unser Held könnte noch zulangen, wenn er wollte, aber soll nicht. Pietro nutzt seine Hände nun einzig zum heilsamen Auflegen. Deshalb kommt sogar der getroffene Hirsch durch, muss allerdings eine Notoperation über sich ergehen lassen.

          Immer an der Seite der beiden Hauptdarsteller sind einige Standardcharaktere: der tumbe Polizeiassistent Huber (Gianmarco Pozzoli), der gutmütige Forstpolizist Roccia (Francesco Salvi) und die bildhübsche Tierärztin Silvia (Gaia Bermani Amaral), die vom halb ohnmächtigen Commissario – arg misslungene Hypochonderszene: „Was sind das für rote Flecken? Ich wusste, dass ich jung sterbe“ – im Wahn betatscht wird und sich zu seinem neckischen Dauerflirt entwickelt. Dabei wartet in Neapel eine Perlenpaula auf ihn, die sich ununterbrochen die Fußnägel lackiert.

          Es würde kaum auffallen, wenn der Feldberg die Hauptrolle spielte

          Das ist alles so müde ausgedacht und inszeniert (Regie Enrico Oldoini), dass kaum noch ins Gewicht fällt, wie laienhaft es gespielt ist. Dass aber auch Terence Hill in dieser postkartenadretten Rai-Produktion, der man ansieht, dass das Südtiroler Regionalmarketing sie zu guten Teilen bezahlt hat, lediglich zwischen den Gesichtsausdrücken überlegen-verdattert und mitleidig-begütigend wechselt, ist fast eine Frechheit. Es würde kaum auffallen, wenn statt seiner der Feldberg die Hauptrolle spielte. Herumreiten gelingt Mister Nobody freilich immer noch so famos, dass selbst Putin und Winnetou neidisch würden – und Pietro reitet viel herum.

          Bei einem seiner Ausritte findet dieser einsame Wolf – seine Frau ist beim Bergsteigen tragisch ums Leben gekommen, wie uns eine ebenfalls arg missglückte Traum-Bettwühl-Sequenz erzählt – die Leiche einer jungen Frau. Daneben knurrt ein Wolf mit blutverschmierter Schnauze. Den Wolf kannte der Forstwächter schon als Welpen („Wo warst du die ganze Zeit über?“) und wundert sich über dessen sorgsam vernähte Wunden. Abschießen, wie es der Bürgermeister fordert, kommt nicht in Frage, zumal das Tier unsere Ordnungshüter zum wahren Mörder führen soll.

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          Wie sich der Fall auflöst, ist erschreckend hilf- und witzlos. So sehr, dass es das Andenken des blonden Dresch-Flegels zu ramponieren droht. Vor allem, wenn man den langsamen Abstieg nicht mitbekommen hat. In Italien hatte Terence Hill auch zuvor schon lasche Kriminalfälle schneller als die Polizei gelöst, und zwar als Pfarrer „Don Matteo“ – mehr Dressman für Soutanen als Don-Camillo-Nachfahre. Dabei konnte der heute Achtundsiebzigjährige einst erstklassig deduzieren, etwa im „Supercop“ (1980): „Sieht aus wie Bohnen, schmeckt auch wie Bohnen, sind Bohnen!“

          Oh Wolf, was haben sie mit dir gemacht? Eine so traurige Polizeischerzserie, dass man sogar den espritfrei vor derselben Felslandschaft inszenierten „Bozen-Krimi“ der ARD wieder zu schätzen lernt. Dass die dramatische Musiksoße (Pino Donaggio), in der hier alles ertrinkt, wie aus Fertigpulver angerührt wirkt, verwundert da kaum noch. Trotzdem ist diese Feld-, Wald- und Wiesen-Soap bei Italienern unerklärlich beliebt, was zu bislang vier Staffeln führte, auch wenn Terence Hill in der jüngsten gar nicht mehr mitspielt – was vermutlich niemandem aufgefallen ist. Was soll man damit nun anfangen? Halten wir es am besten einfach mit dem alten Nasenverbeuler: „Hau’s in die Pfanne, und schlag ein paar Eier drüber!“

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