https://www.faz.net/-gqz-891he

TV-Serie Homeland gehackt : „Wir haben sie niedergebombt“

  • Aktualisiert am

Im Zeichen des Schleiers: Claire Danes spielt in „Homeland“ die CIA-Agentin Carrie Mathison. Bild: Showtime

Die amerikanische Serie Homeland handelt vom Kampf gegen den islamistischen Terror. Jetzt haben drei Graffiti-Künstler sie mit arabischen Wandsprüchen gekapert. Tenor der Nachrichten: Homeland ist islamfeindlich.

          1 Min.

          Der Dramaturgie der amerikanischen Fernsehserie „Homeland“ mangelt es für gewöhnlich nicht an Akuratesse, doch bei der Kulisse hört es offenbar schon auf. Denn drei Sprayern aus Ägypten und Deutschland ist es gelungen, der Serie bei den Dreharbeiten in Berlin Botschaften unterzujubeln, in denen davon die Rede ist, dass „Homeland“ rassistisch und islamfeindlich sei.

          Die „Arabian Street Artists“ Heba Amin, Caram Kapp und Stone waren von der Produktionsgesellschaft engagiert worden, um das Set eines Flüchtlingslagers mit arabischen Wandsprüchen zu versehen, in denen dem syrischen Machthaber Baschar al Assad gehuldigt wird. Doch die drei Sprayer wählten andere Slogans: „Homeland ist eine Wassermelone“, „Homeland ist ein Witz, wir haben nicht gelacht“ und „Homeland ist rassistisch“. Genau das ist nun in verschiedenen Szenen der fünften Staffel im Hintergrund zu lesen - die Botschaft erschließt sich freilich nur, wenn man Arabisch kann.

          Man habe Homeland „niedergebombt“, twitterte Heba Amin, die in ihrem Account angibt, an der Amerikanischen Universität in Kairo als Assistenz-Professorin zu lehren. Auf ihrer Homepage stellt sie die Schriftzüge aus und kritisiert die Serie als Symptom eines tief verwurzelten Rassismus und einer hysterischen Islamfeindlichkeit. Die Serie stelle Araber, Pakistaner und Afghanen in undifferenzierter Weise dar. Man habe die Gelegenheit nutzen wollen, dagegen ein Zeichen zu setzen.

          Arabische Schriftzeichen, welche die „Arabian Street Artists“ am Set der Serie hinterlassen haben. Übersetzt bedeutet der Schriftzug „Spion - Homeland rassistisch“.
          Arabische Schriftzeichen, welche die „Arabian Street Artists“ am Set der Serie hinterlassen haben. Übersetzt bedeutet der Schriftzug „Spion - Homeland rassistisch“. : Bild: dpa

          Die Serie „Homeland“ handelt in der nunmehr fünften Staffel vom Kampf der - inzwischen ehemaligen - amerikanischen Geheimagentin Carrie Anne Mathison (Claire Danes) gegen den internationalen, islamistischen Terror. Besonders die erste Staffel wurde von Kritikern gelobt, die Serie vielfach ausgezeichnet.

          Die ausführende Produktionsfirma Studio Babelsberg, die das Set zur fünften Staffel von „Homeland“ in Berlin eingerichtet hatte, wollte den Vorfall nicht kommentieren. Der „Homeland“-Erfinder Alex Gansa jedoch äußerte sich in amerikanischen Medien und sagte: „Wir hätten uns gewünscht, diese Bilder vor der Ausstrahlung zu entdecken.“ Zugleich bewunderte er „diesen Akt künstlerischer Sabotage“. Die fünfte Staffel von „Homeland“ ist seit Anfang Oktober in Amerika zu sehen. In Deutschland ist der Sendetermin im frei empfangbaren Fernsehen noch offen, zuletzt lief die Serie bei dem Sender Kabel eins.

          Durch diese Hohle Gasse: Hier ist zu lesen „Homeland ist ein Witz, der uns nicht zum Lachen gebracht hat“ und „Gegen das rote, blaue und lilafarbene Böse“.
          Durch diese Hohle Gasse: Hier ist zu lesen „Homeland ist ein Witz, der uns nicht zum Lachen gebracht hat“ und „Gegen das rote, blaue und lilafarbene Böse“. : Bild: dpa

          Weitere Themen

          Die RAF-Legende von Bad Kleinen

          „Spiegel“ kritisiert sich : Die RAF-Legende von Bad Kleinen

          Vor 27 Jahren veröffentlichte der „Spiegel“ eine Titelgeschichte zu einem Polizeieinsatz gegen die RAF. Später entschuldigte sich der Autor Hans Leyendecker dafür, dass er einer anonymen Quelle vertraut hatte. Die Story stürzte die Regierung in die Krise. Nun klärt der „Spiegel“ auf.

          Topmeldungen

          Nur noch mit Maske: Mitarbeiter in der Porsche-Produktion in Stuttgart im Mai 2020

          Corona-Pandemie in Deutschland : Die Wirtschaft in der zweiten Welle

          Nicht nur die Bürger müssen lernen, verantwortungsbewusst mit dem Virus zu leben. Auch die Finanz- und die Geldpolitiker müssen es schaffen, mit dem Virus umzugehen, ohne permanent Krisenpolitik zu betreiben.

          Fast alle Medien gegen Trump : Amerikas Presse wählt blau

          Die meisten amerikanischen Zeitungen empfehlen ihren Lesern, wen sie zum Präsidenten wählen sollen. Das Votum fällt eindeutig aus. Ein „Gegengift“ zu Donald Trumps Charakterzügen wird empfohlen.
          Ein Einzelzimmer in einem Krankenhaus in Stralsund

          F.A.Z. exklusiv : Private Krankenversicherungen werden deutlich teurer

          Um 8,1 Prozent steigen die Beiträge für die private Krankenversicherung im kommenden Jahr an. Das liegt unter anderem an höheren Kosten für Ärzte, Krankenhäuser und Arzneimittel. Der Verband versucht, die Erhöhung zu relativieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.