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TV-Vorschau „Spreewaldkrimi“ : Sie suchen nach dem Opfer

In einer mörderischen Moritat: Christian Redl und Claudia Geisler. Bild: Hardy Spitz

Meisterhaft fotografiert, exzellent geschnitten, gut gespielt: Der „Spreewaldkrimi“ ist eine mörderische Moritat und ein trauriges Meisterwerk.

          1 Min.

          In diesem Film ist alles anders. Es ist ein Krimi, schon dem Titel nach. Es geschieht ein grausames Verbrechen, ein Mord aus Raserei. Und wir kennen den Täter von Beginn an. Doch damit wissen wir noch nichts. Erst nach einer Elegie von neunzig Minuten haben wir ein Bild - von einem Leben, das aus den Fugen gerät, von einer Familie, die zerstört, und von einem Mann, der zum Mörder wird.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Ich hatte immer gehofft, dass mir so was wie Sie nie begegnet“, sagt Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl). Ihm gegenüber sitzt Gottfried Richter (Roeland Wiesnekker), der sich vor einen Lastwagen geworfen hat. Doch das Blut, von dem er bedeckt ist, stammt nicht von ihm. „Das Opfer haben wir noch gar nicht“, sagt der Polizeibeamte Fichte (Thorsten Merten). Sie werden es finden, doch sie werden nicht wissen, wer es ist, ja nicht einmal, ob es nur ein Opfer gibt.

          Schauspieler, die ihre Rollen „herausschwitzen“

          Geopfert hat sich der Täter, sein Leben lang. „Ich zerreiße mich für euch“, sagt Gottfried Richter zu seiner Frau Irene (Christina Große). Er zerreißt sich, er macht die miesesten und härtesten Jobs, er sucht seinen Platz in der sorbischen Gemeinde hier im Spreewald, doch es ist niemals genug. Nicht genug Geld, nicht genug Anerkennung. Nicht genug für den Schwiegervater, weil er dessen Bootsbauerhandwerk nicht lernt, nicht genug für die Schwiegermutter, die für ihre Tochter einen anderen wollte. Wohl aber für seine Frau und seine Tochter. Doch das erkennt Gottfried Richter nicht. Er wird an allem irre.

          Seine Geschichte erzählt der Film im Rückblick auf mehr als ein Jahrzehnt und zugleich den Fortgang der Ermittlung. Eine Szene geht fließend in die andere über, meisterhaft fotografiert von dem Kameramann Holly Fink und ebenso kunstvoll geschnitten von der Cutterin Tina Freitag. Das Buch stammt von Thomas Kirchner, die Regie von Kai Wessel, die Produktion von Wolfgang Esser - sie alle waren schon beim ersten „Spreewaldkrimi“ dabei und sorgen dafür, dass dieser sechste Film der Reihe so einzigartig ist wie die Landschaft, in der er spielt.

          Es geht um den Spreewald, bei dem man an die Sümpfe von Louisiana denkt, um die Sorben, um Männer, die nach der Wende jeden Halt verloren haben, um Ost und West (im Zweikampf zwischen dem Polizisten Fichte und dem Kommissar Krüger) und um eine große Tragödie, aufgeführt von Schauspielern, die ihre Rollen aus sich herausschwitzen. „Mörderische Hitze“ heißt der Film. Es ist eine mörderisch (gute) Moritat.

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