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TV-Kritik: Der „Duell“-Abend : „Wir haben Koalitionsverhandlungen gesehen“

  • -Aktualisiert am

Das Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz: Was hat es gebracht? Bild: AFP

Wie war das nun mit dem „Duell“? Hat Merkel gewonnen oder Schulz? Die Kommentatoren, Spin-Doktoren und Fernsehjournalisten haben sich darauf ihren Reim gemacht. Wir auch.

          Warum wollen zwei Drittel der Wahlberechtigen das „TV-Duell“ nicht sehen? Weil sie sich schon entschieden haben? Davon kann keine Rede sein. Warum aber fragen weder Tina Hassel noch Bettina Schausten danach, warum vierzig Millionen Wählerinnen und Wähler das Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz nicht sehen wollen?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Vielleicht geht es darum, wie politische Themen im Fernsehen verhandelt werden. Man kann die Abstinenz von vierzig Millionen Bürgerinnen und Bürgern als Misstrauensvotum gegen die politischen Debatten-Formate des Fernsehens interpretieren. Im Jargon der Spielmacher ist das eine ultrafette Klatsche. Man widmet sich lieber den Dingen, die unter Kontrolle scheinen. Dazu gehört Häme über die peinliche Vorabmeldung (dank einer vorzeitig erfolgten Anzeigenschaltung), dass die SPD etliche Stunden vor dem Ende des Duells Martin Schulz zum Gewinner erklärt.

          Misstrauensvotum gegen das Fernsehen

          Der Raum für den Herausforderer war eng. Wie würde Schulz die Balance zwischen Angriff und Respekt wahren, wie seine eigenen Themen nach vorne bringen? Und welcher Freudsche Fehlleistungsteufel bewegt das ZDF dazu, Frau Merkel zur Titelverteidigerin zu erklären? Das Bild benutzt den sportlichen Wettkampf als Vergleichsmaßstab für das politische Geschäft. Man kann mit guten Gründen Ausdauer, Sitzfleisch und langen Atem zu Sekundärtugenden von Berufspolitikern erklären. An diesem Abend steht nur etwas anderes im Mittelpunkt, nämlich die Frage, wie in 95 Minuten ein Verständnis konkurrierender Politikkonzepte zustande kommt oder nicht.

          Auch diese Frage scheint die Gastgeberinnen der Berliner Studios nicht zu interessieren. Sie beseelt Sehnsucht nach etwas Überraschendem, obschon sie aufgrund ihrer beruflichen Beobachtungen so etwas so gut wie ausschließen könnten. Die Sehnsucht beleuchtet insgeheimen Verdruss am Gegenstand ihrer Berichterstattung.

          Ein imaginärer Boxring

          Dass Schulz „angeschlagen in die Runde geht“, „den Haken setzt“, „Merkel zur Seite tänzelt“, solche Bilder verwandeln das TV-Studio in Adlershof in einen imaginären Boxring, den es nicht nur aus Fairnessgründen gar nicht geben darf. So verwandeln sich die Vorabberichte und Einspieler in bloße PR für die kommende Sendung. Wer aber PR betreibt, ohne ein Gespür für den Bedeutungsraum der eigenen Worte zu zeigen, zerlegt das eigene Produkt, noch bevor es an die Frau oder den Mann gebracht werden kann. Es geht um Argumente, um konkurrierende politische Ideen und Konzepte.

          Michael Spreng, 2002 Edmund Stoibers Berater, setzt im Gespräch mit Tina Hassel darauf, dass Schulz den direkten Dialog mit der Kanzlerin sucht und so dem starren Reglement der Debatte etwas Spielerisches hinzufügt. Er erinnert an das ungefähre Reden der Kanzlerin. Klare Hauptsätze seien nicht ihre Stärke. Ein Einspieler zeigt Frau Merkel bei einer Kundgebung in Bitterfeld. Das erinnert an eine Szene mit Helmut Kohl, der in Halle nur mit Mühe davon abgehalten werden konnte, auf randalierende Eierwerfer loszugehen. Frau Merkel schafft es von der Bühne aus, mit Worten Distanz zu Pöblern herzustellen.

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