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TV-Kritik : Nahtloses Nichtwissen

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger und ihre Gäste Bild: WDR/Max Kohr

Was weiß man über die zukünftige Politik Donald Trumps? Sowohl beim Brennpunkt als auch bei Sandra Maischberger lautet die Antwort: fast nichts.

          6 Min.

          Die ersten Glückwünsche kamen aus Moskau und Paris. Marine Le Pen sieht nach dem Brexit mit Donald Trumps Wahlsieg einen weiteren Sargnagel in der alten Weltordnung, die sie gerne im nächsten Jahr als französische Präsidentin gänzlich zu Grabe tragen möchte. Putin gratulierte aus anderen Gründen.

          Der Präsident des Europäischen Parlaments spricht von einem Kulturkampf des Landes gegen die Städte und der Präsident der Europäischen Kommission freut sich diebisch über eine vergiftete Formulierung, die nichts Gutes verheißt: Niemand kenne Trump. „Wir werden ihn kennenlernen, er uns aber auch.“ Das klingt für die Verhältnisse eines Funktionärs aus dem Großherzogtum Luxemburg etwas starckdeutsch.

          Die Bundeskanzlerin spricht von verbindenden Werten zwischen Deutschland und Amerika: Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. Auf der Basis dieser Werte bietet sie dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika enge Zusammenarbeit an. Ein kühler Willkommensgruß auf dem politischen Parkett. Er wäre noch kühler ausgefallen, wenn sie, was richtiger gewesen wäre, nicht von Werten, sondern von Prinzipien gesprochen hätte.

          Der Bundesaußenminister spricht vom Hassprediger und warnt vor Alleingängen, wenngleich die wenigen Andeutungen, die man von Trump bisher gehört hat, dazu führen könnten, dass sich einige europäische Länder sicherheitspolitisch bald allein gelassen fühlen könnten.

          Niemand kennt Leute aus Trumps engerem Umfeld. Das ist ungewöhnlich für Politiker, die aus Parteifamilien kommen, aber nachvollziehbar, weil ein Teil von Trumps erfolgreicher Strategie darin bestand, sich von wesentlichen Teilen der eigenen republikanischen Partei zu distanzieren. Immerhin kennt man drei Leute, die ihm verbunden sind: den angeschlagenen Gouverneur von New Jersey Chris Christie, den früheren Bürgermeister von New York Rudy Giuliani und Newt Gingrich, den einstigen Gegenspieler Bill Clintons.

          Kein richtiger Willkommensgruß

          Vorher an diesem langen Abend hatten Jürgen Trittin und Hans Ulrich Gumbrecht im Deutschen Theater an Churchills Satz erinnert, die Amerikaner täten immer das Richtige, nachdem sie alles Andere probiert hätten. Auch kein richtiger Willkommensgruß. Unstrittig scheint, dass der Wahlkampf das ohnehin seit langem gespaltene Land noch tiefer gespalten hat. Die erste kurze Rede Trumps entsprach der rhetorischen Pflicht, das Land zu einen. Ob er dieses Versprechen einlöst, bleibt abzuwarten. Auf dem Weg zur Bühne kam Trump an einem Journalisten von Al Jazeera vorbei, der ihm eine Frage stellen wollte, aber nur sehr barsch zu hören bekam, dass er nicht mehr im Geschäft sei.

          Am Abend nach der langen Wahlnacht klärt sich der Blick auf die Lage. Ina Ruck vom ARD-Studio in Washington resümiert Trumps Wahlkampagne. Welche Versprechen kann er einhalten? Wird er Handelsverträge kündigen? Spielt der Kongress mit? Schaffen die Republikaner Obamas Gesundheitsreform ab? Was wird mit der Mauer an der mexikanischen Grenze? Ist die Klimaschutzpolitik zum Scheitern verurteilt?

          Jörg Schönenborn resümiert, wer Trump gewählt hat: Seine Wähler würden von Abstiegsängsten geplagt. Sie bewerteten ihre wirtschaftliche Lage schlechter als die Wähler Hillary Clintons. Sie fühlten sich von Trump verstanden. Trump wirke emotional glaubwürdiger als Clinton. Erstaunlich ist, dass mit keiner Silbe auf die beiden Außenseiterkandidaten der Grünen und der Libertären eingegangen wird, deren Kandidaturen maßgeblich zur Niederlage Clintons beigetragen haben.

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