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TV-Kritik : Nahtloses Nichtwissen

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Lafontaine fühlt sich durch Hansen dazu ermuntert, weiter seine Wahlkampfrhetorik zu trainieren. Das große Geld sei mit der Wahl des Milliardärs abgewählt worden. Darauf muss mal erst mal kommen. Als Kronzeugen beruft er sich auf Jimmy Carters Zitat, die Vereinigten Staaten seien ein korruptes Oligarchensystem. Frau Atwal sekundiert mit ungebremstem Hass auf die demokratische Kandidatin, als befinde sie sich immer noch im Kampagnenmodus.

Maßgeblicher seien, sagt Thomas Roth, andere Details, an vorderster Stelle die Bankenreform durch Bill Clintons Glass Steagall Gesetz, das zur Finanzkrise geführt habe, und das Citizens United Urteil des Obersten Bundesgerichts, das anonymen Spendergruppen riesigen Einfluss auf Politik und die Wahlkampffinanzierung ermöglicht hat.

Wahlsieg Trumps undenkbar

Warum unterschätzt Lafontaine die persönliche Macht des amerikanische Präsidenten? Barack Obama hat mit Executive Orders über sechs Jahre am Kongress vorbei regiert. Vor einem Jahr, meint Thomas Roth, sei ein Wahlsieger Trump noch undenkbar gewesen. Den Boden für seine Kandidatur hat die Radikalisierung der Tea Party bereitet. Trump konnte an den Parteigliederungen der Republikaner vorbei mit gnadenlosen Vereinfachungen Boden gewinnen, eine weitere Parallele zu europäischen rechtspopulistischen Parteien.

Lafontaine erklärt ihren Erfolg mit einem Versagen der Sozialdemokratie und Sozialisten. Das Beispiel Frankreichs belege, dass die politisch heimatlos gewordene Arbeiterschaft inzwischen den Front National wähle. Ihre Interessen würden parteipolitisch nicht mehr repräsentiert. Die Rückkehr zum Nationalismus sei so erfolgreich, weil das Wohlstandsversprechen der Europäischen Union gebrochen worden sei. Hinzu kommt, wie Schwarzer einwirft, die wachsende Sorge vor dem politisierten Islam, sie sei Wasser auf den Mühlen der Rechtspopulisten, weil andere Parteien und die Medien darauf nicht eingegangen seien. Ein weiteres Mal widerspricht Thomas Roth dem einfach geschnitzten Feindbild. Natürlich hätten Journalisten bundesweit sich mit dem rechten Rand und seinen Ausläufern befasst, bis hin zu durchaus bedrohlichen persönlichen Erfahrungen.

Anti-Typ Trump

Welche Folgen hat die Wahl Trumps für das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Russland? Wird Trump die Beziehungen zu Russland verbessern? Putin wirkt persönlich geschickter als Trump, bei dem man noch gar nicht weiß, welche Interessen ihn tatsächlich bewegen. Ohne ernsthafte Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Russland kommt es in Syrien nicht zum Frieden. Ganz vergessen scheint, dass es unter dem Präsidenten Medwedew beim G8-Gipfel 2009 in London schon eine weitreichende Wiederannäherung gegeben hat, die durch Putin abgebrochen worden ist. Ob das nur daran liegt, dass er ein ehemaliger Geheimdienstagent sei, wie Julian Reichelt behauptet, klingt eher zweifelhaft.

Was wird aus der Westbindung? Ist Trump an guten Beziehungen zur EU interessiert? Maischberger erinnert an die gespannten Beziehungen zwischen Helmut Schmidt und Jimmy Carter, an Gerhard Schröders Konflikt mit George W. Bush. Die Beziehung zwischen Kanzlerin Merkel und Trump läuft abermals auf ein Konfliktmodell hinaus. Trump wirkt wie ihr Anti-Typ, bei dem man nicht weiß, worauf er hinauswill. In diesem Verhältnis, das noch keins ist, scheint Überheblichkeit nicht hilfreich zu sein, egal von welcher Seite. Vielleicht wirkt sich die Wahl Trumps, in letzter Minute, auf die europäische Union wie ein Segen aus, wenn sie, nicht nur in Antwort auf Trump, glaubhaft zu einer Idee fände, wofür sie künftig steht.

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