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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Wohin soll das noch alles führen?

  • -Aktualisiert am

Julian Reichelt, Chefredakteur von „Bild.de“, und Frank Plasberg Bild: WDR/Oliver Ziebe

Die Tweets von Donald Trump bringen selbst dessen Fans ins Grübeln. Gibt es niemanden, der ihn davon abhält? Die Gäste bei Frank Plasberg beunruhigt und besorgt vor allem ein neuer Tiefpunkt.

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          Zwanzig Tage nach der Wahl weiß niemand, was von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten zu erwarten ist. Seine Leute und er scheinen darauf zu setzen, dass kein klares Bild entsteht. Störsignale sind Teil ihres Spiels. Nach Jahrzehnten des Kalten Kriegs, in dem die Großmächte auf Berechenbarkeit setzten, setzt der neue Mann auf Unberechenbarkeit. An den Börsen hieße das Spekulation. Kein Wunder, dass Paul Krugman vor Interessenkonflikten in unfassbaren Dimensionen warnt. Gibt es Grund zu der Annahme, dass aus Trump im Amt ein anderer Mensch wird?

          Wird die gerade begonnene Neuauszählung der Stimmen zu einem anderen Ergebnis führen? Trump erklärte schon Stimmen für illegal, die nicht auf seinem Ticket landeten. Selbst Trump-Fan Julian Reichelt zeigt sich darüber besorgt. Cem Özdemir wundert sich nicht. Trump bestätigt das Bild, das er sich von ihm gemacht hat. Dass ein amerikanischer Präsident nicht an die liberale Demokratie glaubt, beunruhigt ihn. Trumps Wahl sieht er als ein Signal für die Europäische Union, sich zusammenzureißen. Volker Kauder setzt auf Berechenbarkeit. Kein Wunder, dass er besorgt ist über Abschottungstendenzen der Amerikaner. Dann bekäme Deutschland Probleme. Er setzt auf das Interesse der Amerikaner an ihren Exporten nach Deutschland. Trumps nächtliche Tweets beunruhigen ihn.

          Der Journalist Don Jordan ist skeptisch. Ist Trump tatsächlich so unvorbereitet auf sein Amt? Ist Europa auf einen Präsidenten Trump vorbereitet? Daran gibt es Zweifel. Erst nach Trumps Antrittsrede am 20. Januar wisse man, wohin die Reise geht. Trumps Kauderwelsch-Gespräch mit der New York Times beunruhigt Jordan. Dagegen setzt er auf die Gewaltenteilung. Der Kongress habe ein klares Interesse, in zwei Jahren nicht in Haftung für eine irrlichternde Politik genommen zu werden. Die Finanzjournalistin Carolin Roth von CNBC war nach der Wahl schockiert. Aber die Märkte zeigten sich optimistisch. An Trumps Konjunkturprogramm könne sich Deutschland ein Beispiel nehmen.

          Trumps engste Mitarbeiter

          Trumps designierter Nationaler Sicherheitsberater, der pensionierte General Michael Flynn, wird von Bild-Mann Reichelt glühend gegen Kritik verteidigt. Er sei sein Freund. Flynn habe mit der Kampfansage an den Islam als politische Ideologie recht. Özdemir hält entgegen, wenn er Terrornachwuchs rekrutieren wollte, würde er so reden wie General Flynn. Volker Kauder beobachtet den Streit zwischen Reichelt und Özdemir wie eine Sphinx.

          Trumps strategischer Berater wird Stephen Bannon. Als Chef von Breitbart News schürt er Hass gegen Frauen, Juden, Muslime und Schwule. Kauder verschlägt das die Sprache, dennoch plädiert er dafür abzuwarten, ob sich das fortsetzt. Er findet es falsch, eine Weltreligion ins Abseits zu stellen. Die Empörung lässt Kauder kurz aus der Rolle der unbewegten Sphinx heraustreten. Deutschland verfüge über Erfahrung im Umgang mit Regimen, die die deutsche Haltung zu Menschenrechten nicht teilen. Angela Merkels erste Stellungnahme zu Trump findet er angemessen. Reichelt, der an diesem Abend in die großen Schuhe eines Weltenlenkers gestiegen ist, findet beide Positionen völlig abwegig. Merkels Erklärung sei ein beispielloser Affront.

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