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TV-Kritik: Anne Will : Das haben wir alles dem Martin zu verdanken!

Bei Anne Will (m.) zu Gast: Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), Markus Feldenkirchen („Der Spiegel“), Sahra Wagenknecht (Die Linke), Volker Kauder (CDU) und Malu Dreyer (SPD). Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Am Abend des Wahlsiegs der CDU im Saarland finden die Vertreter der Parteien bei Anne Will schnell zu sich: Fast jeder hat gewonnen, die Fehler liegen bei den anderen, für die Bundestagswahl ist nichts entschieden. Ist das der „Schulz-Effekt“?

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          Was wäre wenn? Was wäre, wenn die SPD im Saarland so stark geworden wäre, wie die Umfragen es glauben machten, und es für Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün gereicht hätte? Dann nähme der „Schulz-Zug“ endgültig Fahrt Richtung Kanzleramt auf, und es wäre nur noch die Rede von dem Stichwort, das einem schon zu den Ohren herauskommt: vom „Schulz-Faktor“, vom „Schulz-Effekt“. Zu dem Polit-Rausch findet der Kabarettist Dieter Nuhr in seinem aktuellen Programm die richtigen Worte: null Inhalt, hundert Prozent Zustimmung.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Doch was ist, da die CDU bei der Wahl im Saarland fünf Prozent hinzugewonnen und die SPD Stimmen verloren hat; die Grünen und die FDP unter fünf Prozent fallen, die AfD stagniert und es für Rot-Rot nicht reicht? „Es ist nur eine Landtagswahl“, sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer von der SPD in der Talkshow von Anne Will. Stimmt ja auch. Nur sollte man den psychologischen Effekt dieser Landtagswahl nicht unterschätzen: Die Union sieht, dass sie noch gewinnen kann. Die SPD muss erkennen, dass sie die Bundestagswahl noch nicht in der Tasche hat. Die anderen Parteien machen die Erfahrung, dass sie sehen dürfen, wo sie bleiben, wenn die beiden Volksparteien sich daran erinnern, wie man Wähler mobilisiert.

          Ruft doch mal „Martin“!

          Dass rhythmisches Klatschen nicht reicht, und ein Mister-Hundert-Prozent, der die Genossen auffordert, „Martin“ zu rufen und sich als halber Saarländer ausgibt, die Wähler unterschätzt, ist die erfreuliche Erkenntnis dieses Wahlabends. Der „Spiegel“-Journalist Markus Feldenkirchen liegt sicherlich richtig, wenn er meint, beim Stichwort „Schulz-Effekt“ handele es sich um eine „infantile Politik-Betrachtung und -bewertung“. Nur sollte man auch fragen, wer diese populistische Hohlform von Politik transportiert und stützt. Ohne Medienhype und Journalisten-Gestaune ginge das nämlich nicht. Und dass die Saarland-Wahl mit Blick auf den Bund so bedeutend beziehungsweise unbedeutend ist wie die „letzte Landratswahl in der Lausitz“, wie Feldenkirchen bei Anne Will meint, ist eine gewagte These. Den Effekt des Ein-Schulz-macht-noch-keinen-Sommer sollte man sich doch merken. Wobei die Vereinfachung kein Ende nimmt, hören wir doch bei ARD und ZDF fortwährend vom „AKK-Effekt“. Gemeint ist das Ansehen, das die amtierende und künftige Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer genießt. Statt Schulz nun AKK.

          Auf den Amtsträgerinnen-Bonus können sich bei Anne Will alle einigen, bieten ansonsten aber ein Bild, das wie ein Deja-vu oder wie aus der Zeit gefallen wirkt: Die AfD ist nicht da, die FDP nicht mehr vorhanden, CDU, SPD, Grüne und Linkspartei grenzen sich voneinander ab und können in der einen oder anderen Konstellation dann doch miteinander.

          Rot-Rot ist ein „Schreckgespenst“

          Sahra Wagenknecht entwirft das Bild eines durch und durch ungerechten Deutschland, mit dem Martin Schulz gerade baden gegangen ist, und meint trotzdem, die SPD könne ihr Heil in gar nichts anderem finden als in einer Koalition mit der Linken. Sie zeigt sich, wie nicht anders zu erwarten, als Putin-Freundin, hält die Nato für „ein Relikt aus dem Kalten Krieg“ und demonstriert - ewig weiter redend (wie auf der andere Seite Volker Kauder) -, die Misere des linken politischen Lagers: Mit dieser Partei ist auf Bundesebene kein Staat zu machen, sie steht für einen gefährlichen Wandel und mobilisiert konservative Wähler, die von Angela Merkel eigentlich genug haben, dann doch der CDU ihre Stimme zu geben. Rot-Rot, das sagt nicht nur der WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn bei der Präsentation der Wahldaten, ist ein „Schreckgespenst“.

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