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TV-Kritik zu Wahlsendungen : Franks Horrorshow

  • -Aktualisiert am

Und Action: Frank Plasberg ist in „hart aber fair“ (hier mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann) nicht zimperlich. Bild: WDR

Kurz vor der Wahl wird es hektisch – jeder hat noch etwas zu sagen. Während sich Martin Schulz in der „Wahlarena“ Einzelschicksalen stellt, hat Frank Plasberg seine „hart aber fair“-Fragen offenbar aus einem AfD-Chat abgeschrieben.

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          Bei der Wahlarena der ARD mit Martin Schulz war zu erleben, was in der amerikanischen politischen Kultur gang und gäbe ist: dass nicht nur Präsidenten und ihre Herausforderer, sondern auch einfache Abgeordnete in ihren Wahlkreisen regelmäßig und nicht nur kurz vor Wahlen mit Bürgerinnen und Bürgern reden. Weil das Format der Townhall in der hiesigen politischen Kultur bis heute exotisch geblieben ist, muss nun also eine Arena her, in welcher der Wettkampf simuliert wird. Denn es fehlte die Gegenspielerin. Sie musste vom Herausforderer mitgespielt werden. Die Fragen des Publikums sind manchmal zu abstrakt, manchmal zu konkret, als dass aus ihnen politische Regeln abgeleitet werden könnten.

          Dass die Schulden der einen die Guthaben der anderen sind, darauf hätte der Kandidat durchaus eingehen können, denn dann wäre es ihm auch plausibler gelungen zu begründen, warum er für Investitionen in Bildung und digitale Infrastruktur eintritt. Auch Gutverdienende machen sich Sorgen über steigende Mieten und Immobilienpreise. Schulz dazu: „Die Leute wohnen sich arm.“ Nur hat der Bund keinen Einfluss auf die Grunderwerbssteuer der Länder.

          Szenenapplaus für eine Mutter

          Familien mit Kindern fehlen eine Millionen betreuter Grundschulplätze. Eine Frau aus dem Erzgebirge stellt sich als Bürokauffrau, Pflegekraft, Köchin, Taxifahrerin, Eventmanagerin und Motivationstrainerin vor, kurz: Sie sei Mutter. Der Szenenapplaus war verdient, erstaunlich die lange Pause, die Schulz einlegte, bevor er ihr antwortete. Er rackert sich ab, wird nicht müde, immer wieder daran zu erinnern, dass die schönste Antwort, wie etwa das Versprechen einer Solidarrente, nichts wert sei, wenn es nicht zu einer Stimme für die SPD führe. Er muss jedes Argument in einen Elfmeter verwandeln.

          Manche Fragen wirken etwas zu maßgeschneidert, als sei manchen Bürgern die Idee, dass ihre persönlichen Probleme generalisierbar sein könnten, zu abgehoben. Wie geht der Kandidat darauf ein? Er redet nicht jedem nach dem Mund. Nicht für jedes Problem gibt es eine verallgemeinerbare Lösung. Gelingende Integration verdanke sich der neu erworbenen Sprache, sinnvoller Arbeit und neu gewonnenen Freunden.

          Deutsche VW-Käufer bringen keine Sammelklagen gegen den Konzern zustande wie die Amerikaner und bekommen statt 20 Milliarden Dollar ein Software-Update, weil der Entwurf einer Musterfeststellungsklage im Kanzleramt aufgehalten worden sei. Der Schlusspfiff von Sonia Mikich klingt erstaunlich erleichtert, es ist vorbeiiiii, der Pott geht wo auch immer hin. Der Stoßjuchzer bezeugt neben der offenkundigen Erleichterung zugleich auch etwas Anderes: Trotz des enormen Aufwandes, den die Sender in diese Formate gesteckt haben, sitzen sie wie ein zu enger Anzug und wirken zu künstlich, als dass sie als Format politischer Kommunikation ernst genommen werden könnten. Erst wenn sie zu regelmäßigen Routinen werden, könnten sie an Form gewinnen.

          Frank Plasberg stellt sein Format „hart aber fair“ durch die tendenziöse Moderation ganz von selbst in Frage. Seine Sendung durchzieht eine erstaunliche Häme darüber, dass die Flüchtlingspolitik der vergangenen Jahre nun auch für die Zusammensetzung des nächsten Bundestages Folgen haben werde. Hatte er vor zwei Wochen noch so getan, als wollte er Alexander Gauland zur Rede stellen, kam er bei Frau Weidel gar nicht erst auf die Idee, sie nach hetzerischen Mails zu befragen.

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