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TV-Kritik: Maybrit Illner : Die Gefahr eines Krieges ist real

  • -Aktualisiert am

Russische Soldaten auf der Krim Bild: AP

Die Gäste bei Illner halten eine weitere Eskalation in der Ukraine für möglich. Doch die Sendung zeigt: Es gibt durchaus Möglichkeiten zu einer Lösung des Konflikts. Vor allem der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher hat gute Ideen.

          Die Regierungschefs der EU versuchten gestern Abend in Brüssel etwas Neues. Sie trafen sich sich zum Abendessen ohne Handys und Mitarbeiter. Das ist bemerkenswert, weil Regierungen in Krisen, wie wir sie jetzt auf der Krim und in der Ukraine erleben, dem Hochfrequenzhandel mit Nachrichten und Stellungnahmen ausgesetzt sind. Die politisch gute Nachricht, es ist nichts passiert, ist für die Medien eine schlechte Nachricht: Sie haben nichts zu berichten. Für die Politik entsteht daraus die Schwierigkeit, zwischen der medialen Neigung zur Dramatisierung und der realen Eskalation unterscheiden zu müssen. Fällt sie der Dramatisierung zum Opfer, setzt sie eine Dynamik in Gang, die erst zu der Eskalation führt, die sie unter Umständen vermeiden wollte. Was war jetzt die Sendung von Maybrit Illner gestern Abend?

          Die Kriegsgefahr ist real

          „Putins Alleingang – droht jetzt Krieg in Europa?“, so lautete der Titel. Ist das nun mediale Dramatisierung oder Ausdruck einer Eskalationsdynamik? Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), ließ bei Frau Illner keinen Zweifel aufkommen. Die Gefahr „militärischer Konflikte“, man müsse es deutlich aussprechen, also von „Krieg“, sei real. Wir haben ja häufig ein schlechtes Gedächtnis. Schulz gehörte in den vergangenen Jahren zu den Politikern, die die EU als ein historisches Friedensprojekt verteidigt hatten. Und die mit jenem grassierenden Europa-Skeptizismus kämpften, der zwischen Eurokrise und Brüsseler Bürokratie diesen europäischen Gründungsgedanken für obsolet erklärt hatte. Es war zudem das Thema eines fast vergessenen Kanzlerkandidaten in einem ansonsten inhaltsarmen Wahlkampf gewesen.

          Dieses kurze Gedächtnis können wir uns allerdings nicht mehr leisten. Die EU ist unversehens zu einem Akteur in einer geopolitischen Auseinandersetzung geworden. Wer will sich eigentlich vorstellen, wie das Krisenmanagement aussähe, wenn die europäischen Nationalstaaten jeder für sich handeln müssten? Von London bis Vilnius? Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn nannte die Vergleiche mit der Lage vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges „grotesk“. Das hat unter anderem mit solchen Treffen in Brüssel zu tun, wo sich 28 Staaten über einen gemeinsamen Kurs verständigen müssen. Und ein deutscher Politiker – übrigens gleichgültig aus welcher Partei - einen Fehler nicht mehr machen darf: Die Interessen der anderen Europäer nicht mitzudenken. Das waren zugleich die interessantesten Momente in der Sendung. Alle Gäste, ob die in Kiew geborene Schriftstellerin Katja Petrowskaja oder der russische Botschafter in Berlin, Wladimir Grinin, argumentierten in diesen europäischen Kontext, wenn auch aus unterschiedlicher Perspektive. Aber das wird angesichts der Ereignisse der vergangenen Wochen niemanden mehr überraschen.

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