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TV-Kritik: Günther Jauch : Was ist schon Erfolg in Griechenland?

Sahra Wagenknecht bei Günther Jauch Bild: dpa

Heute geht es um die Zukunft Griechenlands. Welche Entscheidung wäre die beste? Und was ist realistisch? Günther Jauchs Gäste waren sich manchmal überraschend einig.

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          Wer hätte im Januar gedacht, dass Griechenland Europa noch am längsten Tag des Jahres so beschäftigt? „Am 28. Februar, 24 Uhr, is over“, hatte Schäuble im Februar gesagt. „Over“ war es nicht. Die griechische Regierung ist im Umgang mit ihrem Geldmangel kreativer, als viele gedacht hatten. Bisher entging sie der Pleite und hielt es in den Monaten seit Februar offenbar nicht für nötig, ihren Geldgebern die geforderten Reformen zuzusagen. Vielen Deutschen geht das Theater inzwischen auf den Geist – aber am Montag steht einer der wichtigsten Gipfel an. Was macht da eine Talkshow, die gerade erst vor einer Woche über Griechenland diskutiert hat?

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Günther Jauch probierte es damit, die Diskussion am Sonntagabend ganz auf den bevorstehenden Gipfel zu konzentrieren. Was könnte herauskommen? Können Verhandlungen daran scheitern, dass die Politiker voneinander genervt sind? Wie viel Rückhalt hat die Kanzlerin innenpolitisch noch? Doch seine Gäste hatten noch einige der alten, zwanzig Mal gehörten Fragen zu besprechen. Mehr als einmal setzte Jauch ein verzweifeltes Gesicht auf, zum Beispiel als Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht die Diskussion auch noch in die deutsche Sozialpolitik zog, als sie – fälschlicherweise – behauptete, die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auf.

          Theo Waigel
          Theo Waigel : Bild: dpa

          Zugegeben: Theo Waigel einzuladen, den früheren Finanzminister und Erfinder des „Euro“, dreht die Diskussion nicht wirklich nach vorne. Waigel war der einzige Diskussionsgast, der die bisherige Griechenland-Politik richtig fand. Immerhin seien bis zur Wahl von Syriza sowohl das Außenhandels- als auch das Staatsdefizit tief gesunken.

          Die drei anderen Diskussionsgäste hielten die Politik alle für gescheitert, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Theodoros Paraskevopoulos aus der griechischen Regierungspartei Syriza, Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und Rainer Hank, Wirtschaftschef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenig Zinsen für Griechenland

          Mit Blick auf den anstehenden Gipfel sagte Hank, ein Euro-Ausstieg sei zwar kurzfristig riskant, langfristig könne Griechenland davon profitieren. Immerhin würde die neue Währung abwerten und das Land konkurrenzfähiger machen. So könne es zu neuem Wachstum kommen. Das nämlich sei wirklich nötig – und dabei könnten auch Strukturreformen in Steuersystem, im Recht und im aufgeblähten Staat helfen.

          Waigel machte den Punkt, dass Griechenland schon einen Schuldenerlass und einige Schulden-Umstrukturierungen hinter sich hat. Heute sei Griechenlands Zinsbelastung niedriger als die von Italien und einigen anderen europäischen Staaten. Das wollte Syriza-Mann Paraskevopoulos nicht gelten lassen. Griechenland habe es schwerer, immerhin müsse es seine Haushaltsüberschüsse zur Rückzahlung seiner Schulden verwenden.

          Syriza-Politiker Theodoros Paraskevopoulos
          Syriza-Politiker Theodoros Paraskevopoulos : Bild: dpa

          Erwartet wird der faule Kompromiss

          Zusammen mit Sahra Wagenknecht beschwerte sich Paraskevopoulos einmal mehr darüber, dass viel von den Krediten Griechenlands an die Banken durchgereicht wurde – ohne zu erwähnen, dass auch die Banken Verluste hinnehmen mussten – so große, dass mit dem Geld auch die griechischen Banken gestützt werden mussten, sonst wäre Griechenlands Wirtschaft schon damals zusammengebrochen. Wäre das Geld nicht an die Banken weitergereicht worden, Griechenland hätte es damals schon viel schwerer gehabt.

          Rainer Hank, Wirtschafts-Ressortleiter der F.A.S.
          Rainer Hank, Wirtschafts-Ressortleiter der F.A.S. : Bild: dpa

          Aber gibt es jetzt Hoffnung auf Besserung für Griechenland? Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und F.A.S.-Ressortleiter Rainer Hank waren sich einig: Wahrscheinlich wird es einen Kompromiss geben – und beide fanden das nicht gut, wenn auch nicht ganz aus den gleichen Gründen. „Die Story heißt schon: Wenn es eine Rettung gibt, fließt neues Geld, der Grexit ist das Scheitern“, sagte Hank. „So wie die Inszenierung angelegt ist, wird es eine weitere Konkursverschleppung geben.“ So würden Europa und die Eurozone weiter erodieren.

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