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TV-Kritik: Anne Will : „Wie, die können das nicht? Dafür sind die doch da.“

  • -Aktualisiert am

Katharina Barley (l.) und Annegret Kramp-Karrenbauer (r.) fänden mehr Frauen im Bundestag gut. (Archivbild vom 8.10.2017) Bild: Wolfgang Borrs/NDR/dpa

Zwei Sätze, die ein Problem der Union gut skizzieren. Bei Anne Will ging es um die Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Regierung. Mit Parallelen zum Fußball. Wir waren live dabei!

          Die Union musste sich gestern Abend für zukünftige Koalitionsverhandlungen qualifizieren. Das Endspiel fand in der CDU-Parteizentrale in Berlin statt. Der Gegner der Kanzlerinnenpartei war die bayerische CSU. So widmete sich Anne Will diesem Kampf der Union um die Deutungshoheit über das Wahlergebnis. Die Leiterin des ARD-Hauptstadtbüros berichtete live vom Geschehen. Zu Beginn der Sendung war das Ringen der Unionsparteien noch nicht beendet, aber schon zur Halbzeit um 22:15 Uhr konnte Tina Hassel den Endstand verkünden. Die Unionsschwestern einigten sich auf Eckpunkte für die Aufnahme von Sondierungsgesprächen mit Freien Demokraten und Bündnis-Grünen. Damit war zu rechnen, wie nicht zuletzt der Diskussionsverlauf bei Anne Will bis dahin ergab.

          So bemühten sich die Vertreter von CDU und CSU um soviel Übereinstimmung wie nötig, um aber trotzdem das jeweilige politische Profil nicht verschwimmen zu lassen. Der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich verwies auf die Eigenständigkeit seiner CSU, einer Regionalpartei mit bundespolitischer Ausstrahlung. Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) drückte erneut ihre Unterstützung für die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin aus, „ohne wenn und aber“, wie sie es formulierte. Aber vor allem bemühten sich Friedrich und die saarländische Ministerpräsidentin darum, den Konsens zwischen den Schwesterparteien deutlich zu machen. So seien diese Gespräche völlig normal, trotz der im Vorfeld von allen Akteuren vermittelten Dramatik. Ansonsten hätte sich Frau Will ja auch mit Spanien und Katalonien beschäftigen können. Inhaltlich hielten beide die gefundenen Vereinbarungen für selbstverständlich, nicht zuletzt im internationalen Vergleich. Je länger die beiden Unionspolitiker redeten, umso unverständlicher wurde der erbittert geführte Streit zwischen CSU und CDU seit dem September 2015.

          Parteipolitische Erzählungen

          Selbstredend ging es aber gestern Abend nicht um eine rationale Flüchtlingspolitik, sondern um die parteipolitische Rationalität der Union. Die CSU will nicht erneut als bayerischer Löwe auftreten, der zwar gut „Herrschaft des Unrechts“ (Horst Seehofer, CSU) brüllen kann, dem es aber ansonsten an Bissfestigkeit mangelt. Dagegen muss die Parteivorsitzende der CDU (Angela Merkel, Bundeskanzlerin) ihre Erzählung einer stringenten Flüchtlingspolitik durchhalten. Sie will keinen politischen Fehler eingestehen müssen. Das kann man die Quadratur des Kreises nennen, aber in der parteipolitischen Rationalität ist sie als gesichtswahrender Kompromiss immer möglich. Kramp-Karrenbauer und Friedrich zeigten, wie das geht.

          Entsprechend schwierig war die Lage für die beiden zukünftigen Oppositionsvertreter. Katarina Barley (SPD) hatte keinen Zweifel an der Fähigkeit der Unionsparteien zur politischen Geometrie. Die Bundeskanzlerin habe schon immer ein strategisches Verständnis der Politik gehabt, wo inhaltliche Überzeugungen keine Rolle spielten. Gregor Gysi vermittelte dafür eine weltpolitisch-historische Perspektive. Angesichts der globalen Veränderungen erschien ihm die Diskussion „kleinkariert“. Barley und Gysi waren sich immerhin über die Notwendigkeit einer starken Opposition einig. Für Gysi wirkt sie vor allem auf den „Zeitgeist“. Der spielte zweifellos eine Rolle. In dieser Sendung schwebte über allen Argumenten der böse Geist der AfD.

          „Etwas uninspiriert und mit  Flüchtigkeitsfehlern“

          Während sich Moderatorin Will den Unionsparteien widmete, spielte in Kaiserslautern die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr letztes WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan. Zur Halbzeit stand es zwischen dem Weltmeister und dem kaukasischen Fußball-Zwerg 1:1 unentschieden. Im Liveticker von FAZ.NET wurde von einer „etwas uninspirierten und von einigen Flüchtigkeitsfehlern geprägten Vorstellung der deutschen Mannschaft“ gesprochen. So konnte man auch diese Talkshow beschreiben.

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