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TV-Kritik: „Wetten, dass..?“ : Vollgas in den Himmel

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Dürre Gespräche

Großes Samstagabendfernsehen kann diese dreieinhalbstündige Nürnberger Show, die mit „Und los“ von den Fantastischen Vier begann und mit „Zeit zu gehen“ von Unheilig (der letzte Fernsehauftritt des Grafen) endete, trotzdem nur sehr bedingt genannt werden. Die gar nicht mal übermäßig vielen Rückblicke waren wohl nicht zu vermeiden und teils sogar recht amüsant, aber die Gespräche kamen doch nur schwer in Gang und blieben allesamt belanglos. So gut wie jeder Gast – angefangen mit Thomas D. von den Fantastischen Vier – strich dabei heraus, wie prägend es gewesen ist, einst als Kind im Schlafanzug vor „Wetten, dass..?“ gesessen zu haben und irgendwann eingeschlafen zu sein. Das konnte diesmal auch Erwachsenen passieren, wenn etwa die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt oder der ehemalige Skirennfahrer Hermann Maier live, aber ohne Farbe in ihren Erinnerungen an frühere Besuche kramten. Immerhin will Kati Witt dabei die fundamentale Einsamkeit Michael Jacksons daran erkannt haben, dass dieser, Gast in derselben Sendung wie Witt, an einer Plastikblume gerochen habe.

Noch dürrer war nur die – diesmal pointenlose – Anekdote Olli Dittrichs, der davon schwärmte, an diesem Tag sogar beobachtet zu haben, wie Michael Jackson hinter der Bühne verkabelt wurde: „Ich stand so drei, vier Meter von ihm entfernt, und konnte ihm nur so zugucken, wie der so stand und so guckte. Und ich dachte: Mensch, der steht da nur und groovt irgendwie.“ Man hätte die Sendung jedenfalls gut auf zwei Stunden zusammenschneiden können.

Fromme Wünsche zum Ende der Show: Eiskunstläuferin Katarina Witt und Ski-Champion Hermann Maier

Es ist wahrlich nicht leicht zu erklären, warum Millionen Menschen fast 34 Jahre lang eine nur mäßig unterhaltsame Unterhaltungsshow angesehen haben: eine Geschmacksverirrung in der Jugend vielleicht, die zur Gewohnheit geworden ist. Absolut unerklärlich aber ist im Hier und Heute der Erfolg Helene Fischers: die Geschmacksverirrung der heutigen Jugend. Bevor auch sie, diesmal erstaunlich züchtig gekleidet, sich aufs Plaudersofa pflanzte und einige Plattitüden beisteuerte, musste sie natürlich singen. Die blonde Heulboje, die den ohnehin nicht gerade feinsinnigen deutschen Schlager auf ein neues Niveau abgesenkt hat, schmachtete sich zu schmieriger Melodie und schmalziger Orchesterbegleitung durch ihren Hit „So kann das Leben sein“, von dem vor allem die irgendwie zum Abend passende Zeile „Und dann Vollgas in den Himmel“ hängen blieb.

Bewegendes Ende

Am Ende wurde es für die Zuschauer, die noch nicht eingenickt waren, noch einmal bewegend: Der vor vier Jahren bei einer Wette verunglückte und seither querschnittsgelähmte Samuel Koch besuchte erstmals wieder eine „Wetten, dass..?“-Sendung. Gekommen war er mit dem recht schweigsamen Til Schweiger, in dessen Film „Honig im Kopf“ er eine kleine Rolle spielt. Markus Lanz‘ Frage, ob Koch den letzten vier Jahren etwas Sinnhaftes abgewinnen könne, schien arg deplatziert. Aber der Gast nahm sie nicht übel, denn seinen Humor hat er offenbar nicht verloren. Er sei nur vorbeigekommen, um „noch einmal richtig Abschied zu nehmen“, beim letzten Mal habe er leider „frühzeitig gehen“ müssen: „Ich hatte einen steifen Hals.“ Im Rückblick erscheint der Unfall Samuel Kochs als Anfang vom Ende von „Wetten, dass..?“, denn Thomas Gottschalk hatte bald darauf seine Moderation niedergelegt und es begann die Ära des Insolvenzverwalters Lanz.

Solide Spaßmacher: Otto Walkes und Michael Bully Herbig

Den Tränen nah verabschiedete sich Markus Lanz nach einer insgesamt doch recht würdigen Abschiedsvorstellung schließlich von seinem treuen Restpublikum, das von nun an ohne leberwurstleckende Hunde und purzelbaumschlagende Gabelstapler auskommen muss, wenn auch natürlich nicht ohne all die Sofaplattsitzer, die nun eben in anderen Kulissen Nichtigkeiten austauschen und furchtbare Schlager singen werden. Mit der Eurovisionshymne wurde der Sack dann zugemacht, ging ein Stück Kulturgeschichte zu Ende, keines, auf das man allzu stolz sein müsste. Aber einen wehmütigen Seufzer darf man dem alten Wettvorleger doch hinterherschicken: Man konnte bombig mit dir einschlafen.

Am Ende der Show wurde Lanz dann doch etwas wehmütig

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