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TV-Kritik: „Wetten, dass..?“ : Vollgas in den Himmel

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Wettkönig wurde allerdings jener junge Mann, der eine der lautstarken, aber nicht sonderlich interessanten Mensch-Maschine-Wetten im Angebot hatte. Er legte den Hin- und Rückweg zum Dach eines Parkhauses als Fassadenkletterer schneller zurück als der Rallyefahrer Sébastien Ogier mit seinem PS-Monster, der Auffahrt und Abfahrt benutzte. Sportlich sicher eine Leistung. Aber Magie hatte das nicht.

Besondere Akrobatik, nicht für den häuslichen Gebrauch: Die Maniacs Cheerleader haben gewettet, Wäschestücke im Flug aufhängen zu können

Vor allem aber hatte Lanz kein internationales Star-Aufgebot bestellt – wieder mit einer Ausnahme, die aber völlig in Ordnung geht, wenn es sich dabei um einen so duften Typen wie Ben Stiller handelt, der selbst mit einem nach Leberwurst stinkenden Elton (ach, diese Wetteinsätze) und einem auf seine Kosten blödelnden Otto Waalkes auszukommen weiß. Stiller hatte freilich auch nicht viel zu tun, denn die meisten Fragen zu seinem Film „Nachts im Museum 3“ ließen sich mit einem knappen „Ja“ beantworten: „Sie spielen eine Doppelrolle?“ „Das war der letzte Auftritt von Robin Williams?“ „Ihr Grund, überhaupt mit Filmen anzufangen, war ‚Der weiße Hai‘?“ „Ihre Eltern stammen von österreichischen Einwanderern ab?“ Er musste dann aber noch ein paar Mundartwörter nachsprechen. Mordsgaudi. Dafür fliegt man als Hollywood-Star doch gerne über den großen Teich.

Ein Anflug von Anarchie

Ansonsten aber war das ein Abschied im Kreise der engeren Fernsehfamilie, Sternchen statt Stars, allein drei „Tatort“-Kommissare gehörten zu dieser letzten Runde. Weiterhin fiel die Clowndichte auf: Otto Waalkes und Elton wurden schon erwähnt. Anekdoten-König Olli Dittrich gab noch einmal (wie zu Urzeiten) den Außenwetten-Reporter. Außerdem war „Wetten, dass..?“-Hardcore-Fan Bully Herbig gekommen, der nicht einmal etwas zu bewerben hatte, dafür aber mit Otto gemeinsam ein Ständchen nach der Melodie von Frank Sinatras „My Way“ brachte: „Für Markus Lanz/ ist heute Schicht./ Wird er bezahlt?/ Ich hoffe nicht./ Auf jeden Fall/ sagen wir euch was:/ Wir sehen uns wieder,/ wetten, dass..?“ Auch Wotan Wilke Möhring und Jan Josef Liefers (die durchaus Filme zu bewerben hatten) waren knuffig gelaunt.

Das Wiedersehen mit Samuel Koch, der vier Jahre zuvor in der Show verunglückt war, berührte die Zuschauer am meisten

Wie Elton, Bully und Otto die niedliche, aber natürlich auch dusselige Kinder-Hunde-Wette – Erkennen des Hundes am Leberwurstableckverhalten – mit Witzen bombardierten und beinahe sabotierten, das konnte sich sehen lassen. Natürlich fielen die drei vor Lachen fast von der Bank, als der siebenjährige Wettkandidat ganz unschuldig die Kriterien „leckt zart“ und „leckt wild“ vorbrachte. Auch Markus Lanz wurde jetzt frecher, ironischer, besser. Als etwa Elton brummelte, er wolle den jungen Hundefreund gerade dadurch anspornen, dass er nicht an dessen Erfolg glaube und also gegen ihn wette, kommentierte Lanz trocken: „Okay, das ist auch eine Art speziell kleine Kinder zu motivieren.“ Plötzlich wollten alle auf Scheitern des kleinen Jungen wetten, was jeder Erwartung entgegenlief. Kurz (sehr kurz) dachte man: Vielleicht kommt ja in der allerletzten „Wetten, dass..?“-Sendung zum allerersten Mal ein wenig Anarchie auf.

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