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TV-Kritik: „Wetten dass..?“ : Herz an Herz

  • -Aktualisiert am

War da was? Markus Lanz ließ sich bei „Wetten, dass . . .“ die Diskussion über seinen Moderationsstil nicht anmerken. Bild: dpa

Das soll der Moderator sein, den das ZDF wegen zu harten Rannehmens von Studiogästen schassen soll, wie eine Online-Petition fordert? Markus Lanz erweist sich bei „Wetten, dass...?“ als dermaßen streichelzoozahm, dass es schwer fällt, wachzubleiben.

          Die Fronten waren klar vor dieser „Wetten, dass..?“-Ausgabe aus Karlsruhe. Die allermeisten Redaktionen sind – vielleicht ein wenig zu humorlos – gegen die Online-Petition gegen Markus Lanz zu Felde gezogen, wohl weil eine Sache in der Medienwelt inzwischen noch deutlich nerviger und aufdringlicher wirkt als der manchmal ungehobelte, oft ungelenke Fragestil von Markus Lanz: das ritualisierte Echauffieren einer selbstherrlichen Netzcommunity.

          Die Forderung an das ZDF, Markus Lanz wegen Höflichkeits-Unfähigkeit zu entlassen, wurde inzwischen von zweihunderttausend Menschen (unhöflicherweise oft anonym) unterschrieben: Das dürfte auch jede Petition erreichen, die eine neue Frisur für Ursula von der Leyen oder dreißig Grad im Januar fordert. Die Demokratie scheint also noch nicht in Gefahr, so wenig wie bei den Meinungsäußerungen Sarah Wagenknechts übrigens, die von dem kaum Gespräch zu nennenden Schlagabtausch in der Talksendung von Markus Lanz ordentlich profitiert haben dürfte, wurde sie, die sonst auszuteilen versteht, hier doch Opfer eines zappeligen Wüterichs, dem sie intellektuell haushoch überlegen schien.

          Die Petition – Fluch oder Segen?

          Vielleicht hat der ganze Trubel aber auch Markus Lanz nicht geschadet – so ist das leider heute: negative Aufmerksamkeit gibt es nicht –, denn nicht wenige Beobachter interessierte nun, wie und ob der netzöffentlich gerupfte Moderator, der sich inzwischen bei Sarah Wagenknecht entschuldigt hat, in seiner dahindümpelnden Wett-Sendung zu den Vorkommnissen Stellung beziehen würde. Und an diesem Abend würde jeder Zuschauer gebraucht werden, denn man stand der geballten Proll-Macht von RTL gegenüber, wo zuerst Dieter Bohlen alias Deutschland den Superstar suchte und dann der unerklärlich erfolgreiche Dschungel-Blödsinn folgte.

          Um es gleich zu sagen: Markus Lanz ging so auf die Aufregung ein, wie es angemessen war, nämlich mit Humor, auch wenn – und das gilt für die gesamte Sendung – die Witze leider nicht zündeten. Er habe sich vorgenommen, sagte Lanz gleich zu Beginn, das Jahr langsamer angehen zu lassen, und das sei ihm doch hervorragend gelungen: „Finden Sie nicht?“ Das Publikum fand es auch, dem Applaus nach zu urteilen. Nur unwesentlich souveräner wirkte der Ratschlag: „Wenn Sie sagen: Ich bin Karlsruher und mir stinken diese Baustellen, dann machen Sie eine kleine Online-Petition!“

          Fragen ohne allen Esprit

          Gegen die Höflichkeit des Moderators sind diesmal jedenfalls keine Einwände möglich, zu monieren ist allenfalls – aber was heißt allenfalls? – die vollkommene Belanglosigkeit aller Unterhaltungen dieser sehr langen zweieinhalb Stunden: Was ist Dein (zwanghaftes Duzen!) aktuelles Projekt, das hier beworben werden soll? Wo habt Ihr Euch kennengelernt? Wie ist das mit dem Vater- oder Mutterwerden? Fragen ohne alle Esprit, Antworten zum sofortigen Wegdämmern. Kann man sich denn nicht zu jedem Gast wenigstens eine, eine einzige interessante Frage ausdenken? Das muss eine Redaktion doch hinbekommen?

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