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TV-Kritik „Sherlock“ : Sherlock Holmes im neuen Format

Ohne Muskeln geht’s doch auch: Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes Bild: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films 2

Etwas selbstverliebt, aber doch gelungen: Auch in der neuen Staffel von „Sherlock“ glänzt Benedict Cumberbatch in der Rolle des Meisterdetektivs.

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          Ein bisschen blass um die spitze Nase, verspannt auch, aber gleichzeitig overeducated und so leicht von oben herab: Benedict Cumberbatch sieht aus, wie Oxford-Englisch klingt. Es liegt natürlich eher daran, dass sich da etwas vermischt hat, wenn man ihm zusieht. Dass man die Rollen, die er spielt, allen voran den blassen, überbildeten, verspannten Sherlock Holmes, nicht mehr trennen kann von dem, der dahintersteckt. Das war ja schon bei den anderen großen britischen Schauspielern so, bei Laurence Olivier, John Gielgud oder Peter O’Toole. Man sieht sie an und hört ihre Stimmen im Kopf, die an Shakespeare geschult wurden und nicht nur Worte aufrufen konnten, sondern eine ganze Welt. Aber man hört auch so etwas wie das Knistern alter Schallplattenaufnahmen dabei.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Cumberbatch dagegen ist ganz 21. Jahrhundert. Er gehört zwar unbedingt auch zu dieser Schauspielaristokratie des hohen Shakespeare-Tons, er hat am Freitag, zum siebzigsten Jahrestag der alliierten Invasion in die Normandie, im BBC die Radionachrichten von damals eingelesen, Mitternacht, 6. Juni 1944, unerschütterlich. Aber Cumberbatch bewohnt zugleich eben auch unser Nerduniversum, ja, er ist das Gesicht dieses Universums, in dem Tüftler, die ihre Jugend lieber drinnen als draußen verbracht haben und in der Pause regelmäßig ihre Brillen abnehmen mussten, damit man sie besser verhauen konnte, zu Superstars werden; Silicon Valley ist ja voll davon.

          Der Meisterdetektiv als Star

          Und Sherlock in Cumberbatchs Variante ist einer von ihnen. Hollywood versucht ja seit einiger Zeit, den Detektiv, gespielt von Robert Downey Jr., als Muskelmann anzupassen an die Körperideale von heute. Aber das ist nur ein müder Actiontrick, gemessen an der algorithmischen Vermessung der Welt, die Cumberbatchs Holmes an seinen Tatorten vornimmt.

          Die heute und morgen zu sehende neue Staffel ist leider sehr selbstverliebt. Sie weidet sich an ihrem doppelten Coup: den alten Sherlock nicht nur genialisch neu formatiert zu haben, sondern ihn in diesem genialischen neuen Format dann auch noch als Star herumlaufen zu lassen, der Fans hat, die seine Heldentaten in ihren Blogs weitererzählen, was wiederum ironisiert wird. Und nervt.

          Es ist einfach nicht spannend. Bei weitem nicht so spannend jedenfalls, wie im Rätselgesicht von Benedict Cumberbatch danach zu suchen, ob Holmes seinen Freund Watson (Martin Freeman) so sehr liebt wie der ihn. Ein ungelöstes Rätsel, das kein Update braucht.

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