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TV-Kritik: Sandra Maischberger : Ohne Furcht vor dem Shitstorm

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Sandra Maischberger mit ihrem Lieblingsgast Helmut Schmidt Bild: dpa

Sechs Interviews hat Sandra Maischberger mit Helmut Schmidt geführt. Gestern zeigte sie die besten Ausschnitte. Deutlich wird: Der Klartext des Altkanzlers wird fehlen.

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          Gestern Nachmittag ließ keinen politisch denkenden Menschen die Nachricht vom Tod Helmut Schmidts unberührt, obwohl dieser nicht mehr überraschend kam. Es existiert zumeist jenes Gefühl vom Ende einer Epoche, obwohl die Amtszeit des fünften Kanzlers dieser Republik schon 33 Jahre zurückliegt. Den aktiven Politiker Schmidt haben daher nur noch ältere Jahrgänge erlebt. Für alle anderen ist er eine historische Figur, die sie erst aus seiner publizistischen Tätigkeit kennengelernt haben.

          Für diese nachgewachsenen Generationen müssen die Konflikte und Krisen, die Schmidt in seinen politischen Funktionen zu bestehen hatte, wie aus der Zeit gefallen wirken. Wer erinnert sich denn noch an die Konflikte um die Atombewaffnung der Bundeswehr in den 1950er Jahren oder den Nato-Doppelbeschluss von 1979, die den Politiker Schmidt in seiner Karriere wesentlich geprägt haben? Dem Kanzler Schmidt ohne den Publizisten Schmidt wäre es wahrscheinlich ergangen wie seinen Vorgängern Kurt-Georg Kiesinger und Ludwig Erhard nach ihrem Tod. Man hätte ihm gedacht, aber ohne dieses Gefühl, es sei etwas zu Ende gegangen.

          Porträt mit Zitaten

          Das ist heute anders. Der Tod von Schmidt erinnert an das Gefühl beim Tod von Konrad Adenauer im Jahr 1967. Der erst vier Jahre vorher zurückgetretene erste Bundeskanzler stand für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Die Bundesrepublik schien ihren Kinderschuhen entwachsen zu sein. Sie war wieder zu einem respektierten und wohlhabenden Staat geworden. Man hatte das Gefühl, es geschafft zu haben, und sah darin die politischen Leistung des ersten Bundeskanzlers. Es war etwas zu Ende gegangen, was sich mit der Biographie des 1876 geborenen Adenauer verband. In ihr spiegelten sich die Katastrophen der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert und ein gelungener, allerdings 1945 von kaum jemanden, auch nicht von Schmidt, erwartete Wiederaufstieg.      

          Dessen Tod erzeugt vergleichbare Gefühle. Mit ihm ist für uns Deutsche das 20. Jahrhundert zu Ende gegangen, weil nur er noch aus eigener Erfahrung berichten konnte, was es für uns bedeutet hat. Schmidt begnügte sich nie mit der Rechtfertigung seiner von ihm getroffenen politischen Entscheidungen. Er wurde als Publizist zu einem Chronisten der deutschen Gegenwart, allerdings immer aus der Perspektive eines Mannes, der die Vergangenheit noch selbst erlebt hatte. Darin lag seine Faszination und heutige Bedeutung. Er war in den Medien präsent, wie kaum ein aktiver Politiker. Allein Frau Maischberger interviewte ihn seit dem Jahr 2004 sechsmal, zuletzt im Frühjahr diesen Jahres.

          Meister der pointierten Formulierung

          An diesem Abend, wo die Nachrichten vom Tod des Altkanzlers geprägt waren, brachte sie ein Portrait mit Zitaten aus diesen Sendungen. Schmidt war darin ein Meister gewesen, pointiert zu formulieren. Das machte schon immer seine Wirkung aus. So ging es auch nicht um die Sichtweise Schmidts auf frühere Ereignisse, sondern um seine Gegenwartsdiagnostik. Es fehlte nichts von dem, was heute ansonsten für Empörung sorgte, wenn man nicht gerade Schmidt heißt. Es kam seine Skepsis gegenüber der Einwanderung aus anderen Kulturen zum Ausdruck. Oder seine Position zu China, die dem heutigen Verständnis einer universellen Gültigkeit des westlichen Menschenrechtsdiskurses widerspricht. Schmidt entstammte einem anderen Zeitalter, wo die Polarisierung in der politischen  Debatte noch nicht als ein Verstoß gegen die guten Sitten galt.

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