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TV-Kritik: Sandra Maischberger : Kulturkampf gegen die „Homo-Lobby“?

  • -Aktualisiert am

Auch die schrille Olivia Jones (v.l.) diskutierte in der Maischberger-Runde mit. Bild: dpa

Gehört Homosexualität auf den Lehrplan? Die baden-württembergische Regierung plant das. Wer die Maischberger-Diskussion darüber anschaute, konnte etwas lernen.

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          Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn sprach gestern Abend von einem drohenden „Kulturkampf“. Der Begriff ist klug gewählt. Er ist in Deutschland historisch mit dem Angriff Bismarcks auf den Katholizismus verbunden. Zwar ging es nach dem Jahr 1871 politisch um die Trennung von Staat und Kirche, wie etwa mit der Einführung der Zivilehe, aber kulturell hatte er desaströse Folgen. Bismarck betrachtete die Kirche als „Reichsfeind“.

          Er schuf damit ein Muster für das innenpolitische Klima im noch jungen Deutschen Reich, das prägend werden sollte, und sich vor allem über Ausgrenzung definierte. Nach den Katholiken betraf es später die Sozialdemokratie und die Juden. Diese historische Erfahrung sitzt diesem Land bis heute in den Knochen, selbst wenn der ursprüngliche Anlass schon längst vergessen worden ist.

          Geblieben ist nämlich eine Illiberalität, die unfähig ist, Diskurse noch als etwas anderes als ein modernes Schlachtfeld zu definieren. Wie das heute aussieht, musste Frau Maischberger schon im Vorfeld ihrer Sendung erleben. Sie plante über den hoch umstrittenen Bildungsplan der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg zu diskutieren, der die Integration homosexueller Lebenswelten in das Curriculum der Schulen vorsieht. Unter anderem mit Hartmut Steeb, Generalsekretär der „Deutschen Evangelische Allianz“, und der konservativen Journalistin Birgit Kelle. Beide lehnen den Bildungsplan ab und unterstützen eine entsprechende Petition an den Landtag in Stuttgart.

          „Schwul“ ist auf Schulhöfen eine Beleidigung

          Der Vorwurf an Frau Maischberger betraf deren Einladung. Steeb und Frau Kelle verträten homophobe Positionen und dürften daher nicht in solche Sendungen eingeladen werden. Solche Redeverbote, und darum handelt es sich, kannte übrigens auch schon Bismarck. Er untersagte im Kulturkampf Priestern mit seinem „Kanzlerparagraph“ jede Äußerung, die den „öffentlichen Frieden“ gefährdete. Zwar fordert noch niemand, die Homophobie als einen Straftatbestand zu definieren, aber das ist auch nicht nötig. Es reicht heute, wenn man andere Sichtweisen durch soziale Ächtung entsprechend ausgrenzen kann. Das gelingt, wenn man Homophobie erfolgreich als Kampfbegriff gegen Kritiker einsetzt.

          Das wäre bis vor wenigen Jahrzehnten unmöglich gewesen. Es war bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Staatsdoktrin gewesen, Homosexuelle als Gefahr für die öffentliche Ordnung zu begreifen. Sie mit Gefängnis zu bedrohen und gesellschaftlich zu verachten. Spahn machte gestern Abend den Fortschritt deutlich, den es seitdem geben hatte. Die Schriftstellerin Hera Lind erinnerte die Kontroverse über den Bildungsplan an den Streit, den es bei der Einführung des Sexualkundeunterrichts in deutschen Schulen gegeben hatte. Und die Travestie-Künstlerin Olivia Jones bewies jene erfrischende Unbekümmertheit, die das Ziel des Bildungsplans prägnant zusammenfasste: Dafür zu sorgen, dass die „Schüler überhaupt wissen, dass es so was gibt“.

          Nämlich noch andere Lebensentwürfe als Ehe und Familie. Und sie dadurch erfahren, sie nicht als Bedrohung der eigenen Identität zu erleben. Warum das nötig ist, wurde in der Sendung deutlich. So ist auf Schulhöfen „schwul“ wieder zu einer Beleidigung geworden. Es ist schlicht die Aufgabe des Staates, etwa jene Jugendlichen vor Anfeindungen zu schützen, die ihre homosexuelle Identität erst entdecken. Das funktioniert nur über Aufklärung.

          Kampfbegriff Homophobie

          Das alles konnte aber nur deutlich werden, weil auf die Befürworter eines modernen „Kanzleiparagrafen“ nicht gehört worden ist. Steeb und Frau Kelle verstrickten sich nämlich in heillose Widersprüche. Dafür musste man auch gar nicht mit Kampfbegriffen wie „Homophobie“ hantieren. Es reichte, sie ernst zu nehmen. Beide bekundeten ihre Toleranz gegenüber Homosexuellen.

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