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TV-Kritik: RTL-Jahresrückblick : Ebola zwischen Neuer und Schweinsteiger

  • -Aktualisiert am

TV-Moderator Günther Jauch Bild: dpa

Für RTL ist 2014 nur eines von Interesse gewesen: Fußball. Entsprechend vorhersehbar war Günther Jauchs Sendung „Menschen, Bilder, Emotionen“ – bis Barbara Schöneberger kam.

          Jahresrückblicke haben zumeist eine Funktion. Sie erinnern uns an das abgelaufene Jahr und damit zugleich an die eigene Vergesslichkeit. Viele Ereignisse, die die Tagesaktualität geprägt haben, werden schneller vergessen als man glaubt. Es ist dieser Wiedererkennungseffekt, der ihre Faszination ausmacht. Er relativiert so die Hektik des Alltags und verschafft uns zum Jahresende die nötige Gelassenheit, um das kommende Jahr in positiver Stimmung zu erwarten. Ohne diesen Optimismus kommt der Mensch nicht aus. Insofern war „Menschen, Bilder, Emotionen“ gestern Abend kein Jahresrückblick gewesen, sondern eine Unterhaltungssendung, die den Anlass des Jahresendes lediglich nutzte, um das vergangene Jahr noch einmal aufzuwärmen.

          2014 als Rahmenprogramm

          Tatsächlich erfuhr man entweder das, was man gar nicht vergessen hatte, oder das, was man bis dahin gar nicht wusste. Günther Jauch macht dieses Format bekanntlich nicht zum ersten Mal. Warum er das Jahr 2014 trotzdem auf den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft am 13. Juli in Brasilien reduzieren musste, ist ein ungelöstes Rätsel. Bei einem Anfänger wäre das nachvollziehbar gewesen. Nämlich diese Stimmung aus dem Sommer dieses Jahres noch einmal aus der Konserve zu holen, um die sentimentalen Bedürfnisse der Zuschauer zu befriedigen. Dann hätte man es durchaus verstanden, warum er den Rückblick auf die WM in drei Häppchen zerlegte, um alles andere als ein bloßes Rahmenprogramm zu behandeln.

          So kam zuerst Manuel Neuer, anschließend Bastian Schweinsteiger und Christoph Kramer, zu guter Letzt der Bundestrainer Joachim Löw. Deren Auftritte wurden von der Werbung und dem ganzen Rest des Jahres unterbrochen. Die WM-Helden bekamen zudem das Privileg des großen Auftritts als Bad in der Menge, während alle anderen Gäste ganz klassisch die Bühne betraten. Neues war zur Fußball-WM nicht zu erfahren, außer vielleicht, dass weder Neuer noch Schweinsteiger bisher einen Anlass sahen, sich das WM-Endspiel noch einmal anzusehen. Aber Jauch wird sich seine Jahresrückblicke sicherlich auch ersparen. Er war schließlich dabei gewesen.

          Triumph vom Maracana als mediale Dauerschleife

          Hinter dieser Form des Jahresrückblicks verbirgt sich aber ein interessantes Medienphänomen. Nämlich die von ihnen selbst erzeugte Stimmung für das eigentliche Ereignis zu halten und deshalb krampfhaft zu versuchen, diesen längst verblichenen Moment der Begeisterung wiederzubeleben. Ironischerweise ist aber diese Form der Emotionalisierung das aktuell größte Problem des Bundestrainers. Löw versucht seinen Spielern die nötige Distanz zu diesem Erfolg zu vermitteln, damit sich gerade nicht das von ihm gefürchtete Gefühl der Sattheit einstellt. Das Ausruhen auf dem endlich erreichten WM-Titel somit zu jener Lähmung und Müdigkeit führt, die am Ende verhindert, sich neue Ziele zu setzen. Oder zur Verunsicherung, wenn die an diesem Titel gemessenen Erwartungen nicht erfüllt werden.

          Da wird dann selbst ein Spiel gegen Gibraltar zur Herausforderung. Löw artikulierte das in dem Interview mit Jauch, aber dessen Inszenierung des Titelgewinns wird solche Überlegungen konterkarieren. Insofern muss der Bundestrainer wohl selber das größte Interesse daran haben, wenn dieses Jahr endlich vorbei ist. Ansonsten muss man sogar an seiner Prognose zweifeln, die Qualifikation für die EM-Endrunde in Frankreich zu schaffen. Der Inszenierung des Triumphs vom Maracana als mediale Dauerschleife kann sich nämlich niemand entziehen, vor allem nicht die Nationalmannschaft.

          Der Zwang zum Positiven

          Wie man bei RTL jeden Ansatz der Ernsthaftigkeit zu umschiffen versuchte, wurde am Beispiel Ebola deutlich. Wer will sich schon die gute Stimmung vermiesen lassen? Zwar ist die Seuche für die betroffenen Staaten in Westafrika eine einzige Katastrophe. Sie sei keineswegs vorbei, so die Kinderärztin Sara Hommel, die für die Hilfsorganisation „Cap Anamur“ in Sierra Leone gearbeitet hat. Sie wies auch auf jenen Aspekt hin, der in der Berichterstattung zumeist keine Rolle spielt. „Es sterben viel mehr Leute an ganz normalen Krankheiten“, so Frau Hommel, „weil die Infrastruktur zusammengebrochen ist“. Sie wurde aber von der Redaktion anders vorgestellt als mit dieser nüchternen Analyse. Nämlich als Mit-Initiatorin einer Isolierstation im einzigen Kinderkrankenhaus des Landes. „Damit“, so der Wortlaut in einem Einspieler, „kein Kind in Zukunft mehr abgewiesen werden muss“.

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