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TV-Kritik: Menschen bei Maischberger : Vorsicht, wenn der Anlageberater Gedichte vorliest!

Viele übersehen die Warnzeichen

Tatsächlich schlagen viele Anleger Warnzeichen in den Wind, wenn hohe Zinsen locken. Oder vermeintliche Steuerersparnisse. Und manchmal sind sie auch blind, wenn sie die Grundidee einer Geldanlage gut finden. Das zeigte in der Sendung der Fall des Windkraftunternehmens Prokon. Die Firma warb lange Zeit auf Plakaten mit „sauberem Strom“ und attraktiven Zinsen – „zuverlässig sechs Prozent“. Hinzu kam ein rebellischer Geschäftsführer, der seine Windparks ohne die „bösen Banken“ finanzieren wollte, sondern mit Hilfe von Kleinanlegern. Grün sein und gleichzeitig reich werden, das klang für viele Anleger verlockend. Doch jetzt steht das Unternehmen vor der Pleite, vermutlich weniger aus betrügerischer Absicht, sondern aus ideologischer Verblendung und schlechter Kalkulation.

Maischberger hatte zum Thema Prokon gleich zwei Gäste eingeladen. Der eine hält das Geschäftsmodell schon lange für gescheitert, der andere ist noch immer von der Idee angetan und gründete deshalb kurzerhand die Anlegergemeinschaft „Freunde von Prokon“. Sie sieht die Probleme der Windkraftfirma vor allem durch überzogene Panik der Anleger verursacht, die jetzt alle gleichzeitig aussteigen wollten, was auch jedes gesunde Unternehmen zu Fall bringen würde. Geklärt ist der Fall jedenfalls noch lange nicht endgültig, aber 75.000 Sparer zittern um ihr Geld – und es sieht nicht gut aus.

Dresdner Schneeballsystem

Dass es aber nicht immer die böse Gier ist, zeigte ein anderer Fall in der Sendung. Die Dresdner Tagesmutter Karin Hubricht hatte eisern gespart, um damit einmal ein Häuschen abbezahlen zu können. Dann machte sie den Fehler, ihr erspartes Geld bei der Dresdner Finanzfirmengruppe Infinus anzulegen. 7 Prozent Zinsen wurden ihr versprochen. Auch bei ihr kamen die Zinsen anfangs pünktlich, doch inzwischen besteht der Verdacht, dass die Firma Investoren in großem Stil mit einer Art Schneeballsystem abgezockt hat: Zahlungen an Anleger werden dabei eine Zeit lang durch die Einlagen von Neukunden finanziert.

Als Sandra Maischberger sie fragte, ob sie nicht misstrauisch geworden sei, als es Berichte über große Partys der Eigentümer gegeben hat, antwortete sie offen: „Das wusste ich nicht – ich musste arbeiten“. Sie habe auch gar keine Zeitung. Sicher fühlte sie sich aber, weil der frühere Ministerpräsident Kurt Biedenkopf im Prospekt dafür warb.

Leichte Beute für Rattenfänger

An dieser Stelle gab Frank Lehmann wieder den Nachhilfelehrer – ein bisschen einfühlsam, aber auch ein wenig streng. Es sei wirklich seltsam, dass sich Biedenkopf für so etwas hergegeben habe. Aber sie hätte eben auch nicht ihr ganzes Geld in eine einzige Anlage stecken dürfen. Und dann wurde er so bestimmt, dass es fast ein wenig weh tat: „Die Deutschen sind Finanz-Analphabeten. Das macht es den Rattenfängern einfach“, analysierte er kühl.

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