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TV-Kritik: Maybrit Illner : Warum Pegida zur Strategie des IS gehört

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Demonstration von Pegida am Montag in Dresden Bild: AFP

Die Debatte bei Maybrit Illner liefert Hintergründe über die Ziele der Terroristen. Sie kennen den Westen besser als der sich selbst – und wissen, wie leicht die westlichen Gesellschaften polarisierbar sind.

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          Maybrit Illners Sendung zur Frage „Angriff auf die Freiheit – wie bekämpft Europa den Terror?“ hatte den Charakter einer Arbeitsgruppe. Ihrem Ziel, besser zu verstehen, was eigentlich los ist, sind Illners Gäste unter pointierter Moderation ziemlich nahe gekommen, auch wenn Differenzen bestehen blieben. Das betrifft in erster Linie Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die in Bezug auf den IS unzureichend unterrichtet schien.

          Ist multinationales Bombardieren von Raqqa, der Hochburg des IS, eine Lösung? Daran gibt es Zweifel. Bomben sind keine Strategie, zumal wenn ihr Abwurf aus Motiven der Rache erfolgt. Wer ist der Gegner und wie wäre er besser zu treffen als mit Bomben? Erst einmal aber werden die Soundbites der politischen Führung geprüft: Was ist „jedwede Unterstützung“ und wie unterscheidet sie sich von „uneingeschränkter Solidarität“? Schon 2001 konnte man aus Gerhard Schröders Haltung einen advokatorischen Trick heraushören. Solidarität hätte gereicht. Das Jedwede der Bundeskanzlerin lässt in seiner Unbestimmtheit alle Optionen offen, ohne dass Deutschlands Solidarität mit Frankreich in Zweifel gezogen würde.

          Der Schrecken steckt uns in den Knochen

          Ein „Krieg gegen den Terror“ gleicht der Verfluchung von Sturm Heinis Windböen. Natürlich steckt uns der Schrecken in den Knochen. Nur gehört er da ebenso wenig hin wie nach Paris. Es geht auch nicht um einen Religionskonflikt, in welchem der russische Präsident, die deutsche Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident mit Unterstützung durch die Universität von Kairo eine Fatwa gegen wild gewordene Muslime aussprächen.

          Allerdings scheint es das Ziel des „Islamischen Staats“ zu sein, dass die westlichen Staaten alle Muslime unter Generalverdacht stellen und dem IS damit die Anwerbung von Kämpfern erleichtern. Vielleicht geht es erstmals in der deutschen und der europäischen Geschichte um eine Idee des Kulturkampfs, die nicht ausgrenzt und die durch eine glaubhafte Praxis der offenen Gesellschaft der Strategie des IS den Boden entzieht.

          Was die Bürgerinnen und Bürger beunruhigen könnte, scheint weniger das Wissen der Sicherheitsbehörden als ihr Nichtwissen, über das sie natürlich genau so wenig reden. Schnell scheint man sich darüber einig, dass die französischen Sicherheitsbehörden nach den Anschlägen in Paris ähnlich gegrillt werden müssen wie die amerikanischen nach dem 11. September 2001. Offenbar hat es Versäumnisse gegeben, ist man Hinweisen nicht nachgegangen. Das gibt keinen Grund für Hochmut, zumal die Annahme plausibel scheint, dass Deutschland bisher einfach Glück gehabt hat.

          Das wahllose Töten

          Der tote Drahtzieher der Anschläge gibt niemandem Genugtuung, zumal wenn man versteht, dass es sich bei ihm allenfalls um einen Unteroffizier des IS gehandelt hat, ein Werkzeug, kein Werkzeugmacher. Die Franzosen, sagt Daniel Cohn-Bendit, haben Angst. Der Erfolg der Sicherheitsbehörden ändert daran kaum etwas. Wenigstens können diese Leute nichts mehr anrichten. Die Sorge wächst, dass unter dem Gefühl der Angst die französische Politik in die Hände des Front National gelänge.

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