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TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Trumps nordkoreanische Unberechenbarkeit

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Wer ist gefährlicher: Amerikas Präsident Donald Trump oder Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un? Maybrit Illner und ihre Gäste gehen der Frage auf den Grund. Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Amerikas Präsident hat sich seinen desaströsen Ruf hart erarbeitet. Aber ist er deshalb die Ursache für jedes Problem der amerikanischen Politik? Maybrit Illner nimmt die Nordkorea-Krise als Beispiel.

          Bisweilen sind manche Einsichten nur auf den ersten Blick überzeugend. So machte die Europabgeordnete Ska Keller in der gestrigen Sendung von Maybrit Illner eine Bemerkung, der sicherlich viele Zuschauer zustimmen konnten: Der amerikanische Präsident Donald Trump wäre „unberechenbar und orientiert sich selten an dem, was rational ist.“ Es ging um die Koreakrise unter dem Titel „Kims Raketen, Trumps Provokation – droht der Welt ein neuer Krieg?".

          Trump für einen gefährlichen Wirrkopf zu halten, entspricht einer bei uns weit verbreiteten Meinung. Aber das ändert nichts an dem eigentlichen Problem in dieser Krise: Was ist eigentlich unter rationalem Handeln zu verstehen? Etwa dass die Vereinigten Staaten die potentielle Bedrohung ihres Territoriums durch atomar bestückte Langstreckenraketen der Nordkoreaner akzeptieren müssen? Immerhin einem Staat, der seit dem Jahr 1953 den Kriegszustand mit den Vereinigten Staaten lediglich durch einen Waffenstillstand unterbrochen hat. Mit dem Problem Nordkorea hat sich seitdem jeder amerikanische Präsident herumschlagen müssen. Sie versuchten es manchmal mit Druck, in den vergangenen Jahrzehnten aber vor allem mit diplomatischen Entgegenkommen. Darauf wies der den Republikanern nahestehende amerikanische Außenpolitik-Experte Peter Rough hin.

          „Rhetorische Eskalation“

          Die Bedrohung des amerikanischen Festlands ist aber eine neue Qualität. Die diplomatischen Bemühungen der Vergangenheit sollten genau das verhindern. Mit den Folgen des Scheiterns dieser Strategie hätte sich jeder Präsident beschäftigen müssen. Auch eine Hillary Clinton hätte wohl kaum auf das derzeitige Säbelrasseln verzichtet, um eine Drohkulisse gegenüber dem Regime in Pjöngjang aufzubauen.

          Im Konflikt um Nordkorea stehen für die Vereinigten Staaten fundamentale Interessen in Asien auf dem Spiel. Es geht um ihre Rolle als die dominierende pazifische Macht und die Herausforderung durch China. Im amerikanischen Wahlkampf galt dabei Frau Clinton als Falke – und keineswegs Trump. Bei ihm fürchteten viele Kritiker den Rückzug der Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik. Das alles ist längst vergessen.

          Der Präsident hat sich ein solides Image erarbeitet, nämlich alles an ihm schlecht zu finden. Selbst wenn er das Gegenteil von dem macht, was man noch vor Jahresfrist an ihm kritisierte. In einem Interview mit Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) erinnerte Frau Illner an diese früheren Befürchtungen vom Rückzug der Amerikaner als weltpolitische Ordnungsmacht. Den hat es zwar schon unter dessen Vorgänger gegeben. Barack Obama praktizierte das allerdings unter der netten Fassade namens Multilateralismus. Altmaier warnte erwartungsgemäß vor der „rhetorischen Eskalation“ und dass diese „keine Fortschritte für eine politische Lösung“ gebracht hat.

          So wurde Trumps Unberechenbarkeit eines der großen Themen dieser Sendung. Nur scheint sich der amerikanische Präsident in seiner Außenpolitik augenscheinlich an einem berühmten Vorgänger im Amt zu orientieren: Richard Nixon hatte diese Unberechenbarkeit in seiner „Madman“-Theorie zum Handlungsprinzip erhoben. Das ging sogar soweit, der damaligen Sowjetunion den Eindruck zu vermitteln, Nixon wäre „irgendwie verrückt, unberechenbar und zu den größten Grausamkeiten fähig.“ Wenigstens beschrieb das so der Publizist Tim Weiner in seiner Studie über dessen Präsidentschaft. Es wäre somit hilfreich, wenn nicht jede Handlung von Trump an dessen charakterlichen Defiziten oder intellektuellen Unzulänglichkeiten festgemacht würde. Die Fixierung auf dessen Persönlichkeit lässt vielmehr den Blick auf die langen Linien der amerikanischen Politik verschwimmen.

          Deutsche Einheit und Koreas Teilung

          Dabei ist längst zu beobachten, wie das Eigengewicht einer solchen Großmacht Trumps Präsidentschaft zu bestimmen beginnt. Das betrifft nicht zuletzt den Einfluss der Europäer auf die amerikanische Außenpolitik. Der frühere SPD-Politiker Klaus von Dohananyi und die in Washington für die Brookings Institution arbeitende Politikwissenschaftlerin Constanze Stelzenmüller waren diesbezüglich unterschiedlicher Meinung. Aber die Amerikaner haben ihre weltpolitischen Entscheidungen noch nie mit den Europäern abgestimmt, wenn sie nicht gerade den alten Kontinent betrafen. Insofern konnte Altmaier die schon von der Kanzlerin formulierte Skepsis bezüglich der Beistandsverpflichtungen gegenüber dem amerikanischen Bündnispartner guten Gewissens wiederholen. Hätten die Europäer doch den Vereinigten Staaten im Konfliktfall mit Nordkorea außer guten (oder kritischen) Worten wenig Substantielles anzubieten. Europas Einfluss auf Asien endete im Jahr 1953 mit der Niederlage der Franzosen in Vietnam, so hätte wahrscheinlich ein Zyniker wie der verstorbene Peter Scholl-Latour diese Diskussion kommentiert.

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