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TV-Kritik: Maybrit Illner : Tausche fünf Politiker gegen eine Polizistin

Claudia Roth, Thomas Oppermann, Maybrit Illner, Julia Klöckner, Wolfgang Kubicki, Tania Kambouri (v.l.) Bild: ZDF und Jule Roehr

Beim Thema innere Sicherheit sind sich plötzlich alle Parteien einig: mehr Polizei, effektive Strafverfolgung, Prävention. Das wollen sogar die Grünen, während die AfD sich ostentativ gemäßigt gibt. Fundierte Kritik gibt es derweil von einer anderen Warte aus.

          5 Min.

          Die um fünfzehn Minuten verlängerte Spezialausgabe der Talkshow von Maybrit Illner mit dem dringlich formulierten Titel „Notruf im Wahljahr – Wie sicher ist Deutschland?“ nahm sich nicht nur eines Themas an, das für Kontroversen sorgt und von dem man nicht den Eindruck haben muss, es werde vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk über Gebühr akzentuiert. Sie sorgte zudem schon vor ihrem Beginn für einen kleinen Eklat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Redaktion hatte vorgesehen, dass in zwei Runden diskutiert würde. Im größeren Kreis sollten sich Julia Klöckner von der CDU, Claudia Roth von den Grünen, der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki und der Sozialdemokrat Thomas Oppermann Pro und Kontra geben. Daneben sollte es in einem Streitgespräch zwischen der Linken-Politikerin Sevim Dagdelen und der AfD-Vizevorsitzenden Beatrix von Storch zur Sache gehen. Diese Aufteilung aber gefiel der Linkspartei nicht. Sie wähnte sich am Katzentisch und sagte ihre Teilnahme mit öffentlichem Getöse am Donnerstagnachmittag ab. Das kann man mit Blick auf die Bedeutung, welche sich die Linke selbst zumisst, verstehen, doch brachte sich die Partei damit auch um die Chance, direkt vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Präsenz zu zeigen und sich zu einem Thema zu äußern, zu dem die Bürger von der Politik dringend Antworten erwarten.

          Alle Augen richten sich auf NRW

          Denn was Bundesinnenminister Thomas de Maizière kürzlich bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik vortrug, muss jeden alarmieren. Die Zahl der schweren Straftaten hat erheblich zugenommen, die der Sexualdelikte insbesondere. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ist beträchtlich, das Potential für die AfD, daraus Honig zu saugen, ist es auch. Dies vor allem, wenn sich die anderen Parteien nicht in der Lage zeigen, den Befund beim Nennwert zu nehmen und nicht gleich wieder in ideologische Grabenkämpfe einzusteigen. Solche gibt es denn auch erwartungsgemäß bei Maybrit Illner zu sehen. Besonders interessant ist, ebenso erwartungsgemäß, der Blick auf Nordrhein-Westfalen und die Rolle der Grünen.

          Dass sie einer starken Polizei das Wort reden und einer effektiven Strafverfolgung, konnte man bislang nicht behaupten. Sie richten den Blick vielmehr vornehmlich auf vermeintliche Verfehlungen der Polizei, worauf Julia Klöckner bei Maybrit Illner genüsslich hinweist. Was twitterte die Grüne Renate Künast, nachdem der Axt-Attentäter von Würzburg von der Polizei erschossen worden war? Sie fragte vorwurfsvoll, versehen mit vier Fragezeichen, ob der Täter nicht hätte auch anders gestoppt werden können. Und welchen Generalverdacht schürte die grüne Bundesvorsitzende Simone Peter, nachdem die Polizei am vergangenen Silvesterabend in Köln, anders als ein Jahr zuvor, nicht überfordert zusah, wie massenhaft Straftaten gegen Frauen begangen wurden? „Racial Profiling“.

          Ist Claudia Roth in die CSU eingetreten?

          Davon will Claudia Roth an diesem Abend bei Maybrit Illner nichts mehr wissen. Sie redet, als sei sie gerade in die CSU eingetreten, versucht es aber zunächst noch mit der beliebten Politiker-Einlassung, sie nehme „die Ängste“ der Bürger ernst. Ernst zu nehmen gilt es aber die Lage der Dinge, die mit subjektiven Eindrücken und Gefühlslagen nichts zu tun hat. Bezogen auf NRW heißt das: Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen stieg dort von 2015 auf 2016 nach Angaben des Landeskriminalamts um 9,2 Prozent auf 33.329 Fälle, die Zahl der Morde um 8,7 Prozent auf 113 Fälle, die Zahl der Vergewaltigungen und schweren sexuelle Nötigungen um 24,9 Prozent auf 2320 Fälle, die der „sonstigen sexuellen Nötigungen“ um 35,3 Prozent auf 1.035 Fälle.

          Da kommt auch auch Claudia Roth im Laufe der Sendung nicht umhin zu sagen, sie sei für „mehr Polizistinnen und Polizisten“, für bessere Strukturen und für mehr präventive Maßnahmen. Von all dem kann es selbstverständlich auch nach Meinung der anderen drei in der Runde nicht genug geben, sie überbieten sich geradezu darin, einer starken Strafverfolgung das Wort zu reden.

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