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TV Kritik: Maybrit Illner : Sterben: Ruhig an der Hand oder schnell auf Rezept?

  • -Aktualisiert am

Umstrittenes Thema Sterbebegleitung Bild: dpa

Die Politik hat sich des Themas organisierte Suizidbeihilfe angenommen. Maybritt Illner zieht in ihrer Sendung nach, interessiert sich aber vor allem für den Tod auf Rezept. Warum eigentlich?

          Sind wir eine Gesellschaft, in der wir die Geduld mit dem Sterben, das Zeit braucht, verlieren und deswegen den schnellen Ausweg suchen? Oder können wir optimistisch in die Zukunft schauen, da das Verständnis für Sterbebegleitung wächst, die Palliativmedizin immer weiter entwickelt wird? Die eher skeptische Theologin Margot Käßmann, die dafür plädierte, dass Menschen an der Hand und nicht durch die Hand sterben sollten, und der notorisch zuversichtliche Pastor und Bundestagsvizepräsident Peter Hintze vertieften ihre knapp angerissene Kontroverse leider nicht.

          Die Moderatorin war an diesem Abend zu sehr damit befasst Statements abzufragen, als dass sie die Offenheit für eine spontane Diskussion gehabt hätte. Dass die Kontroverse nicht ausgetragen wurde war bedauerlich, weil die Frage, nach den Konsequenzen einer gesetzlichen Regelung des ärztlich assistierten Suizids oder des strafrechtlichen Verbots von Suizidbeihilfe die gesamte Talksendung durchzog.

          Wenn aber schon keine Verständigung darüber herzustellen ist, wie sich die Wirklichkeit des Sterbens für die Patienten, ihre Angehörigen und die Gesellschaft insgesamt heute darstellt, wie sollen dann objektivierbare Prognosen gelingen? Zumal, wenn die Moderatorin zwar deutliche Sympathien für eine weitreichende Deregulierung der Sterbehilfe erkennen lässt, dafür aber auf klärende Nachfragen nach den Äußerungen ihrer Gäste weitgehend verzichtet.

          Keine Verbotsethik

          So entwickelte sich die Sendung, wie es die Auswahl der Gäste erwarten ließ: konventionell. Mit dem CDU-Politiker Peter Hintze, dem Präsidenten der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montogomery und dem MDR-Intendanten Udo Reiter waren routinierte, professionelle Redner geladen, die wussten, wie sie ihre Botschaft reduzieren und verpacken mussten, damit sie verstanden werden. Der selbstbewusste und etwas ruppige Populismus des Sterbehelfers Peter Puppe prägte die Runde trotz einiger Hilfestellungen von Maybrit Illner wenig, und auch der mit klarer Position pro ärztliche Sterbehilfe angetreten Arzt und Bestsellerautor Michael de Ridder, rückte ebenso wenig ins Zentrum der Debatte wie die evangelische Theologin Käßmann, die keiner Verbotsethik das Wort redete; ihr Anliegen war den Schutz der Vielen in den Blick zu rücken, die sich unter Druck gesetzt und entmutigt fühlen könnten.

          Peter Hintze präsentierte sich als Menschenfreund, der nah am Bürger dessen verständliche Wünsche kennt und der dem Strafrecht wenig Unterscheidungskraft zutraut.

          Reiter plädierte wie schon mehrfach in öffentlichen Gesprächen unter Verweis auf den Pluralismus der Gesellschaft für eine weitreichende Freigabe des ärztlich assistierten Sterbens. Ein konkretes Modell präsentierte er nicht, formulierte aber die Hoffnung, dass so unwürdige Formen aus dem Leben zu scheiden wie Aufhängen, Erschießen und ich vor den Zug zu werfen unnötig würden – ein Effekt, der allerdings in der Schweiz nicht beobachtet werden kann, wo beispielsweise in der Hochburg der organisierten Sterbehilfe, in Zürich, 22 Prozent der Suizidwilligen zur Waffe griffen und sich 24 Prozent erhängten, erstickten oder.

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