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TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Keine gute Zeit für Berufsanfänger im Weißen Haus

  • -Aktualisiert am

Denison dreht die Lage so, dass sie besser für Clinton aussieht. Durch ihre Kandidatur sei das Thema  Sexismus wieder hochgekocht. Lambsdorff stimmt ihm zu und erinnert allerdings auch an den abgrundtiefen Hass der Konservativen auf Hillary, die an der Seite ihres Mannes die erste starke First Lady im Weißen Haus nach Eleanor Roosevelt gewesen sei.

Ein trügerisches Bild von Politik

Das Bild, das Deborah Feldman von der amerikanischen Politik zeichnet, ist in gewissen Wohnvierteln New Yorks durchaus verbreitet. Es gibt dort Leute, die stolz darauf sind, auch mit 65 Jahren noch nie gewählt zu haben. Unterschiede zwischen den Parteien seien vernachlässigbar.  Politik sei nichts als Manipulation.

Nicholas Smith assistiert ihr vom rechten Rand. Trump mache gute Vorschläge gegen die Drehtür zwischen Politikbetrieb und Lobbyismus. Er hält den Mann, der keine zwei Sätze sagen kann, ohne einmal zu lügen, für glaubwürdig.

Und wieder kommt das öde Muster eines Pferderennens zum Einsatz. Wie knapp hat wer die Nase vorn oder fällt warum zurück? Der nächste Einspieler erzählt von dem Bild, das das konservative Amerika des Bibelgürtels von den Clintons hat, seit sie das erste Mal ins Weiße Haus eingezogen sind. Vollkommen verdorben und durch und durch korrupt seien sie gewesen. Dass Clinton am Ende seiner Präsidentschaft als einer der beliebtesten und erfolgreichsten Präsidenten galt, der, anders als der kühle Obama, die Massen in Begeisterung versetzen konnte, scheint längst vergessen.

Trumps Erfolg bezeugt ein Paradox. Jede Lüge, die aufgedeckt wird, erhöht seine  Glaubwürdigkeit. Für Smith verkörpert Trump die Hoffnung darauf, mit einem kaputten System endlich aufzuräumen. So stimmt er ein amerikanisches Echo auf das Ende der Weimarer Republik an.

Die Welt ist weit weg

Die nächste Etappe der ethnologischen Feldforschung betreibt die Berliner Austauschschülerin Paulina Unfried, Sie hatte es nach Minnesota verschlagen, in ein 1.500-Seelen Kaff, in dem Familien mit zehn Kindern nicht selten sind und der Fernsehsender Fox 24 Stunden auf Sendung ist. Anfangs habe sie mit ihren politischen Ansichten ziemlich provoziert. Am Ende aber sei sie (bekennende Vegetarierin) mit der Gastfamilie jedes Wochenende jagen gegangen. Ihre Gastfamilie und die Leute in dem Städtchen haben keine Idee von der Welt da draußen, die ist weit weg. Ihre Beobachtung bezeugt die wechselseitige Blindheit Deutschlands und Amerikas füreinander. Lambsdorff bestätigt das. Nur die Außenposten an Ost- und Westküste scheinen vertraut.

Die Leute im Bibelgürtel wollen den New Yorker Milliardär für ihren Traum von einer fundamentalistischen Theokratie instrumentalisieren. Wer da wen instrumentalisiert, scheint alles andere als ausgemacht. Ein anderer Gospel wird hörbar, wenn die Rede auf die ökonomisch Abgehängten kommt. 2014 erhielten über 46 Millionen Amerikaner Lebensmittelmarken im Wert von über 71 Milliarden Dollar.

Deutschland sollte sich vorsehen

Wie käme Deutschland mit einem Präsidenten Trump aus? Lambsdorff hat sich schon festgelegt: Wir müssen mit beiden auskommen. Smith ballert aus der rechten Ecke, Deutschland müsse sich auf höhere Ausgaben für die eigene Verteidigung gefasst machen. Schöne Straßen, schöne Züge und kostenlose Unis, dafür bezahlt Amerika eure Verteidigung, damit ist es dann vorbei.

Trumps Wahl, so kommt es zum vorerst letzten Missverständnis dieses Abends, sei gleichbedeutend mit einer Revolution. Welche Politik er tatsächlich betreiben wird, bleibt völlig unklar. Claus Kleber setzt dagegen auf die erfahrene Handwerkerin Hillary Clinton. Niemand auf der Welt brauche einen Berufsanfänger im Weißen Haus.

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