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TV-Kritik: Maybrit Illner : Die Krieger werden müde

  • -Aktualisiert am

Maybrit Illner mit Sahra Wagenknecht in der Sendung vom 15. September Bild: ZDF und Svea Pietschmann

Die Erschöpfung aller Parteien im Syrienkrieg steigt. Das ist eine der wenigen Chancen für den Waffenstillstand in dem zerfahrenen Konflikt, zeigte die gestrige Illner-Sendung.

          5 Min.

          Wichtige Bemerkungen fallen zumeist nebenbei. Frau Illner diskutierte über die "Waffenruhe in Syrien“ und fragte nach der „Hoffnung auf Frieden". Der Publizist Jürgen Todenhöfer war zu einem Interview aus Aleppo zugeschaltet. Er sprach nicht nur über die Zerstörungen in dieser Stadt, die er zuletzt in seiner Kindheit im Zweiten Weltkrieg erlebt hätte. Aber die Menschen wären „müde und verzweifelt. Da liegt die Chance: Die Mehrheit der Bevölkerung will Frieden.“ Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse diagnostizierte dagegen zwei „Supermächte, die jetzt miteinander und nicht mehr gegeneinander kämpften.“ In diesen beiden Bemerkungen ist das zu finden, was diesen so festgefahrenen Bürgerkrieg wieder in Bewegung gebracht hat. Die Konfliktparteien in Syrien erreichen allmählich eine Situation wechselseitiger Erschöpfung. Und Russland hat sein wichtigstes politisches Ziel erreicht: Die Anerkennung als Großmacht, ohne die in der Weltpolitik keine Lösungen erreichbar ist-

          Verschachtelte Konfliktfelder

          Der CDU-Europapolitiker Elmar Brok machte deutlich, was das eigentliche Problem dieses syrischen Krieges ist. Es ist die Verschachtelung unterschiedlicher Konfliktfelder, die diesen Krieg zu einem unüberschaubaren Dickicht haben werden lassen. Da gibt es nicht nur die innersyrischen Konfliktparteien, sondern auch den „Stellvertreterkrieg“ von Regionalmächten, wie dem Iran und Saudi-Arabien. Dazu kommt das Interesse der Türkei, die um fast jeden Preis den Nukleus eines zukünftigen Kurdistan verhindern will. Diese Konflikte werden zudem überlagert von der Existenz des IS, der das durch den Bürgerkrieg verursachte Machtvakuum zu seinen Gunsten nutzte. Dessen Vorform eines Staates auf dem Territorium Syriens und des Irak gilt mittlerweile als die eigentliche Bedrohung für die regionale Stabilität.

          Der Bürgerkrieg in Syrien dauert deshalb so lange, weil diese Vielzahl an Akteuren nicht nur den Zerfall dieses Staates zum eigenen Vorteil nutzen wollten. Ihnen allen ging es vor allem darum, den möglichen Sieg des Gegners zu verhindern. Die Folge war ein militärisches Patt, das sich erst mit der Intervention Russlands zugunsten des Assad-Lagers zu verändern begann. Die Politikwissenschaftlerin Sylke Tempel drückte diesen Tatbestand so aus: „Russland hat sich mit dem Eingreifen in Syrien die Möglichkeit geschaffen, zu entscheiden, was dort passiert.“ Das ist zwar übertrieben, macht aber das Scheitern der westlichen Politik deutlich.

          Russland konnte das abnehmende Interesse der Vereinigten Staaten an dieser Region nutzen. In Washington war nämlich kaum noch jemand bereit, als sogenannter Weltpolizist die Verantwortung für Syrien zu übernehmen. Um sich anschließend von vielen Europäern anzuhören, warum sie immer wieder auf das Militär und nicht auf politische Lösungen setzten. Brok fragte daher mit guten Gründen, ob jemand bei Ausbruch des Krieges bereit gewesen wäre, Bundeswehrsoldaten auch ohne UN-Mandat nach Syrien in Marsch zu setzen.

          Elend der türkischen Syrienpolitik

          Nun muss man aber nicht Sahra Wagenknecht heißen, um anzunehmen, dass die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren ein Ziel bestimmt nicht hatten: Russland wieder als Supermacht zu rehabilitieren, wie es Domröse so schön formulierte. Natürlich hatte Washington ein Interesse am Sturz des Damaszener Präsidenten Assad. Damit sollte der Iran geschwächt und die libanesische Hisbollah isoliert werden. Russland wollte das nachvollziehbarerweise verhindern. Aber warum die linke Fraktionsvorsitzende ausgerechnet „wirtschaftlichen Interessen“ der USA für die Abkehr von Assad verantwortlich machte, ist wohl nur mit einem etwas einfältigen marxistischen Verständnis von Außenpolitik zu erklären. Brok kritisierte das als „Verschwörungstheorie“. Aber dieser ist auch nicht immer hilfreich, um über westliche Interessen aufzuklären, die bekanntlich nicht immer im Geist der Nächstenliebe formuliert werden.

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