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TV-Kritik: Maybrit Illner : Das große Griechen-Abc

TV-Moderatorin Maybrit Illner. Bild: Imago

Noch zäher als die Verhandlungsführer in Brüssel ist nur Maybrit Illner. Das Thema Griechenland wird durchgekaut, immer und immer wieder. Oft bleibt nur Verwirrung – dieser Leitfaden hilft durch jede Griechenland-Talkshow.

          Am Freitag läuft nach mehr als 20 Jahren die letzte Folge "Verbotene Liebe" in der ARD, dann ist Schluss mit der Daily-Soap. Manchen Zuschauer mag diese Ankündigung am Donnerstag getroffen haben, doch Serienfans können aufatmen. Denn die Öffentlich-Rechtlichen haben längst eine neue Daily-Soap eingeführt – die Griechenland-Talkshow: Sonntag "Günther Jauch", Montag "hart aber fair", Mittwoch "Anne Will" und natürlich ließ es sich am Donnerstagabend auch Maybrit Illner nicht nehmen, mit ihren Gästen über Griechenland zu reden. Wie in jeder Daily-Soap gilt: Die Themen sind immer dieselben und drehen sich im Kreis, die Protagonisten spielen bestimmte Rollen und sind mehr oder wenig austauschbar. Maybrit Illners Sendung am Donnerstag war da keine Ausnahme. Die Talkrunde hat alle Zutaten für ein Griechenland-Abc geliefert, mit dem man in der Seifenoper jederzeit den Überblick behält.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          A wie Austerität: Austerität ist ein Kampfbegriff, der in keiner der Sendungen fehlen darf. Für die einen ist Austerität der Kern allen Übels. Bei Illner übernahm Linken-Politiker Oskar Lafontaine die Rolle des Austeritätskritikers. "Fünf Jahre Sparpolitik sind genug", sagte der frühere SPD-Finanzminister. Durch Sparpolitik könne man das Land nicht nach vorne bringen. Auf der anderen Seite stehen Austeritätsfreunde, wie die "Welt"-Journalistin Dorothea Siems. Sie sind daran zu erkennen, dass sie Länder wie Spanien oder Irland als Positivbeispiel für erfolgreiche Austeritätspolitik hervorheben. Siems sagte bei Illner: "Spanien ist Wachstumsmeister in der EU."

          C wie Chatzimarkakis: Das soll nicht despektierlich klingen, aber es braucht einen Quoten-Griechen in jeder Runde, das verleiht Authentizität. Am besten einen, der die Dinge auf den Punkt bringt. Georgios Chatzimarkakis zum Beispiel, der früheren FDP-Politiker und Europaabgeordnete. Er kann dann erklären, dass Tsipras in Wahrheit vor allem "ein Machtpolitiker" ist und dass Griechen (ganz allgemein), sobald sie ein hohes politisches Amt bekleiden, ihre guten Vorsätze vergessen. Nicht fehlen darf die Einschätzung des Griechenland-Kenners, was sein Land denn nun benötige. "Einen echten Schuldenschnitt und einen echten Aufbauplan für Südeuropa", sagte Chatzimarkakis.

          D wie Dominoeffekt: Ähnlich wie Austerität ist Dominoeffekt ein Kampfbegriff, der sich in unterschiedlichen Zusammenhängen verwenden lässt. Diejenigen, die das Land um jeden Preis retten wollen, warnen vor einem Dominoeffekt, da nach einem Bankrott in Griechenland auch Länder wie Italien oder Spanien in Schwierigkeiten kommen können. Diese Rolle übernahm bei Illner der zugeschaltete EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD). Wer dagegen für einen härteren Umgang mit Griechenland ist, wie CDU-Nachwuchsmann Carsten Linnemann, warnt vor einem politischen Dominoeffekt, der radikalen Parteien auch in anderen Ländern Auftrieb gibt, falls Syriza mit seinem "Regelbruch" Erfolg hat.

          G wie Grexit: Der Grexit, also ein Szenario, in dem Griechenland den Euro verlässt, ist das Salz in der Suppe in jedem Griechenland-Talk. Über den Grexit zu reden, ist interessant, weil der Euro-Austritt für viele noch immer ein Tabu ist - und es polarisiert und Spaß macht, Tabus zu brechen. Außerdem weiß niemand wirklich, welche Folgen ein Grexit hätte. Es schwingt bei dem Begriff also automatisch immer auch Unsicherheit und Untergangsstimmung mit. Mindestens ein Vertreter in der Runde muss für den Grexit sein, sonst fehlt etwas. Je länger die Verhandlungen in Brüssel laufen, desto einfacher wird es, entsprechende Grexit-Befürworter wie Journalistin Siems zu finden.

          F wie Fauler Kompromiss: Alles wartet jetzt auf eine große Katharsis: Entweder Grexit oder eine umfassende Einigung. Dass es tatsächlich so kommt, widerspräche aller Erfahrung der Vergangenheit. Wahrscheinlicher ist, dass es einen faulen Kompromiss geben wird und das Durchwursteln weitergeht. Georgios Chatzimarkakis fände das wahrscheinlich gar nicht schlecht. Das Land brauche jetzt ein halbes Jahr zum Durchatmen, sagte er bei Illner, um dann aber wirklich voranzukommen.

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