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TV-Kritik Maybrit Illner : Alternativlos in der Problemzone

Zerfall der Gesellschaft

Mit dem Blick von bereute auch Jakob Augstein, damals ebenfalls pauschal geurteilt zu haben. Es sei schließlich immer besser, wenn Leute auf die Straße gingen und sich artikulierten, als zu Hause Frust zu schieben. Eine Ursache für die Proteste sehe er in der zunehmenden sozialen Spaltung und im Zerfall der Gesellschaft, etwa ein Fünftel der Menschen fühle sich abgehängt, misstraue dem System und erhalte weder von der Bundesregierung noch den etablierten Parteien ein Angebot. 

„Wir sind ein Land ohne klare Alternative, haben aber gewaltige Probleme“, bestätigte der von Illner als Experte hinzugezogene Politologe Albrecht von Lucke. „Union und SPD versagen, Antworten zu geben.“ Die Alternativlosigkeit aber habe nicht erst mit Angela Merkel, sondern bereits mit Gerhard Schröders Basta-Mentalität eingesetzt. Woraufhin es Illner zur Abwechslung jetzt mal bei Fahimi versuchte: Haben Sie, hat die SPD, da was versäumt in der Politik? Die Angesprochene wies das brüsk zurück: „Wir haben den Mindestlohn eingeführt und die Arbeitslosigkeit um die Hälfte gesenkt.“ Keine Versäumnisse also? „Das müssen Sie weniger uns als die Union fragen.“

Profis statt Pegida

Es hätte einen nicht gewundert, wenn es unmittelbar nach diesem Satz auf Deutschlands Straßen zu spontanen Protest-Demonstrationen gekommen wäre. Und würde sich Bernd Lucke nicht so sehr selber im Weg stehen, könnte er hier Wähler wildern; nach Lage der Dinge aber wird die AfD die Chance nicht nutzen. Womit die Flanke weiter offen ist für Populisten, die ihr Handwerk professioneller - auch professioneller als Pegida - verstehen.

Womit wir bei Kathrin Oertel wären, die etwa eine halbe Stunde lang als schmückendes Beiwerk in der Runde saß und es dabei besser auch belassen hätte. Oertel ist nach ihrer Trennung von Pegida Ende Januar ins Lager der Verschwörungstheoretiker abgeglitten. Ihr neuestes identifiziertes Übel ist nicht mehr der Islam (jüngst hatte sie sich sogar bei Muslimen entschuldigt), sondern „die Propaganda“, die mit Goebbels nicht gestorben sei, wie sie erklärte. An dieser Stelle jedoch verlor die einstige Pegida-Mitgründerin bereits den Faden, wobei fraglich ist, ob sie überhaupt einen hatte. Im weiteren sprach sie davon, heute „Dinge zu hinterfragen“, und dabei auf „Machenschaften der Nato“ gestoßen zu sein, welche die Gefahr der Islamisierung bewusst schüre, um die Leute zu belügen sowie von Medien, die sich Terrorismus mit vielen Toten wünschten.

An dieser Stelle widersprach Maybrit Illner entschieden, und Jakob Augstein ergänzte, dass es immer einfacher sei, Unsinn zu reden, als einen intelligenten Gedanken zu formulieren. Auf die Schlussfrage aber, wen AfD- und Pegida-Sympathisanten künftig wählen werden, fiel keinem in der Runde etwas ein. Dabei dürfte plausibelste Antwort wohl auch angesichts der eher dünnen Erkenntnisse aus dieser Sendung „Niemanden“ lauten.

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