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TV-Kritik: Maischberger : Wer Trump verstehen will, muss Ekel Alfred kennen

  • -Aktualisiert am

TV-Moderatorin Sandra Maischberger Bild: dpa

Sandra Maischberger sucht mit ihren Gästen nach einer Erklärung für Donald Trumps unerwarteten Erfolg. Die Antwort finden sie bei verbitterten, weißen Männern.

          5 Min.

          Vielleicht hatte Sandra Maischberger eine ganz andere Sendung geplant und wollte mit Debra Milke sprechen. Milke hat 24 Jahre in Arizona in der Todeszelle gesessen, ehe sie in letzter Instanz wegen schwerwiegender Fehler der Justiz freigesprochen wurde. Aber dann kam der „Super Tuesday“, und mit einem Mal sehen Leute Donald Trump auf dem Weg ins Weiße Haus – und auf den Themenplan Frau Maischbergers. Für das erste Thema lag es nahe, den gelernten Strafverteidiger Hans-Christian Ströbele einzuladen, der bisher nicht gerade als Amerikaexperte gilt. John Kornblum ist als amerikanische Allzweckwaffe für das zweite Thema an Bord. Tom Buhrow komplettierte die Runde als langjähriger Amerika-Korrespondent für die ARD.

          Zweifel am amerikanischen Traum

          Wie ließe sich die Saison der Vorwahlen und die Position der bisher führenden Kandidaten besser verstehen? Politikwissenschaftler nutzen dafür Umfragen. Ökonomen untersuchen wirtschaftliche Ungleichgewichte. Hat der amerikanische Traum noch Bestand? Gibt es Gründe, daran zu zweifeln?

          Im Februar 2015 hat Larry Summers, Wirtschaftsberater Bill Clintons und Barack Obamas, die Situation am amerikanischen Arbeitsmarkt dramatisch beschrieben. Es gibt nicht mehr genug Jobs für die nächste Generation. Die Einkommensentwicklung aus unselbständiger Arbeit stagniert. Das Versprechen sozialen Aufstiegs durch gute Bildung gerät unter die Räder. Die Zinsen werden weitere Jahrzehnte sehr niedrig bleiben. Die Unternehmensgewinne sprudeln. Unternehmen wie Apple sitzen auf riesigen Geldtöpfen. Investitionen aus den Erträgen aber sind gering. Die Konsequenz, die Summers und andere der Demokratischen Partei nahestehende Ökonomen zogen: Sie plädieren für eine stärkere steuerliche Umverteilung, um den amerikanischen Traum wiederzubeleben. Das ist eine politische Revolution. Sie hilft, die Erfolge des Senators Bernie Sanders aufgrund sozioökonomischer Daten zu verstehen. Sie hilft auch, die Schwächen der Kandidatin Hillary Clinton in den Blick zu nehmen.

          Renaissance des autoritären Charakters

          Die Stärke des Exzentrikers Donald Trump ließe sich kaum aus dem verstehen, was er sagt und wie er das tut. Eher schon aus der Resonanz, die er erzielt. Jüngste empirische Studien amerikanischer Politikwissenschaftler widmen sich, über 80 Jahre nach Erich Fromms, Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Studien, dem autoritären Charakter. Seine Wesenszüge: Er bevorzugt Hierarchien, die so etwas wie Kontrolle einer als chaotisch erlebten Welt versprechen. Der soziale Wandel der letzten Jahrzehnte wirkte in den Vereinigten Staaten wie ein Brandbeschleuniger für den autoritären Charakter. Er bevorzugt Militäreinsätze statt Diplomatie, verweigert Immigranten die Staatsbürgerschaft, begegnet Leute aus dem Nahen und Mittleren Osten mit besonderem Misstrauen, ist für die individuelle Ausweispflicht und findet lückenlose Überwachung der Telekommunikation gut. Er sehnt sich nach einem politischen Führungsstil, der einfach, machtvoll und strafend daherkommt. Der Kandidat Trump wirkt perfekt geschnitzt für diese rasant wachsende Gruppe in der amerikanischen Wählerschaft.

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