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TV-Kritik „Maischberger“ : Mit Fehl und Tadel

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Sandra Maischberger diskutierte in ihrer Sendung das explosive Thema Familienpflege. Für seine Brisanz gab es viele Beispiele. Doch es explodierte nichts.

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          Von einer Talkshow könnte man erwarten, dass die Gäste miteinander reden. In einer Sendung, die nach „Sprengstoff für die Familie?“ fragt, sollte deutlich werden, was dort zerstört wird – und vielleicht, wer den Zünder betätigt. Wenn es um „Pflege“ geht, könnte man sich vorstellen, dass das Teilkasko-System der Pflegeversicherung hinterfragt wird oder auch der fürsorgliche Ansatz traditioneller Pflege, die in Gefahr läuft, den Menschen mit Unterstützungsbedarf zum Objekt zu machen, statt ihm so viel Selbstbestimmung zu ermöglichen wir irgend möglich.

          In Sandra Maischbergers gestern am späten Abend ausgestrahlter Folge von „Menschen bei Maischberger“ ging es, angesichts des Themas überraschend, gepflegt langweilig zu. Die Moderatorin fragte und ihre Gäste, die überwiegend privates zu erzählen hatten, antworteten. Der Schauspieler Siegfried Rauch beispielsweise, der vor zwanzig Jahren seine Mutter ein Jahr bei sich zu Hause gepflegt hat, gab sich als moralische und ein wenig sozialromantische Instanz: Pflegeheime erschienen ihm als „kalt, anonym, vorgefertigt für einen gewissen Zweck“ – also übernahm er selbst (mit seiner Frau) die Pflege, „das macht man halt“, denn „zu Hause ist es am besten.“ Für seine Familie, die gut situiert und mit den Möglichkeiten weitgehend freier Zeiteinteilung in ausreichend großem Wohnraum lebte, war die Pflege, die sich auch nicht über zehn Jahre erstreckte, sondern nur über ein Jahr, nichts Explosives, sondern etwas sehr befriedigendes.

          Pflege bis ans Ende der Kräfte

          Da hatte es Marlene Keilhack schon schlechter, die nach fünf Jahren pflegerischer Versorgung ihres dementen Mannes am Ende ihrer Kräfte war und ihn ins Pflegeheim gab, das sich allerdings als Katastrophe für ihn erwies, weil es ihm kein Heim wurde, sondern ihn zum Objekt machte und mit Medikamenten ruhig stellte. Auch ein zweites Heim machte es nicht besser, so dass Marlene Keilhack ihren Mann dort rausholte und mit anderen Angehörigen eine Demenz-WG gegründete, über die wir allerdings weniger erfuhren, als über ihr juristisches Vorgehen gegen das erste Pflegeheim, das mit einem Vergleich endete. Dabei wäre gerade das interessant gewesen: wie der Versuch, alleine zu pflegen an Erschöpfung und Überlastung scheiterte, die Pflege im WG-Verbund dann aber offensichtlich leichter zu tragen war und bessere Ergebnisse brachte. Hier wäre vielleicht auch der Ansatz gewesen, über neue Formen von Pflege zu sprechen, über die Möglichkeiten der ambulanten Unterstützung und deren Grenzen, vielleicht auch über den aus Kostengründen sprunghaft wachsenden Markt an osteuropäischen Haushaltshelferinnen, die zunehmend, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind, auch die pflegerische Versorgung dementer und körperpflegebedürftiger Menschen übernehmen um so das überforderte Familiensystem zu entlasten.

          Aber der Anlass für Maischbergers Sendung waren nicht die Spannungen und Überforderungen, die die Versorgung von Menschen durch ihre Angehörigen oder Freunde zur Folge haben. Sie hatte die vor wenigen Tagen veröffentlichte Entscheidung des Bundesgerichtshofes zur Unterhaltspflicht von Kindern für ihre Eltern als Ausgangspunkt der Sendung gewählt, die ihre Redaktion recht tendenziös zusammenfasste: „Kinder müssen die Pflege ihrer Rabeneltern bezahlen.“ Die Geschichte von Volker Paul, den der Bundesgerichtshof 2010 zu Zahlungen für die Pflege seiner im Heim lebenden Mutter, verurteilte gab dafür allerdings wenig her, auch wenn der Studiogast selbst das anders sah. Seine Mutter war nämlich, wie er selber berichtete, psychisch krank. Sie litt an einer schizophrenen Psychose. Dass sie es mit den Kindern und die mit ihr nicht leicht hatten, ist nachzuvollziehen. Der Mutter kann ihre Behinderung aber nicht zur Last gelegt werden. Ihre Bezeichnung als „Rabenmutter“ auf der Homepage von „Maischberger“ ist angesichts dessen diskriminierend und schlimmer Fauxpas der zuständigen Redaktion. Den Umgang mit den Kindern hat nach der Trennung der Eltern im Übrigen auch nicht die Mutter abgebrochen, sondern der zu diesem Zeitpunkt etwa 16jährige Sohn.

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