https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-maischberger-der-rechte-haken-geht-ins-leere-14129578.html

TV-Kritik: „Maischberger“ : Der rechte Haken geht ins Leere

  • -Aktualisiert am

TV-Moderatorin Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Bild: WDR/Max Kohr

Kanzlerin Angela Merkel will an ihrer Flüchtlingspolitik trotz der Wahlerfolge der AfD festhalten. Bei Sandra Maischberger warnt ein Gast vor einer Eskalation der Politikverdrossenheit.

          4 Min.

          Angela Merkel ist in Europa nicht geschwächt. Es verdichtet sich aber der Eindruck einer politischen Isolation Deutschlands in Europa. Bei Sandra Maischberger diskutiert darüber an diesem Abend eine seltsam gemischte Runde. In die schmucke Riege der Elder Statesmen rückt Klaus von Dohnanyi nach. Manchmal erweckt er den Eindruck, als sei er schon in dieser Rolle geboren worden. Ihm zur Seite sitzt mit Peter Hintze ein ehemaliger Generalsekretär der CDU. Die Merkel-Fans ergänzt Hans-Ulrich Jörges vom „Stern“, ein Dauergast der politischen Talkshows. Auf der Gegenseite sitzen mit Alice Weidel ein Vorstandsmitglied der AfD und Claus Strunz. Früher war er Chefredakteur der „Bild am Sonntag“.

          Bundestag : Merkel: Umgang mit Flüchtlingskrise wird Deutschland und Europa prägen

          Normalisierung der deutschen Politik

          Strunz darf die Runde eröffnen. Dass Merkel ihren Kurs beibehält, versteht er als nächste Eskalation der Politikverdrossenheit. Die Haltung Merkels nötigt ihm aber auch Respekt ab, wenngleich er nicht versteht, warum sie das Signal der Wahlergebnisse nicht aufgreift. Peter Hintze sieht wenig Sinn darin, Politik als Fähnchen im Winde zu betreiben. Aus der Prähistorie der westdeutschen Politik erinnert Frau Maischberger an den Spontispruch „wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten“. Das kann Klaus von Dohnanyi kaum unterschreiben. Er sieht mit dem Wahlerfolg der AfD eine Normalisierung der deutschen Politik. Das Potential für solche Parteien liege in allen westlichen Demokratien bei etwa 15 Prozent. Sie zündelten mit Themen der Unsicherheit. Man müsse ihnen die Streichhölzer wegnehmen.

          AfD-Frau Weidel „versteht das Sofa nicht“, damit meint sie offenbar Peter Hintze. Ihr Lieblingswort ist „letztendlich“, was sie dazu prädestiniert, in der Programmkommission ihrer Partei zu sitzen. Sie behauptet, frei von jeder Empirie, dass die Bundesregierung ohne Mandat handele und die Flüchtlingskrise durch Verletzung europäischen Rechts erst ausgelöst habe.

          Bei Hans-Ulrich Jörges weiß man nie, ob er als Journalist oder als PR-Berater ohne Mandat redet. Jedenfalls scheint Frau Merkel nicht darauf angewiesen zu sein, sich von ihm die Wahlergebnisse erklären zu lassen. Die Behauptung, es gebe in der Flüchtlingspolitik ein Parteien-Kartell, bedient sich irreführend eines ordnungspolitischen Begriffs und verleiht mit diesem Trick der AfD eine Legitimität, die sie nicht verdient. Seit September 2015 verging keine Sitzungswoche des Bundestags, in der nicht strittig über Fragen der Flüchtlingspolitik debattiert worden wäre.

          Teilerfolg wahrscheinlich

          Rolf-Dieter Krause, aus Brüssel zugeschaltet, gibt einen Überblick zu den europäischen Verhandlungen. Bei den Verhandlungen mit der Türkei komme es darauf an, ihre Interessen zu verstehen. Visafreiheit sei in der Türkei sehr populär, im übrigen gehe es dabei nicht um Niederlassungsfreiheit, was Zündler am rechten Rand gerne falsch verstehen. In der Türkei sieht Krause mitunter mehr Freunde der Europäischen Union als in der EU selbst. Merkel werde auf jeden Fall einen Teilerfolg erzielen. Der noch offene Rest sei von EU-Beamten zu verhandeln.

          Die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei laufen seit über zehn Jahren und mit Ergebnissen ist frühestens in 15 Jahren zu rechnen. Damit holt Peter Hintze das Thema aus der Erregungskurve. Die Türkei sei an einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft älterer Tradition interessiert, ergänzt Klaus von Dohnanyi, weniger am Prozess der politischen Integration der EU.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dieses Bild wird bleiben: SGE-Trainer Glasner und Kapitän Sebastian Rhode können es noch nicht ganz fassen, aber gleich „überreichen“ sie den Europapokal an Peter Feldmann

          Frankfurter Oberbürgermeister : Die Stadt kann ihn mal

          Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann hat nicht nur den Europapokal der Eintracht abgeschleppt. Er hat vielmehr der ganzen Stadt zu verstehen gegeben, dass er sich um sie und deren Bürger nicht weiter schert. Die Abwahl muss jetzt kommen.
          Eine Schule wird zum Ort der Trauer: Mitschüler und Angehörige gedenken der 21 Menschen, darunter 19 Kinder, die an der Grundschule erschossen wurden.

          Über Amokläufer in Uvalde : „Mein Sohn war kein Monster“

          Nachdem ein 18 Jahre alter Mann 19 Kinder und zwei Lehrerinnen in Texas tötete, suchen die Ermittler immer noch nach einem Motiv. Sein Umfeld zeichnet das Bild eines aggressiven Einzelgängers.
          „Nur ein Ja ist ein Ja“: Gleichstellungsministerin Irene Montero spricht am Freitag in Madrid

          „Nur ein Ja ist ein Ja“ : Spanien verschärft Sexualstrafrecht

          Ein Entwurf der linken Minderheitsregierung stößt im Parlament auf große Zustimmung. Damit ist die Einwilligung der Frau ausschlaggebend für einen sexuellen Kontakt. Von den Konservativen kommt Kritik.
          Für Jürgen Klopp und den FC Liverpool geht es im Finale der Champions League gegen Real Madrid.

          Klopp zum Finale : „Wir spielen auch für die Ukraine“

          Jürgen Klopp will mit dem FC Liverpool die Champions League gewinnen. Warum er froh ist, dass das Finale in Paris stattfindet, wie er die Gerüchte um Sadio Mané bewertet und was er über den Rasen denkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Bildungsmarkt
          Alles rund um das Thema Bildung
          Sprachkurs
          Verbessern Sie Ihr Englisch
          Sprachkurs
          Lernen Sie Französisch