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TV-Kritik: „Maischberger“ : Das Brett vor dem Kopf des jeweils Anderen

Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über das Verhältnis zwischen Bürgern und Medien. Bild: WDR/Max Kohr

Bei Sandra Maischberger ging es um den Kampfbegriff „Lügenpresse“. Ob es tatsächlich einen Vertrauensverlust zwischen Bürgern und Journalisten gibt, wäre ein schönes Thema gewesen. Leider wohnten wir einer Realsatire bei.

          Von Maybrit Illner stammt, wenn wir uns richtig erinnern, der Spruch, man möge nun noch viel Spaß haben beim Vermehren der gewonnen Einsichten. So oder so ähnlich, dem Sinn nach, hat sie sich mit einem Augenzwinkern lange Zeit von ihren Zuschauern verabschiedet. Womit sie sich selbst zugleich ein Kompliment machte. Schließlich sollte ihre Sendung es doch gerade vermocht haben, Einsichten zu gewinnen. Das würde man gerne auch von der Talkshow ihrer Kollegin Sandra Maischberger behaupten, die sich gestern der Frage widmete: „Vorwurf ,Lügenpresse' - Kann man Journalisten noch vertrauen?“ Allein: Da gab es keine Einsichten zu gewinnen. Bis auf die eine: lange Rede, gar kein Sinn.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Lügenpresse“ ist bekanntlich ein Kampfbegriff, mit dem nicht viel anzufangen ist. Er bedeutet, dass die Presse nichts als Lügen verbreite. Dabei schaut, wer von „der“ Presse als monolithischer Meinungsmaschine spricht, schon nicht so genau hin. Und den Beweis, dass alle Journalisten lügen, also vorsätzlich die Unwahrheit sagen, muss man auch erst einmal erbringen. Bei jeder Darstellung des Gegebenen, die einem nicht passt, von „Verschwörung“ und „Lüge“ zu reden, heißt, sich der Prüfung von Fakten, dem kritischen Diskurs und freien Wettstreit der Meinungen zu entziehen. Für Pressekritik taugt das nicht.

          Der Zug der Lemminge

          Gleichwohl redet der frühere „Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert die Dinge schön, wenn er mit Blick auf die Berichterstattung über den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff mehr oder weniger in Abrede stellt, da hätten Journalisten einen Politiker im Rudel solange gejagt, bis er zurücktreten musste. Er musste, weil er Fehler gemacht hatte, vor allem aber, weil der von den Medien ausgeübte Druck auf ihn so groß war, dass er sein Amt gar nicht mehr ausfüllen konnte. Das war kein Ruhmesblatt für die Presse. Je mehr Zeit ins Land geht, desto deutlicher tritt das zu Tage.

          Zu fragen wäre, warum so etwas geschieht und wieso sich das Phänomen wiederholt. Warum so oft alle in eine Richtung rennen, Mal um Mal der Zug der Lemminge einsetzt, etwa über Wochen und Monate im „Willkommenskultur“-Jubelton über die Flüchtlingskrise berichtet wird und jedes Vorkommnis, das ins Vorurteilsraster passt – wie der Suizid eines Asylbewerbers in Schmölln –, sofort die Schlagzeilen beherrscht, zu den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln aber erst einmal tagelang fast gar nichts berichtet wurde.

          Dahinter steckt keine Verschwörung, sondern ein Tunnelblick samt fehlender Sorgfalt und fehlendem Mut – erst zu urteilen, wenn die Fakten halbwegs beisammen getragen sind und diese gefälligst erst einmal zu recherchieren. In der Summe ergibt das einen Vertrauensverlust, auf den sich diejenigen nur draufsetzen müssen, die meinen, sie seien im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit und diese finde sich eben nicht in den „etablierten“ Medien.

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