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TV-Kritik „Maischberger“ : Fachmann gegen tumbe Rabauken

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger und ihr einziger Gast in dieser Sendung: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Bild: WDR/Max Kohr

Sandra Maischberger widmet sich ausschließlich Wolfgang Schäuble. Es geht um Trump, Merkel, die CSU. Der Finanzminister zeigt Fachwissen und Geschick – was man von seinen Gesprächspartnern nicht behaupten kann.

          Gastgeberin Sandra Maischberger malte diesmal in ihrer Sendung ein wahres Schreckensbild der Welt. Warum sollte der alte Mann dazu den Helden spielen? Wolfgang Schäuble hielt sich zurück. Um ihn aus der Reserve zu locken, wären andere Fragen nötig gewesen. Etwa nach der Rolle des Internationalen Währungsfonds in der europäischen Finanzkrise. Wird sein Befund, dass Griechenland einen Schuldenschnitt braucht, das Signal für den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion?

          Doch solche Fragen blieben aus. Stattdessen sollte Schäuble Bilder des Unionsgipfels aus München kommentieren. Geschickt zog sich der CDU-Politiker aus der Affäre. Wie sollte er auch anders. Erst im Juli wollen die Unionsparteien ihr Wahlprogramm vorstellen. Sie setzen auf einen kurzen und heftigen Wahlkampf. Was interessiert da schon eine Personalie eines Münchner Fußballclubs?

          Anders sieht es aus mit der neuen Lage in Amerika. Der Wahlkampf hat Wolfgang Schäuble befremdet. Vieles an der neuen Regierung gefällt ihm überhaupt nicht. Er konzediert dem Präsidenten, dass er die Kommunikation in den sozialen Medien besser als seine Konkurrentin verstanden hat. Nun setzt Schäuble auf das Funktionieren der viel zitierten Checks und Balances, auch wenn Trumps fortgesetzte Richterschelte eine andere Sprache spricht. Selbst der Kandidat für die Vakanz im Obersten Bundesgericht hat sich inzwischen irritiert über Präsident Trumps Attacken geäußert.

          Strafzölle verstoßen gegen die Welthandelsordnung. Was ist, wenn Trump auch die WTO ignoriert? Dass sich das stärkste Land der Welt Regeln unterwirft, scheint er jedenfalls nicht zu akzeptieren. Das gibt Schäuble Gelegenheit zu dem weitsichtigen Satz, wonach das Amt des amerikanischen Präsidenten grauenvoll verantwortlich sei.

          Keine Krise vergeuden!

          Europa hört den Weckruf. Noch ist nicht klar, wie es auf ihn antwortet. Die Pläne der neuen Regierung, Obamas Finanzmarktreform wieder zu kassieren, gehe in die falsche Richtung. Noch immer seien die Schattenbanken unzureichend reguliert.

          Als Großvater findet er, dass die heutige Jugend bessere Möglichkeiten habe als je zuvor. Vielleicht sei es die Folge von zu vielen guten Tagen, dass sich das Bild der Welt verdüstert. Er erinnert daran, wie zerstört das Land 1954 noch aussah. Sandra Maischberger versucht, ihn mit ja/nein-Fragen aus der Reserve zu holen. Szenen aus dem TV-Porträt Stephan Lambys bleiben eindrücklicher. Schäubles Verhältnis zur Politik als Sucht anzusprechen, zeigt, wie unvorbereitet dieses Gespräch wirkt.

          Die Europäische Union habe Krisensituationen immer genutzt, um selbst ein Stück voranzukommen. Da ist wieder diese Dialektik in Schäubles Denken, auf beiden Seiten eines Problems zu Hause zu sein. Aber auch darauf reagiert die Moderatorin nur mit der Frage, ob der Brexit Schule mache. Natürlich nicht. Nach den Regionalwahlen habe der Front National keinen einzigen Regionalpräsidenten gestellt. Schäuble findet es abwegig („Ich wäre ein Idiot“), über ein Ende der EU zu spekulieren.

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