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TV-Kritik: Günther Jauch : Warum die Irak-Krise auch Deutschland betrifft

TV-Moderator Günther Jauch Bild: dpa

Im Irak entsteht gerade eine neue Hochburg für Dschihadisten. Auch bei „Günther Jauch“ warnte ein Islamwissenschaftler vor der Faszination, die Isis auf Jugendliche in Deutschland ausübe. Vor allem gegen Ende wurde es interessant.

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          Jetzt mal ehrlich: Wer hat sich eigentlich bis vor kurzem für den Irak interessiert? Das war doch das Land, in dem Präsident George W. Bush vor ein paar Jahren einen falschen Krieg geführt hatte und in dem Schiiten und Sunniten sich anschließend einen blutigen Bürgerkrieg geliefert hatten. Mehr wollten die meisten wohl nicht wissen. Seit Jahren gibt es fast täglich Schreckensnachrichten über neue Bombenanschläge im Irak, die es nur dann in die Kurzmeldungen der Medien schafften, wenn sonst auf der Welt nicht viel los war. Doch ganz plötzlich hat dieses Land wieder ziemlich viel mit uns zu tun.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Das kam recht gut raus in der gestrigen Sendung von Günther Jauch über den Vormarsch der Terrorgruppe Isis, „Blutiger Feldzug - Wie gefährlich sind die islamistischen Gotteskrieger?“. Gleich am Anfang erinnerte der Islamwissenschaftler Guido Steinberg daran, dass aus Syrien und dem Irak nach Deutschland heimkehrende Dschihadisten inzwischen nicht mehr nur eine theoretische, sondern eine konkrete Gefahr darstellen. Er beschrieb anschaulich, warum Terrorgruppen wie Isis für manche deutsche Konvertiten und Deutsche aus muslimischen Einwanderungsfamilien ziemlich attraktiv sind.

          Gegen die westliche Dekadenz

          Auch Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag betonte immer wieder, wie nah der Irak an Deutschland liege und dass man es sich nicht mehr leisten könne, den Konflikt dort zu ignorieren, weil die eigentliche Zielrichtung der Islamisten die westliche Dekadenz sei. Soweit, so klar.

          Was daraus folgt, war schon weniger klar. Irgendwie waren sich alle einig, dass ein militärisches Eingreifen keine Option sei, schon deshalb, weil das die Regierung von Ministerpräsident Nuri al Maliki stützen würde, der eher die Ursache als die Lösung des Konflikts ist.

          Die Fehler der Amerikaner

          Ansonsten ging es wild durcheinander. Der ehemalige Irak-Korrespondent der ARD Jörg Armbruster durfte ein bisschen über das frühere Bagdad erzählen; die Moderatorin Dunja Hayali über ihre irakische Familie, die überall, nur nicht im Irak lebt; die Fehler, die die Amerikaner im Irak gemacht haben, wurden - ebenfalls kaum kontrovers - benannt und der ehemalige Waffeninspekteur der Vereinten Nationen und Linken-Politiker Jan van Aken brachte die deutschen Waffenexporte nach Saudi-Arabien ins Spiel, was der CDU-Politiker Röttgen treffend mit den Worten kommentierte: „Jetzt werfen wir ziemlich viel auf einmal in einen Topf.“

          Eine wirkliche Diskussion kam dabei nicht auf. Vermutlich, weil Deutschland bei aller beschworenen Nähe des Konflikts doch irgendwie wenig gegen den Isis-Vormarsch im Irak ausrichten kann. Potentiell kontroverse Fragen etwa über einen Dialog mit Iran wurden gar nicht erst gestellt. Und was genau eigentlich das Thema der Sendung sein sollte, war auch nicht wirklich klar.

          Wie im Spanischen Bürgerkrieg

          Gegen Ende wurde es noch einmal kurz interessant, als Guido Steinberg Dunja Hayalis Darstellung deutscher Dschihadisten widersprach. Sie wollte in ihnen Möchtegerngotteskrieger sehen, die sich von billiger Schwarz-Weiß-Malerei anlocken und als Kanonenfutter verheizen ließen. Er sprach dagegen von einem „tief empfundenen Wunsch, bedrängten Muslimen zu Hilfe zu eilen“ und von Abenteuerlust und adelte die Dschihadisten durch einen Vergleich mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Da ahnte man kurz, was das Thema hätte sein sollen. Doch da war auch schon Schluss.

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