https://www.faz.net/-gsb-7qqh0

TV-Kritik: Günther Jauch : Warum die Irak-Krise auch Deutschland betrifft

TV-Moderator Günther Jauch Bild: dpa

Im Irak entsteht gerade eine neue Hochburg für Dschihadisten. Auch bei „Günther Jauch“ warnte ein Islamwissenschaftler vor der Faszination, die Isis auf Jugendliche in Deutschland ausübe. Vor allem gegen Ende wurde es interessant.

          2 Min.

          Jetzt mal ehrlich: Wer hat sich eigentlich bis vor kurzem für den Irak interessiert? Das war doch das Land, in dem Präsident George W. Bush vor ein paar Jahren einen falschen Krieg geführt hatte und in dem Schiiten und Sunniten sich anschließend einen blutigen Bürgerkrieg geliefert hatten. Mehr wollten die meisten wohl nicht wissen. Seit Jahren gibt es fast täglich Schreckensnachrichten über neue Bombenanschläge im Irak, die es nur dann in die Kurzmeldungen der Medien schafften, wenn sonst auf der Welt nicht viel los war. Doch ganz plötzlich hat dieses Land wieder ziemlich viel mit uns zu tun.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Das kam recht gut raus in der gestrigen Sendung von Günther Jauch über den Vormarsch der Terrorgruppe Isis, „Blutiger Feldzug - Wie gefährlich sind die islamistischen Gotteskrieger?“. Gleich am Anfang erinnerte der Islamwissenschaftler Guido Steinberg daran, dass aus Syrien und dem Irak nach Deutschland heimkehrende Dschihadisten inzwischen nicht mehr nur eine theoretische, sondern eine konkrete Gefahr darstellen. Er beschrieb anschaulich, warum Terrorgruppen wie Isis für manche deutsche Konvertiten und Deutsche aus muslimischen Einwanderungsfamilien ziemlich attraktiv sind.

          Gegen die westliche Dekadenz

          Auch Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag betonte immer wieder, wie nah der Irak an Deutschland liege und dass man es sich nicht mehr leisten könne, den Konflikt dort zu ignorieren, weil die eigentliche Zielrichtung der Islamisten die westliche Dekadenz sei. Soweit, so klar.

          Was daraus folgt, war schon weniger klar. Irgendwie waren sich alle einig, dass ein militärisches Eingreifen keine Option sei, schon deshalb, weil das die Regierung von Ministerpräsident Nuri al Maliki stützen würde, der eher die Ursache als die Lösung des Konflikts ist.

          Die Fehler der Amerikaner

          Ansonsten ging es wild durcheinander. Der ehemalige Irak-Korrespondent der ARD Jörg Armbruster durfte ein bisschen über das frühere Bagdad erzählen; die Moderatorin Dunja Hayali über ihre irakische Familie, die überall, nur nicht im Irak lebt; die Fehler, die die Amerikaner im Irak gemacht haben, wurden - ebenfalls kaum kontrovers - benannt und der ehemalige Waffeninspekteur der Vereinten Nationen und Linken-Politiker Jan van Aken brachte die deutschen Waffenexporte nach Saudi-Arabien ins Spiel, was der CDU-Politiker Röttgen treffend mit den Worten kommentierte: „Jetzt werfen wir ziemlich viel auf einmal in einen Topf.“

          Eine wirkliche Diskussion kam dabei nicht auf. Vermutlich, weil Deutschland bei aller beschworenen Nähe des Konflikts doch irgendwie wenig gegen den Isis-Vormarsch im Irak ausrichten kann. Potentiell kontroverse Fragen etwa über einen Dialog mit Iran wurden gar nicht erst gestellt. Und was genau eigentlich das Thema der Sendung sein sollte, war auch nicht wirklich klar.

          Wie im Spanischen Bürgerkrieg

          Gegen Ende wurde es noch einmal kurz interessant, als Guido Steinberg Dunja Hayalis Darstellung deutscher Dschihadisten widersprach. Sie wollte in ihnen Möchtegerngotteskrieger sehen, die sich von billiger Schwarz-Weiß-Malerei anlocken und als Kanonenfutter verheizen ließen. Er sprach dagegen von einem „tief empfundenen Wunsch, bedrängten Muslimen zu Hilfe zu eilen“ und von Abenteuerlust und adelte die Dschihadisten durch einen Vergleich mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Da ahnte man kurz, was das Thema hätte sein sollen. Doch da war auch schon Schluss.

          Weitere Themen

          Große Lieder aus dem Jenseits

          Leonard Cohen : Große Lieder aus dem Jenseits

          Drei Jahre nach Leonard Cohens Tod erscheint ein allerletztes Album, fertiggestellt von seinem Sohn Adam. Wir hören Flamenco und ein Vermächtnis aus Bitternis und Witz.

          Stars und Sternchen in Baden-Baden Video-Seite öffnen

          Bambi-Verleihung : Stars und Sternchen in Baden-Baden

          Bei der 71. Bambi-Verleihung in Baden-Baden konnten sich Luise Heyer und Bjarne Mädel in den Kategorien Schauspiel National durchsetzen. Für Hollywood-Glamour sorgte Naomi Watts, die als Schauspielerin International ausgezeichnet wurde. Insgesamt wurden Preise in 17 Kategorien vergeben.

          Aufgehoben oder aufgeschoben?

          Rundfunkbeitrag : Aufgehoben oder aufgeschoben?

          Der Rundfunkbeitrag soll 2021 bei 18,36 Euro liegen. Automatisch steigen soll er künftig erst einmal nicht. Die Länder wollen lieber weiter über den Auftrag von ARD und ZDF reden. Wozu führt das?

          Topmeldungen

          CDU-Parteitag : Revolte abgesagt

          Annegret Kramp-Karrenbauer hält auf dem CDU-Parteitag keine Verteidigungsrede gegen ihre Kritiker, sie geht in die Offensive und stellt die Machtfrage. Und Friedrich Merz betont, die CDU sei „loyal zu unseren Vorsitzenden“.
          Guter Auftritt: Christine Lagarde während des European Banking Congress in der Frankfurter Alten Oper.

          Neue EZB-Präsidentin : Guter Start für Lagarde

          Nach acht Jahren Mario Draghi hat kürzlich Christine Lagarde die Führung in der Europäischen Zentralbank übernommen. Noch ist nicht klar, welchen Kurs sie inhaltlich verfolgen wird. Im Stil hat sie allerdings schon erste Zeichen gesetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.