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TV-Kritik: Humor im WDR : Haste mal ’ne Pointe?

  • -Aktualisiert am

Nicht lustig: Lutz van der Horst Bild: WDR/Lena Heckl

Gar nicht witzig: Die unlustigste Sendung der Welt ist eine Zugabe zum Kölner Comedy Festival, läuft im WDR und heißt „Bus mit lustig“.

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          Während der zweieinhalb Wochen, in denen das Köln Comedy Festival stattfindet, kommt es im Rheinland regelmäßig zu einer solchen Konzentration von Lustigkeit, dass eine gefährliche globale Humor-Unwucht droht. Als Sicherheitsmaßnahme zeigt der Westdeutsche Rundfunk deshalb neuerdings in diesem Zeitraum eine Sendung, die nicht nur nicht lustig, sondern aktiv unlustig ist und dafür sorgt, dass die Welt in Lach-Balance bleibt.

          Das wäre jedenfalls eine der besseren Erklärungen für das, was das WDR-Fernsehen zurzeit an zwölf Abenden als „Aftershow“ zum Köln Comedy Festival ausstrahlt. Es handelt sich um eine knapp fünfzehnminütige Sendung namens „Bus mit lustig“, moderiert von Lutz van der Horst, der vor allem als Politikernerver aus der „heute show“ bekannt ist. Er beginnt sie immer mit dem Hinweis, es handele sich um „die lustigste Show der Welt mit dem lustigsten Namen der Welt“, und das ist lustig, weil es nicht stimmt.

          Das Konzept der Show kann man nur verstehen, wenn man sich vorstellt, dass das Witzigkeitsuniversum ein Kreis ist. Das heißt: Wenn man nur lange genug in Richtung völliger Unwitzigkeit geht, kommt man am anderen Ende in einem Bereich größter Witzigkeit heraus. Es gibt Indizien dafür, dass an dieser Theorie etwas dran ist. Helge Schneider könnte man als jemanden ansehen, der diese faszinierende Grenzregion erkundet hat; auch eine Fernsehsendung wie „Schmidteinander“ hat sich darin getummelt. Allerdings muss man den Weg finden, zum Beispiel den Pass übers Absurditäts-Plateau, sonst landet man nur im Nirvana größter Unlustigkeit.

          Billig von Anfang an

          „Bus mit lustig“ beginnt immer im titelgebenden Bus, der die Garderobe von Lutz van der Horst sein soll. Ein Assistent gibt ihm zum Beispiel das Kommando: „Raus jetzt!“ Van der Horst fragt: „Kann ich jetzt moderieren?“ Der Assistent sagt: „Nee, kannste nicht, aber du musst.“ Die billige Anfangsmusik erklingt, van der Horst läuft an traurigen Leuchtschläuchen vorbei und singt: „Das ist der lustigste Ort der Welt / Kommt, lacht mit, bis es euch gefällt.“ Ein winziger Bereich eines Cafés, das tagsüber als eine Art Zweit-Kantine des WDR dient, ist mit dem Charme eines Partykellers als Studio eingerichtet worden. Ein peinlicher Mensch mit peinlicher Krawatte sitzt am Keyboard und spielt peinlich schlecht peinliche Lieder zur Begleitung.

          Bei einem wiederkehrenden Spiel trägt Christian Brückner, die deutsche Synchronstimme von Robert De Niro, Sätze aus den Bühnenprogrammen bekannter Komiker vor, was ihnen jeden Witz nimmt. Ein Gast muss erraten, von wem die Sätze stammen, und erhält als Preis eine blaue Schnur, die blinken kann (sic!). Van der Horst kündigt an, die zweitausend aufregendsten Orte Kölns zu besuchen, und fängt bei den Plätzen 2000 und 1999 an, deren grenzenlose Langweiligkeit er in Filmen demonstriert.

          Schlechte Witze von schlechten Komikern

          In der Rubrik „The Witz of Germany“ treten vor dem Bus schlechte Komiker auf und erzählen schlechte Witze, wie der verkleidete „Pitterman“, der die fünf besten Bierwitze präsentiert; Platz 1: „Wieso sollte ein Herzkranker niemals Cola und Bier trinken? Hm? Tja, weil er sonst colabiert.“ Von dem Poetry-Slammer Sebastian23, der in der Sendung zu Gast ist, gibt es keinen Ausschnitt aus seinem Live-Auftritt zu sehen, sondern von der Minute zuvor, wenn er vor der Tür steht und sagt, dass er ganz aufgeregt sei, weil es gleich losgehe.

          Lutz van der Horst geht zur Comedy-Preis-Verleihung und sammelt Absagen und Beschimpfungen von Kollegen. Die Maskenbildnerin findet ihn doof. Das Maskottchen der Sendung, eine Kichererbse namens Rolfl, „wegen ROFL“, wie der Moderator jedes Mal hinzufügt, weil manchmal der Witz ja erst entsteht, wenn man etwas oft genug wiederholt, passt nicht durch die Tür und verweigert die Zusammenarbeit.

          Vermutlich war es einfach so, dass die Macher von „Bus mit lustig“ gemerkt haben, dass es ihnen - mangels Ressourcen, Ideen, Ausstattung, Talent oder Lust - nicht gelingen würde, eine richtig gute Aftershow-Sendung zum Köln Comedy Festival zu machen. Und um nicht eine mittelmäßige Sendung zu machen, haben sie sich entschlossen, eine richtig schlechte Sendung zu machen.

          Keine Pointe.

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