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TV-Kritik: Hart aber Fair : Wir sind vielleicht Helden

  • -Aktualisiert am

Russlands Präsident Putin: Bei Plasberg durchaus schurkenwürdig Bild: AP

Frank Plasberg hat in seiner Sendung „Hart aber Fair“ die Schurken des Jahres benannt: Wladimir Putin, Uli Hoeneß und die Islamisten von nebenan. Und die Helden?

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          Es war ja ganz nett vom Schicksal gemeint, uns im Frühling mit einer bärtigen Wettsängerin, im Sommer mit 23 schwitzenden Männern, im Herbst mit der Erinnerung an den Mut der Mauerspechte und ganze 166 Tage lang, von Mai bis November, mit einem Mann vorm Mond zu versorgen. In der Rückschau wiegt das trotzdem nicht auf, was in den vergangenen Monaten an bedrückenden Nachrichten auf den Fernsehzuschauer hereinbrach.

          Entsprechend düster fiel der von Caren Miosga und Thomas Roth moderierte Jahresrückblick im Ersten aus. Die beiden konnten noch so sehr zu Unterhaltungszwecken an dem Kneipen-Kicker schrauben, der in der unbrauchbaren Kulisse des Nachrichtenstudios herumstand: Die Bilder aus der Ukraine, aus Afrika und Kobane – auch die Sorgenfalten-Aufnahmen, die Miosga von überinszenierten Gesprächen mit Außenminister Steinmeier und EU-Kommissionspräsident Juncker mitbrachte – sind einprägsamer und wirkmächtiger als die schönen Bilder des Jahres.

          Die anschließende „Hart aber fair“-Runde, die sich mit dem Thema „Von Schurken und Helden“ befasste, war ebenfalls mehr an den Schattenseiten des Jahres interessiert. Vor allem die „Schurken“ hatten es Plasberg angetan: von Putin über die Salafisten bis hin zu Uli Hoeneß. Und seine Gäste legten sich echauffiert ins Zeug, um die Schurkenwürdigkeit der Genannten im gebotenen Eilschritt (mindestens drei Talkshows in einer, wenn das nicht ein Weihnachtsangebot ist!) noch einmal durchzudeklinieren.

          Roth: Putin ist wie ein „Piranha“

          Das Ergebnis bei Putin: durchaus schurkenwürdig. Allerdings meinte der Kabarettist Serdar Somuncu auch von durchtriebenen amerikanischen Schurken und europäischen Verführern reden zu müssen, während der frühere bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber über die Versäumnisse des Westens beim Umgang mit Russland und Fritz Pleitgen, der ehemalige WDR-Intendant, kritisch über die Sanktionspolitik und psychologische Ungeschicktheiten nachdachte.

          Der Grünen-Politikerin Claudia Roth war das zu konziliant. Ob Putin wie ein kalter Fisch auf sie wirke, hat sie die Zeitschrift „Galore“ einem Interview neulich gefragt. Roth antwortete: „Fisch ist untertrieben“. Die Zeitschrift hakte nach: „Hai?“ Und Roth so: „Piranha!“.  Bei Plasberg erinnerte sie die Runde noch einmal an Putin, den Aggressor, und die Verfolgung von Minderheiten und Regimekritikern im Inneren Russlands. Mit der 2006 ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja war sie ja „a bisserl befreundet.“

          Erinnern an die 2006 ermordete Anna Politkowskaja

          Beim zweiten Prüfungsgegenstand, den gewaltbereiten Salafisten, deren Begeisterung für die Scharia sich (wie Somuncu hervorhob) mit dem Grundgesetz stößt, kam dann endlich auch der Journalist Ulrich Meyer zum Zug. Er empörte sich über die selbst bei Prominenten wie Frank Ribery neuerdings zu bewundernde Bartmode in Deutschland: „Das sind völlig falsche Signale […] Runter mit dem Ding!“. Wie gut, dass der Mann keine Modesendung produziert.

          Plasberg wiederum versuchte Stoiber einige Sätze zu den rechtspopulistischen Tönen seiner bayrischen Parteifreunde zu entlocken. Man müsse die Sorgen der Menschen ernst nehmen, sagte der aber zunächst nur zum Thema Islamophobie. Die Politik müsse sich um jene bemühen, die „aus Angst oder aus Wut“ bei der ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung „mitlaufen“ und von den etablierten Parteien enttäuscht seien. Den Deutsch-Vorstoß der CSU bezeichnete er als missverständlich und unglücklich formuliert.

          Für die Zuschauer ein Schurke, für Edmund Stoiber eher ein Held: Uli Hoeneß

          Überhaupt schlug an diesem Abend noch einmal Stoibers Stunde. Schließlich wurde auch Uli Hoeneß, der prominente Steuersünder, von den Passanten, die „Hart aber fair“ im Vorfeld der Sendung mit dem Wunsch nach einer Einordnung bedrängte, als „Schurke“ benannt. Also gab Stoiber im dritten Themenblock dieser wenig erinnerungswürdigen Rückschau den guten Freund, um Hoeneß trotz des Kopfschüttelns am anderen Ende des Tisches zumindest wieder ein bisschen in Richtung „Held“ von gestern und morgen hinüberzuziehen. Den „Helden“-Titel 2014 hielten er und Fritz Pleitgen dann allerdings doch lieber für Papst Franziskus parat.

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