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TV-Kritik: Hart aber fair : Schleichen um den Gender-Mainstreaming-Brei

  • -Aktualisiert am

Déjà vu im Studio: Die selben Gäste hatte Frank Plasberg bereits im März eingeladen Bild: dpa

Zensur oder Schutz der Grundrechte? Der WDR wollte die Debatte um die aus der Mediathek entfernte März-Sendung beenden. Das hat trotz der Einladung zweier zusätzlicher Gäste leider nicht funktioniert.

          Die Katze schleicht bekanntlich um den heißen Brei. Das betrifft sicher auch den Kater, wobei wir nicht wissen, ob der Gattungsname Katze nicht schon eine Form der Diskriminierung bedeutet. Wie man das Schleichen aber diskriminierungsfrei gestalten kann, wurde gestern Abend bei Frank Plasberg deutlich. Dort saßen nämlich ein männliches und ein weibliches Exemplar der Gattung Mensch, und beide schlichen gekonnt um den heißen Brei.

          Es ging um die Neuauflage jener zu einiger Prominenz gekommenen Sendung aus dem März, die sich dem Geschlechterkampf widmete. Sie war nach Beschwerden von Zuschauern und diversen Frauenverbänden vom WDR aus der Mediathek des Senders entfernt worden. Nach Protesten über diesen Vorgang ist sie dort aber wieder zu finden.

          „Drei Schritte vor, zwei zurück“

          Das Handeln des WDR erinnerte an die Echternacher Springprozession. Allerdings sollen mit diesem Hinweis weder Christen noch andere Glaubensbekenntnisse diskriminiert werden. Von denen, die gar nichts glauben, ganz zu schweigen. Aber in Echternach geht es um „drei Schritte vor, zwei zurück“, womit der eigentliche Fortschritt im dritten Schritt zu finden wäre. Dieser müsste die Neuauflage der früheren Sendung gewesen sein. Mit den gleichen Gästen und dem gleichen Thema, dazu die Selbstkritik von Plasberg bezüglich der vorherigen Sendung. Womit schon klar war, dass das Gleiche nicht dasselbe sein kann. Man musste zwangsläufig über diesen Vorgang diskutieren.

          Damit das gelingt, waren der WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn und als Vertreterin der Anklage Sybille Mattfeldt-Kloth anwesend. Die Juristin ist die stellvertretende Landesvorsitzende des Frauenrats Niedersachsen und hatte eine Programmbeschwerde über die Sendung verfasst. Die anderen Gäste wirkten angesichts der Neuauflage in ihrem Meinungskampf etwas ermattet. Wer kennt das nicht aus seinen Beziehungen? Es ist nichts mühseliger als alten Streit neu aufzuwärmen. Man braucht wenigstens einen neuen Anlass, um sich munter neue Gefechte zu liefern. Den gibt es gerade nicht, weil zur Zeit die Flüchtlingskrise alles andere in den Schatten stellt. So war inhaltlich von dieser Seite wenig zu erwarten gewesen. Eine Annahme, die sich als zutreffend herausstellte.

          WDR-Bocksprünge

          Aber dafür bewiesen die beiden anderen Gäste unverhofften Elan beim Schleichen um den besagten Brei. Schönenborn musste den unerfreulichen Part übernehmen. Schließlich hatte er die Bocksprünge seines Senders zu begründen. Ihn traf dabei vor allem der in den Medien erhobene Vorwurf der Zensur. Davon könne keine Rede sein. Es habe auch keine Lobby Druck auf den Sender ausgeübt, diese Sendung aus der Mediathek zu entfernen.

          Das Löschen sei zwar ein Fehler gewesen, so räumte Schönenborn freimütig ein. Es habe berechtigte Kritik gegeben, die allerdings zu keinem Zeitpunkt für eine formelle Rüge durch WDR-Instanzen gereicht hätte. Trotzdem habe man die Sendung entfernt. Sie wäre kaum noch gesehen worden – und den wenigen Zuschauern wollte man daher wohl deren Unzulänglichkeit ersparen. Warum man dann nicht damit wartete bis sie ganz regulär aus der Mediathek entfernt wurde? Das konnte der WDR-Fernsehdirektor auch nicht erklären.

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