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TV-Kritik: Hart aber Fair : Mit Mauerresten heilt man nicht

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg Bild: WDR/Klaus Görgen

In keinem anderen Land wird so viel operiert wie in Deutschland. Doch erleben auch alternative Heilmethoden einen Boom. Bei Frank Plasberg ging es um die Frage, welche Form der Heilung die Richtige sei. Doch anscheinend wollte er das Thema nur ins Lächerliche ziehen.

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          Es ist eine uralte Diskussion. Eine, zu der fast jeder eine Meinung hat: Schulmedizin oder Homöopathie, Wissenschaft oder Glauben. Die Lager streiten sich seit Jahrzehnten. Dass auch Frank Plasberg und seine Gäste am Montag bei „Hart aber fair“ zum Thema  „Heilen, egal wie. Welche Medizin darf es denn sein?“ sich nicht einig sein würden, durfte man erwarten.

          Eine Ärztin und Homöopathin und eine Heilpraktikerin bildeten bei Plasberg die Pro-Homöopathie-Fraktion. Auf der anderen Seite zwei Herren aus der Wissenschaft, die mit bunten Kügelchen und ihren beiden Kontrahentinnen wenig anfangen konnten. In der Mitte saß, als verständnisvoller, hin- und hergerissener Sympathieträger der Runde, Eckart von Hirschhausen – Arzt, Komiker und Studioinventar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Das war die Konstellation. Ein Thema ohne aktuellen Anlass von einer derart zusammengesetzten Expertenrunde diskutieren zu lassen, versprach wenig Aussicht auf Erkenntnis.

          Kino-Vorlieben erklären noch keine Krankheit

          Vorgetragen wurden bekannte Argumente: Fließbandabfertigung gegen ganzheitliche Behandlung, Zeitdruck gegen Geduld, Symptom- gegen Ursachenbekämpfung. Am engagiertesten tat sich die Ärztin und überzeugte Homöopathin Irene Schlingensiepen hervor. Frank Plasberg erklärte gleich zu Beginn, warum sie sich für die alternative Medizin begeistert. Der Grund ist ein krankes Kind. Ihr Sohn, erklärte Irene Schlingensiepen, habe früher an Asthma gelitten, dank der Behandlung mit alternativen Methoden sei er geheilt.

          Der Biologe und Wissenschaftsjournalist Christian Weymayr hatte Mühe, ihr zu erklären, warum er solchen Geschichten Glauben schenke, aber die Argumentation mit Einzelschicksalen für ungenügend hält. Wer körperliche Leiden erklären oder gar heilen wolle, müsse sich auf umfassende klinische Studien beziehen: „Ich habe Ihr Buch ,Homöopathie für Skeptiker` gelesen und glauben Sie mir, das war ein zweifelhaftes Vergnügen.“ Irene Schlingensiepen und Kollegen zitierten Einzeluntersuchungen, wie sie ihnen gerade so in den Kram passten, sie entzögen sich damit jeglicher Überprüfbarkeit: „Wenn Sie Ihre Patienten bei der Anamnese fragen, welche Art von Kinofilm sie mögen, dann ist das nicht ganzheitlich, sondern überflüssig.“

          Wenig Zeit für die Patienten

          Weymayr hatte gut zu tun, gegen Irene Schlingensiepen und die Heilpraktikerin Ursula Hipert-Mühlig zu Wort zu kommen. Die konterten Kritik mit Zynismus und selbstgerechten Suggestivfragen. Plasberg sprang ihnen bei jeder Gelegenheit bei: „Herr Doktor, ich empfehle Ihnen als Medienberater, jetzt mal nicht zu sprechen.“ Hirschhausen sah sich das Ping-Pong-Spiel an und fasste am Ende eines jeden Themenblocks zusammen: Er sei prinzipiell für alternative Heilmethoden, aber nicht, wenn jemand ernstlich krank sei. Aha.

          So zerstritten die Lager sich aufführten, so einig waren sie sich in manchen Punkten: Ja, Ärzte haben oft zu wenig Zeit für ihre Patienten und können mitunter schlechter mit ihnen kommunizieren, als das Heilpraktiker könnten. Nein, eine Behandlung einer Krebserkrankung ausschließlich mit Globuli sei unverantwortlich. Aber die Kombination aus Schulmedizin und Homöopathie könne Erfolg zeigen.

          Mauerreste und Werbeblöcke

          Derartige Harmonie passte Frank Plasberg jedoch nicht in den Kram. Er ging lieber die Mediziner an. „Ein Patient wird im Wartezimmer im Durchschnitt nach elf Sekunden Symptombeschreibung unterbrochen. Wie wollen Sie in elf Sekunden die Ursache eines Kopfschmerzes herausfinden?“. Der Allgemeinmediziner Klaus Reinhardt antwortete: „Das kann ich nicht. Und deshalb mache ich das auch nicht.“

          Mitunter hatte man den Eindruck, Plasberg sei allein daran gelegen, das Thema seiner Sendung ins Lächerliche zu ziehen. Die „homöopathischen“ Pillen „Murum Berlinensis“ aus Resten der Berliner Maurer fand er offenbar sehr witzig. Dass diese Form der „Behandlung“ von allen Anwesenden als Abzocke gewertet wurde und von Beginn an kein Thema war, schien Plasberg nicht mitbekommen zu haben.

          Hirschhausen beschenkte der Moderator mit extra Sendezeit: So durfte der Komiker auf das Portal „Faktencheck Gesundheit“ verweisen, auf dem er regelmäßig Videos veröffentlicht. Einen Ausschnitt aus seinem Comedy-Programm „Wunderheiler“ gab es auch – für die Diskussion war das wenig hilfreich. Am Ende war nur eines klar: Eine solche Talkrunde ist nichts als ein Placebo, ohne jede heilende Wirkung.

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