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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Kritischer Journalismus oder doch „Lügenpresse“?

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Wenn die Bundesregierung die Programmatik der Grünen oder von Pro Asyl übernimmt, kann man das nicht den Grünen oder Pro Asyl vorwerfen. Es wäre aber ein Thema für einen kritischen Journalismus, die Prämissen dieser Politik einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Insofern ist der WDR anders zu beurteilen als Politiker wie Gauland oder Frau Göring-Eckardt.

Das gilt in gleicher Weise für Anja Reschke, Leiterin und Moderatorin des ARD-Politikmagazin „Panorama". Es war bei ihr nichts mehr von dem Impetus zu spüren, den die NDR-Journalistin in den vergangenen Monaten auszeichnete – ob es ihr eloquentes Eintreten für die freundliche Aufnahme von Flüchtlingen in dieser Gesellschaft oder das entschiedene Auftreten gegen die Rechtspopulisten der AfD betrifft. Frau Reschke bestritt schlicht, eine solche Agenda gehabt zu haben. Sie konnte sich noch nicht einmal mehr erklären, warum in einem Panorama-Beitrag Ende vergangenen Jahres Flüchtlinge in Gestalt von Familien mit kleinen Kindern gezeigt werden. Und nicht die jungen Männer, die proportional die Mehrheit darstellen. Der Grund für diese Bildauswahl ist natürlich der Gleiche, warum Zeitschriften auf ihren Titelseiten lieber auf junge Frauen als auf mittelalte Männer mit Gewichtsproblemen setzen: Die Kinder erzeugen mehr Empathie und symbolisieren damit die politische Botschaft, die man vermitteln will. Rechtsradikale verzichten übrigens deshalb auf solche Bilder.

Ehrenwerte politische Ziele

Frau Reschke konnte daher auch nichts mit der Kritik an den Medien anfangen. Schließlich gäbe es keine Tabus und sie habe auch immer schon über Integrationsprobleme berichtet. Das ist zwar richtig, aber nur bis zum September vergangenen Jahres. Als die Bundeskanzlerin die deutschen Grenzen für obsolet erklärte und damit die ungesteuerte Zuwanderung als de facto alternativlos deklarierte, änderte sich nämlich die Berichterstattung. Der WDR, Frau Reschke und weite Teile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurden ab diesem Zeitpunkt zu informellen Regierungssprechern. Jeden kritischen Gedanken über diese gedankenlose Politik betrachtete man als einen Verstoß gegen die guten journalistischen Sitten. Nicht nur Frau Reschke sah ihre Aufgabe darin, für einen humanen Umgang mit den Flüchtlingen und den Kampf gegen Rechts zu plädieren.

Anja Reschke, Leiterin und Moderatorin des ARD-Politikmagazin „Panorama“, kann nicht erklären, warum in einem Panorama-Beitrag Flüchtlinge in Gestalt von Familien mit kleinen Kindern gezeigt werden.

Beides sind ehrenwerte politische Ziele, aber keine journalistischen Kriterien. Die Prämissen dieser Sichtweise hätten in Frage gestellt werden müssen. Welche Folgen es hat, wenn die Zuwanderungspolitik dem politischen Meinungsbildungsprozess entzogen wird. Wenn diese Politik letztlich der Gesellschaft aufgezwungen wird, womit Ereignisse wie in Köln als unvermeidbar zu betrachten sind. Frau Reschke erwähnte die Debatte um den Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin. Der war vor allem wegen der degoutanten Überlegungen zur Genetik umstritten gewesen. Aber damals konnte niemand ahnen, was diese Aussage in der Realität bedeuten könnte. Die Abschaffung von Grenzen schafft Deutschland nämlich tatsächlich ab, weil sie die staatsrechtliche Voraussetzung jedes Staates sind. Damals hätte man für diese Feststellung auch noch keine Gutachten von ehemaligen Verfassungsrichtern gebraucht.

Ende einer Karriere?

Davon wollte Frau Reschke am Montagabend immer noch nichts wissen. Sie warnte vor „einfachen Lösungen“ in der Flüchtlingskrise, was aber als politische Stellungnahme zu verstehen ist. Darüber hat aber am Ende der Wähler zu entscheiden, keineswegs Journalisten. Diese haben ihn lediglich darüber zu informieren, worüber er am Ende eine Entscheidung zu treffen hat und welche Konsequenzen diese haben könnten. Ob die öffentlich-rechtlichen Medien diesem Anspruch in den vergangenen Monaten gerecht wurden, müssen die Zuschauer entscheiden. Die Skepsis scheint zu überwiegen.

Aber einer Idee von Claus Strunz ist zu widersprechen. Bei einem Politiker bedeutete eine solche Aussage wie die von Frau Zimmermann das Ende der Karriere. Man sollte sich überlegen, so Strunz, ob man diesen Maßstab nicht auch auf Journalisten anwenden müsse. Claudia Zimmermann erzählte zwar „totalen Quatsch“, als sie in den Niederlanden von den Direktiven der Ausschüsse berichtete. Aber das ändert nichts an der eigentlichen Frage: warum nicht nur der WDR den Meinungsbildungsprozess über die deutsche Zuwanderungspolitik für das Problem und nicht für die Lösung beim Umgang mit der Flüchtlingskrise gehalten hat. Dafür kann man nämlich nicht Frau Zimmermann verantwortlich machen.

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