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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Die Sehnsucht nach dem Knopfdruck – und alles wird gut

Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen über Suizidbeihilfe. Bild: dpa

Nein, es gibt in der Politik keinen Knopf, den man drücken könnte. Das ist in der Flüchtlingskrise eine bittere Erkenntnis. Frank Plasberg hat daraus einen erhellenden Abend gemacht.

          Ein Knopf beherrschte diese Runde. Nicht der Knopf, den Frank Plasberg so bequem drücken kann, wenn er die Einspielungen zum Thema des Abends präsentiert. Auch nicht der Knopf auf der Fernbedienung, den man üblicherweise gerne benutzt, wenn man wieder einmal eine Talkshow wegdrücken will. Nein, es war der Knopf, von dem offenbar angenommen wird, er befinde sich irgendwo in den Ministerien und im Kanzleramt, um Politik zu machen. Ein Knopfdruck, und schon passiert etwas. Ein Knopfdruck, und schon ist der Mindestlohn da. Ein Knopfdruck, und die Rente kommt mit 63. Ein Knopfdruck, und die Flüchtlingskrise ist erledigt.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Es wäre hilfreich gewesen, wenn der Knopf an diesem Abend ein für alle Mal erledigt worden wäre. Leider beschränkte sich Plasbergs Runde auf die Feststellung, dass es ihn in der Flüchtlingskrise nicht gebe. Der Strom der Flüchtlinge lasse sich, darin waren sich alle einig, nicht auf Knopfdruck einfach abschalten. Das ist sicher richtig. Noch viel richtiger ist aber etwas anderes: Das gilt nicht nur für die Flüchtlingspolitik. Es gibt diesen Knopf in der Politik auch sonst nicht! Nirgends! Bei keinem Thema!

          Obwohl oder gerade weil es diesen Knopf also nicht gibt und deshalb alles so kompliziert ist, war es wieder einmal eine recht ruhige und nüchterne Runde, die Frank Plasberg am Montagabend über die Flüchtlingskrise diskutieren ließ. Zumal es für das Thema gar keinen Anlass gab – wenn auch eine gewisse Sehnsucht nach ebenjenem Knopf darin steckte: „Abschieben, abschrecken, abschotten – zieht Merkel jetzt die Notbremse?“ Von einer Notbremse, die Merkel zöge, kann nun wahrlich nicht die Rede sein, also auch nicht von Abschottung. Von Abschreckung vielleicht schon eher und, ja, darauf setzt die Bundesregierung offenbar erst einmal ihre ganze Hoffnung: von Abschiebung.

          Politik streitet mit Wirklichkeit

          Vor Jahren hätte es wohl auch darüber noch erbitterten Streit gegeben, wenigstens das funktioniert sogar bis heute mitunter auf Knopfdruck in Deutschland. Aber wer Peter Altmaier, den Kanzleramtschef, mit Christian Bernreiter, dem CSU-Landrat, mit Michael Spreng, dem Politik-Berater, mit Rainer Wendt, dem Polizeigewerkschafter, und mit Sevim Dagdelen, der migrationspolitischen Sprecherin der Linksfraktion, debattieren lässt, bekommt etwas anderes.  Hier stritt nicht das Gute gegen das Böse, wie es in der Asyldebatte lange Jahre üblich war, sondern Politik mit Wirklichkeit. Nicht einmal Dagdelen brach aus diesem Rahmen aus, lobte vielmehr – das ist unter Grünen und Linken jetzt so üblich – die Bundeskanzlerin für deren „Wir schaffen das“ und wies darauf hin, dass Aufnahmebereitschaft nur mit sozialem Frieden zu gewährleisten sei, also von Voraussetzungen abhänge. Dann folgte allerdings wie Kai aus der Kiste die Vermögenssteuer.

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