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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Die deutsche Hässlichkeit kriecht empor

  • -Aktualisiert am

„Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg Bild: WDR/Klaus Görgen

Die Politik versagt in der Flüchtlingskrise, die Verunsicherung ist verständlich. Doch woher kommt all der Hass? Mit uns Deutschen stimmt was nicht, zeigte die gestrige Plasberg-Sendung.

          Wer die historischen Nazis für dumm halten sollte, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Sie waren eine moderne Partei, die ihre Attraktivität aus den unseligsten Elementen bezog, die das 19. Jahrhundert zur Verfügung stellte. Nationalismus in seiner völkischen deutschen Variante gehörte genauso dazu, wie der Rassismsus und der Antisemitsmus.

          Sie nutzten die überlieferte Heroisierung des Tatmenschen gegenüber der demokratische Debatte. Das verband sich mit dem in Deutschland weit verbreiteten Glauben an eine autoritäre Gesellschaft und der Verachtung für die Spielregeln des westlichen Parlamentarismus.

          Dazu kam eine extreme Gewaltbereitschaft, die sprichwörtlich über Leichen ging. Nach lediglich zwölf Jahren hatten die Nazis eine für Europa und Deutschland beispiellose Katastrophe zu verantworten. Die Neonazis haben daher bis heute ein Problem. So dumm kann niemand sein, solchen Hasardeuren und Staatsgangstern noch einmal die Verantwortung zu übertragen, außer Neonazis natürlich.

          „Orientierung an einer humanen Gesinnung“

          In Deutschland kann man über die politische Rechte nicht ohne diesen Hintergrund reden. Es ist  zu ihrem spezifisch deutschen Kainsmal geworden. Frank Plasberg machte gestern Abend den spannenden Versuch, diese deutsche Rechte auszuloten, ohne sich mit einem ritualisierten Antfaschismus zufrieden zu geben. „Woher kommt der rechte Hass?“, so seine Frage.

          Der Ausgangspunkt war eine sehenswerte Reportage unter Federführung des Journalisten Georg Mascolo. Sein Team rekonstruierte einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im niedersächsischen Salzhemmendorf. Die Täter konnten schnell ermittelt werden, was bei diesen Delikten eine Ausnahme ist. Es war nicht die Tat eines organisierten Rechtsextremismus, sondern sie entstand spontan von Menschen, die vorher politisch nicht aufgefallen waren.

          In der Reportage waren aber die genannten Elemente zu finden, die schon die historischen Nazis genutzt hatten. Interessant war bei den intellektuell eher anspruchslosen Tätern nicht ihr unausgegorener Ideenmatsch, sondern die extreme Gewaltbereitschaft. Sie schritten im Laufe eines Abends zur Tat und riskierten mit ihrem Brandanschlag bewusst das Leben anderer Menschen. Aus bis dahin unbescholtenen Bürgern wurden potentielle Mörder.

          Die Fassungslosigkeit ihres Umfeldes wurde in der Reportage gut ausgeleuchtet, auch dessen Weigerung, sie als überzeugte Rechtsextremisten zu charakterisieren. In der folgenden Debatte wich man aber der eigentlichen Frage aus. Ist diese Gewaltbereitschaft in ihrer Häufigkeit etwas spezifisch Deutsches? Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali nannte die Motivation dieser Täter „rassistisch“. Nur ist Rassismus in ganz Europa zu finden. Einer der Täter aus Salzhemmendorf hatte sogar ein enges persönliches Verhältnis zu einem früheren Flüchtling. Solche Widersprüche mögen seinen begrenzten kognitiven Fähigkeiten geschuldet sein.

          Aber diese schützen einen nicht zwangsläufig vor dem Verlust jener „Orientierung an einer humanen Gesinnung“, den der im vergangenen Jahr verstorbene Publizist Ralph Giordano als das entscheidende Charakteristikum der Nazis beschrieben hatte. In der SS fanden sich genügend Akademiker, die jedes Verbrechen mitmachten.

          Mascolo wies auf den Zufall hin, dass bei diesen Brandanschlägen noch niemand ermordet worden ist. Er war ursprünglich von der These ausgegangen, es mit einem ideologisch motivierten und organisierten Rechtsextremismus zu tun zu haben. Gerade nicht mit einer Gewaltbereitschaft aus der Mitte unserer Gesellschaft. Ihm war die Verunsicherung anzumerken, die seine Recherche ausgelöst hatte.

          Diskursiver Totalschaden

          Aber man kann es auch so machen, wie die beiden Vertreter der Großen Koalition in der Runde. So kam der Hamburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Joachim Lenders auf die originelle Idee, vor der Verharmlosung des Linksextremismus zu warnen. Zwar gibt es an dem viel zu kritisieren, etwa die zumeist verblüffende Ahnungslosigkeit über linke Ideengeschichte; auch war die RAF ein Beispiel für den Verlust humaner Orientierung. Es wird aber niemand mit einer Mischung aus linksextremer Phraseologie und zu viel Alkohol Häuser in Brand setzen, um damit den Tod von Menschen billigend in Kauf zu nehmen. Das ist das Privileg dieser fremdenfeindlichen Milieus.

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